Gewalt und Verhaftungen Assads Truppen umstellen syrische Städte

Die syrische Regierung geht an immer mehr Orten mit Militärgewalt gegen ihre Gegner vor: Um die erwarteten Freitagsdemonstrationen zu unterdrücken, kesselt die Armee mehrere Städte ein. Offenbar begann auch eine neue Welle von Massenverhaftungen.

Fahrzeuge der syrischen Armee (Archivbild): Mit Waffengewalt gegen die Protestbewegung
REUTERS

Fahrzeuge der syrischen Armee (Archivbild): Mit Waffengewalt gegen die Protestbewegung


Damaskus - Soldaten marschieren rund um die zentralsyrische Stadt Hama auf. Im Norden des Landes gehen Regierungsanhänger mit Stöcken auf 2000 Demonstranten los. Armeeverbände riegeln alle Zugänge zu der Kleinstadt Kafr Schams 60 Kilometer südlich von Damaskus ab.

Von syrischen Menschenrechtsaktivisten überlieferte Szenen zeigen, dass die Sicherheitskräfte von Diktator Baschar al-Assad immer härter gegen die Regimegegner vorgehen.

Vermutlich begann auch eine weitere Welle von Massenverhaftungen. Syrische Soldaten und andere Sicherheitskräfte haben offenbar in Dörfern nahe der Protesthochburg Banias am Donnerstag erneut Dutzende Menschen festgenommen. Syrische Menschenrechtsbeobachter in London teilten mit, betroffen seien die Dörfer El Baida und El Kariri im Nordwesten des Landes. Auch in Banias selbst gingen die Festnahmen demnach weiter. Die Armee hatte in den vergangenen Tagen immer wieder Städte abgesperrt, deren Bürger gegen Assad protestiert hatten. Polizei und Geheimdienst verhafteten in der Folge immer wieder mutmaßliche Kundgebungsteilnehmer und Oppositionsanhänger.

Das härtere Vorgehen der Streitkräfte und die Verhaftungen sollen die Bevölkerung offenbar davon abhalten, an den für Freitag im ganzen Land erwarteten Demonstrationen teilzunehmen. Die Stadt Hama war bereits 1982 Schauplatz einer blutig niedergeschlagenen Revolte. Der Vater des heutigen Präsidenten Assad ließ die Stadt damals in Schutt und Asche legen. Laut Amnesty International kamen dabei 10.000 bis 25.000 Menschen ums Leben.

Seit dem Beginn der Proteste gegen die Assad-Regierung Mitte März wurden nach Angaben syrischer Menschenrechtsorganisationen bis zu 700 Menschen von Sicherheitskräften getötet; mehr als 8000 Menschen wurden demnach festgenommen oder gelten als vermisst. Das Regime stellt sich gegenüber den Demokratie- und Rücktrittsforderungen der Protestbewegung taub.

USA: Syrisches Vorgehen gegen Demonstranten ist "barbarisch"

Die USA bezeichneten indes das gewalttätige Vorgehen der syrischen Führung als "barbarisch" und drängten diese dazu, den Willen des Volkes zu achten. "Wir glauben, ihr Fokus sollte darauf liegen, die legitimen Ansprüche des syrischen Volkes zu erfüllen und nicht darauf, wieviel Gewalt oder viel Tod nötig ist, um es zu unterwerfen", sagte US-Außenamtssprecher Mark Toner.

Angesichts des internationalen Drucks verzichtet Syrien nun auf den Sitz im Uno-Menschenrechtsrat, der dem arabischen Land aufgrund des regionalen Zuteilungsproporzes zugestanden hätte. Man werde nicht mehr in diesem Jahr antreten, wohl aber für den Zyklus 2014 bis 2016, sagte Syriens Uno-Botschafter Baschar Dschafari am Mittwoch in New York.

Damaskus habe mit dem Schachzug lediglich ein peinliches Votum verhindern wollen, sagte dagegen Peggy Hicks von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Jetzt übernimmt der Golfstaat Kuwait den arabischen Sitz.

Auch im Jemen kam es bei Protesten gegen den jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih erneut zu tödlichen Zusammenstößen: Sicherheitskräfte töteten am Donnerstag in der Stadt Baida zwei Demonstranten. Die Kundgebung richtete sich gegen die Gewalt der Regimekräfte, berichtete die Oppositions-Webseite "al-tagheer.com". In der südlichen Stadt Taiz trieben die Sicherheitskräfte einen Demonstrationszug mit Tränengas und Gewehrschüssen auseinander. Mindestens 40 Menschen wurden nach Angaben von Krankenhausärzten dabei verletzt.

lgr/dpa/AFP/dapd

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Seite 1
meisterraro 12.05.2011
1. Die Eskalation war angezettelt
Hier ein Link, der die Hintergründe der Eskalation etwas klarer werden lässt: http://www.presstv.com/detail/179588.html Die Aufstände in Syrien verlaufen etwas anders als in den anderen Ländern weil sie instrumentalisiert und vereinahmt wurden. Von kleinen Gruppen, die nicht die Mehrheit des Syrischen Volkes repräsentieren. Ähnlich wie in Libyen.
2010sdafrika 12.05.2011
2. Jasminrevolte wird Syrien nicht erfassen
Das syrische Volk wird, so meine Einschätzung, nicht dem Vorbild Tunesiens, Ägyptens oder Libyens folgen. Denn in den ersten beiden Staaten hat die arabische Revolution die Despoten durchaus verdrängen können, dennoch befinden sich genau diese arabischen Länder weiterhin in einem Machtvakuum, während Libyen längst dem Bürgerkrieg verfallen ist. Das syrische Volk wird in Anbetracht der Lage im benachbarten Irak, im Libanon/ Palästina oder in Nordafrika sich ganz genau überlegen, ob man die Demokratie im Gegensatz zur Diktatur vorzieht, und auf diesem Wege die Sicherheit und politische Stabilität riskiert. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Jasminrevolution eine Chance für den gesamten arabischen Raum darstellt - vor allem dann, wenn der Umbruch in Tunesien klappen sollte: http://2010sdafrika.wordpress.com/2011/01/22/tunesiens-zukunft-fouad-mebazaa/.
onkeldavid 12.05.2011
3. Was für Quellen zitieren Sie hier eigentlich?
Zitat von meisterraroHier ein Link, der die Hintergründe der Eskalation etwas klarer werden lässt: http://www.presstv.com/detail/179588.html Die Aufstände in Syrien verlaufen etwas anders als in den anderen Ländern weil sie instrumentalisiert und vereinahmt wurden. Von kleinen Gruppen, die nicht die Mehrheit des Syrischen Volkes repräsentieren. Ähnlich wie in Libyen.
Meisterraro, schau dir mal das Impressum dieses Links an.... Dann würdest Du diesem Quatsch keinen Glauben schenken...
meisterraro 13.05.2011
4. Umdenken, mein Freund
Zitat von onkeldavidMeisterraro, schau dir mal das Impressum dieses Links an.... Dann würdest Du diesem Quatsch keinen Glauben schenken...
Hallo, Ich kenne selbstverständlich das Impressum, PressTV ist im Iran ansässig. Und gerade deswegen traue ich der Nachrichtenseite. Die uns verkauften 'Frontlinien' zwischen guten und bösen Ländern existieren für mich schon lange nicht mehr. Das sind von der Presse zementierte Freund-/Feindmuster die schlicht absurd und unsinnig sind. Diese Feindschaften, die nicht zuletzt durch sentenziöse und mit westlichen Denkmustern durchsetzte Berichterstattung zustande kommen, sollte jeder aus seinem Denken verbannen. Denn oft verhält es sich auf den zweiten Blick genau umgekehrt wie auf den ersten.
Regulisssima 13.05.2011
5. Freunde
...und alles mit russischen Waffen, rusischer Billigung und russischer Protektion
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