Gewalteskalation im Jemen Sicherheitskräfte erschießen zahlreiche Regierungsgegner

Dramatische Gewalteskalation in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa: Am blutigsten Tag der seit Wochen anhaltenden Proteste haben Sicherheitskräfte zahlreiche Demonstranten erschossen. Präsident Saleh  verhängt den Ausnahmezustand.

AP

Sanaa - Bei Angriffen auf Regierungsgegner im Jemen sind am Freitag offenbar zahlreiche Menschen getötet worden. Ärzte sprachen laut mehreren Agenturberichten von mindestens 30 Toten und mehr als hundert Verletzten. Anderen Quellen berichteten unter Berufung auf Augenzeugen von bis zu 20 getöteten und 50 zum Teil schwer verletzten Demonstranten die Rede.

Offenbar schossen regierungstreue Sicherheitskräfte und Anhänger von Staatschef Ali Abdallah Saleh von umliegenden Dächern auf die Demonstranten, die auf einem Platz vor der Universität der Hauptstadt Sanaa versammelt waren. Auch Wasserwerfer und Tränengas kamen gegen die Demonstranten zum Einsatz. Hunderttausende waren einem Aufruf gefolgt, um unter dem Motto "Tag der Würde" für den Rücktritt des Längzeit-Präsidenten zu demonstrieren, der das arabische Land seit 1978 regiert.

Tausende Oppositionsanhänger kampieren seit fast vier Wochen auf dem Platz im Zentrum von Sanaa. In den vergangenen Wochen gab es dort und anderen Städten des Landes immer wieder blutige Zusammenstöße zwischen Anhängern der Opposition und der Polizei. Dieser Freitag aber war der blutigste Tage, seitdem im Vormonat eine breite Bewegung im ganzen Land damit begann, den Rücktritt Salehs zu fordern. Oppositionsvertreter erklärten nach den dramatischen Ereignissen jeden weiteren Dialog für hinfällig.

Präsident Saleh äußerte in einer TV-Ansprache sein Bedauern über die Gewalteskalation. Der Nationale Sicherheitsrat habe den Ausnahmezustand über das Land verhängt. Die Bürger dürften damit keine Waffen mehr tragen.

Saleh hatte angekündigt, auf eine erneute Kandidatur verzichten zu wollen. Zudem versprach er eine umfassende Reform der Verfassung. Der Opposition reicht dies jedoch nicht, sie beharrt auf seinem Rücktritt.

phw/AFP/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.