Gewaltexzesse in Nigeria Mehr als 60 Tote bei Anschlagsserie

Gewaltexzesse im Nordosten Nigerias: Bewaffnete Männer zogen durch die Hauptstadt des Staates Yobe, sprengten ein Gebäude, griffen Polizeiwachen und Kirchen an. Insgesamt kamen 63 Menschen ums Leben. Hinter dem Angriff werden Mitglieder der radikalislamischen Sekte Boko Haram vermutet.


Maiduguri - Bei einer Serie von Bombenanschlägen und Überfällen sind im Nordosten von Nigeria mindestens 63 Menschen getötet worden. Zu den Anschlägen kam es in und um Damaturu, der Hauptstadt des Staates Yobe, wie der Rot-Kreuz-Mitarbeiter Ibrahim Bulama am Samstag erklärte. Begonnen habe die Serie am Freitag mit der Explosion einer Autobombe vor einem dreistöckigen Gebäude der Stadt, das von den Streitkräften genutzt wurde. Viele Wachmänner seien dabei ums Leben gekommen.

Es wird vermutet, dass die radikalislamische Sekte Boko Haram hinter den Angriffen in den Städten Damaturu und Maiduguri steckt. Die Sekte, die übersetzt in etwa "westliche Erziehung ist eine Sünde" heißt, verübt seit Jahren immer wieder Anschläge auf Polizeistationen und christliche Kirchen.

Diesmal begann die Angriffsserie damit, dass die Terroristen in der Stadt Maiduguri einen mit Sprengstoff beladenden Jeep vor dem Gebäude einer Regierungsbehörde in die Luft sprengten. Aufgabe der Behörde sei es, den Kampf gegen die Sekte zu koordinieren, berichtete die Zeitung "The Nation". Weitere Bomben explodierten vor katholischen Kirchen und einem theologischen Seminar.

Die Attacke dauerte etwa 90 Minuten

Nach Angaben des BBC-Korrespondenten in Nigeria gab es anschließend längere Schusswechsel, zahlreiche Bewohner hätten fluchtartig die betroffenen Viertel verlassen. Insgesamt dauerte die Attacke rund 90 Minuten. Die drei Angreifer seien ums Leben gekommen, hieß es.

Maiduguri galt lange Zeit als Hochburg von Boko Haram. Seit Monaten hatten Mitglieder der Sekte dort immer wieder Bomben in Kneipen geworfen, die sie als Ort der Sünde ablehnen. Im August waren bei einem Selbstmordanschlag auf die UN-Gebäude in der Hauptstadt Abuja mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Auch in diesem Fall wurde die Boko Haram als Drahtzieher vermutet.

Die Sekte lehnt jeden westlichen Lebensstil ab. Unter anderem ist sie strikt gegen Alkoholgenuss. Die 2002 gegründete Gruppe bezeichnet sich selbst auch als "nigerianische Taliban".

jjc/dapd



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