Gewaltlose Lösung Neue Spekulationen um Saddams Exil

Die Gerüchte häufen sich, dass Iraks Diktator Saddam Hussein ins Exil geht. Das Treffen von US-Präsident Bush mit dem saudi-arabischen Außenminister Prinz Saud al Faisal nährte die Spekulationen.Die Frage ist nur: Wohin mit dem irakischen Diktator?


Saddam Hussein und seine Vertrauten:Dinieren bald in Ägypten?
AFP

Saddam Hussein und seine Vertrauten:Dinieren bald in Ägypten?

Washington - Einem Bericht der "Los Angeles Times" zufolge sollen bereits vor kurzem bei der Konferenz der Nachbarstaaten des Irak in der Türkei konkrete Pläne geschmiedet worden sein. Details wurden allerdings nicht bekannt. Prinz Saud al Faisal gilt Initiator der Bemühungen. Bei seinem Treffen mit Bush am Donnerstag bestand er jedoch darauf, das Thema nicht zu kommentieren. Man wolle sich nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einmischen, sagte er.

Bush zeigte sich angetan von der Idee: "Sollte er (Saddam Hussein) sich dazu entschließen, das Land zu verlassen, würden wir das natürlich begrüßen". Allerdings reiche es nicht, lediglich den Diktator außer Landes zu schicken. Auch ein Großteil seiner Familie und seiner Gefolgschaft müssten den Irak verlassen. "Wenn Saddam Hussein gehen würde und sein Sohn zurückbleiben würde, und sein Sohn Massenvernichtungswaffen hätte, wäre die Welt genau so in Gefahr", präzisierte Bushs Regierungssprecher Ari Fleischer.

In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Gerüchte und Spekulationen über ein Asyl für Hussein gegeben. Als mögliche Länder waren Ägypten, Saudi-Arabien, Libyen, Dschibuti, Sudan und sogar Russland genannt worden. Doch konkrete Hinweise hatte es nie gegeben.

Allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass der irakische Diktator lieber im Kampf sterben würde, als einen goldenen Käfig zu akzeptieren. Außerdem sei nicht auszuschließen, dass seine Gefolgsleute ihn aus Angst vor einer amerikanischen Besetzung selbst stürzen würden, so Edward S. Walker Jr., früher Botschafter in Ägypten, Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Exil-Lösung für Saddam ruft jedoch Menschenrechtler wie David Scheffler, einen Diplomaten aus der Clinton-Ära, auf den Plan. Der fragt sich: "Wie können wir verlangen, dass Osama Bin Laden vor ein Gericht gestellt werden muss, wenn wir gleichzeitig Saddam Hussein, dessen Verbrechen die Osama Bin Ladens bei weitem übertreffen, einen Passierschein ausstellen?"



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