Gewalttätige Rache Christen in Nigeria erschlagen Muslime

In Nigeria ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen. Diesmal haben Christen ihre muslimischen Nachbarn angegriffen - als Vergeltungstat für christenfeindliche Übergriffe im Zuge des Karikaturenstreits. Mindestens zwölf Menschen starben.


Enugu - Im Süden Nigerias haben aufgebrachte Christen am Dienstag nach Augenzeugenberichten Muslime gejagt und etliche von ihnen getötet. Es handele sich offenbar um eine Vergeltungsaktion für die jüngsten Übergriffe von Muslimen auf Christen im Zuge des Karikaturstreits, hieß es aus Sicherheitskreisen. Einem Einwohner in der Stadt Onitsha zufolge suchten Muslime in Armee-Baracken Schutz, weil christliche Randalierer sie verfolgten. Die Angreifer seien mit Waffen, Steinen und Macheten ausgerüstet gewesen. Mindestens sieben Muslime wurden in der Stadt zu Tode geprügelt.

Sicherheitsbeamte sagten, es habe mindestens zwölf Todesopfer gegeben. Diese Zahl könnte aber noch steigen. Das Rote Kreuz berichtete, mindestens 39 Menschen seien ins Krankenhaus eingeliefert worden. Mehrere Moscheen hätten gebrannt. Die Behörden entsandten Sicherheitskräfte in den Ort, um die Auseinandersetzungen zu beenden.

Nigerias größte Christengruppe CAN hatte Vergeltungsangriffe ihrer Mitglieder zuvor nicht ausgeschlossen. Am Wochenende waren der CAN zufolge 50 Menschen bei christenfeindlichen Aufständen im Norden des westafrikanischen Landes getötet worden.

Die 140 Millionen Einwohner Nigerias verteilen sich fast gleichmäßig in eine christliche Hälfte im Süden und eine muslimische Hälfte im Norden. Neben den umstrittenen Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen - die weltweit zu teils gewaltsamen Protesten führten - sehen Beobachter auch die Unsicherheit über die politische Zukunft Nigerias als Ursache der jüngsten Spannungen.

agö/Reuters/AP



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