Gewaltwelle im Gazastreifen Schwere Kämpfe fordern viele Tote

Blutiger Tag im Gazastreifen: Bei schweren Gefechten zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern sind über 20 Menschen ums Leben gekommen, darunter mehrere Zivilisten. Ein Journalist wurde tödlich getroffen, als er einen israelischen Panzervorstoß filmte.


Gaza - Israelische Soldaten und militante Palästinenser haben sich die blutigsten Kämpfe seit Anfang März geliefert: Bei einer Serie von Luftangriffen und Gefechten wurden mindestens 19 Palästinenser und drei Israelis getötet. Augenzeugen zufolge feuerten israelische Kampfhubschrauber mehrere Raketen auf eine Gruppe von Palästinensern, die einen Granatenangriff auf Israel vorbereiteten. Einige Geschosse hätten aber auch das nahegelegene Flüchtlingslager von Bureidsch getroffen. Dabei seien mindestens neun Zivilisten getötet worden, darunter auch zwei Kinder.

Bei einem weiteren Luftangriff wurde der Jeep eines Kameramanns der Nachrichtenagentur Reuters getroffen. Fadal Shana wollte einen israelischen Panzervorstoß filmen. Der 25-Jährige erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen, wie Rettungskräfte mitteilten. Mit ihm kamen zwei weitere Palästinenser ums Leben.

Drei israelische Soldaten wurden in den frühen Morgenstunden bei einem Schusswechsel nahe des Grenzübergangs Nahal Os getötet. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, bekannte sich zu dem Angriff.

Im Osten von Gaza Stadt tötete die israelische Armee in der Nacht zu Mittwoch nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte vier Kämpfer der Essedin-al-Kassam-Brigaden. Im Norden des Gazastreifens kam demnach ein weiterer Hamas-Kämpfer durch einen israelischen Luftangriff ums Leben.

Carter in Kairo

Der israelische Präsident Shimon Peres zeigte sich während eines Warschau-Besuchs bestürzt über den Tod der Soldaten. Trotz der neuerlichen Zuspitzung der Situation nahm Israel wieder die Lieferung von Treibstoff in den Gazastreifen auf, die wegen eines Angriffs palästinensischer Extremisten vor einer Woche gestoppt wurde.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, der zu einem dreitägigen Besuch in Moskau eintraf, verurteilte das israelische Vorgehen. Abbas rief die israelische Regierung nach Angaben eines Sprechers zum Ende der Luftangriffe auf den Gazastreifen auf. Der Palästinenserpräsident führte in Moskau Vorgespräche für eine Nahost-Konferenz, die Russland im Juni ausrichten will. Die Tagung soll nach dem Willen Moskaus das Nachfolgetreffen zu der im vergangenen November in der US-Stadt Annapolis abgehaltenen Friedenskonferenz werden.

Unterdessen traf der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter im Rahmen seiner neuntägigen Nahost-Reise in Kairo ein, wo er nach palästinensischen Angaben am Freitag Hamas-Führer Chaled Meschaal treffen soll. Die USA und Israel kritisieren die Reise des früheren US-Präsidenten, der zum Dialog mit der Hamas aufruft.

amz/AP



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