Gezielter Angriff Teheran störte Deutsche Welle TV

Der Sendebetrieb des Auslandsfernsehens Deutsche Welle ist nach SPIEGEL-Informationen massiv gestört worden - offenbar durch gezielte Attacken aus Iran. Anfang Dezember forderten französische Behörden Teheran auf, die Störungen zu stoppen.

Gebäude der Deutschen Welle in Bonn: "Absichtliche Störungen aus Teheran"
DDP

Gebäude der Deutschen Welle in Bonn: "Absichtliche Störungen aus Teheran"


Hamburg - In die ganze Welt sendet der Fernsehsender Deutsche Welle TV sein Programm - auf Deutsch und Englisch sowie Spanisch und Arabisch. Die Ausstrahlung des deutschen Auslandsdienstes ist Anfang Dezember nach Informationen des SPIEGEL aber stark beeinträchtigt worden. Der Grund: Iran soll das Programm gezielt gestört haben.

In einem Schreiben der federführenden französischen Regierungsbehörde Agence Nationale des Fréquences an das iranische Kommunikationsministerium heißt es, dass es am 7. und 8. Dezember Eingriffe gegeben habe, die wie "absichtliche Störungen" aussähen.

Betroffen war ein Hot-Bird-Satellit des Betreibers Eutelsat. Die Störquelle liegt im Gebiet um Teheran. Bereits im Mai und Juni 2009 kam es zu Behinderungen, die französische Behörde forderte Iran schon damals auf, "dringende Schritte" einzuleiten, um die Störungen zu stoppen. Der Satellitenbetreiber versuchte auf die jüngsten Störmanöver mit dem Hochfahren der Sendeleistung zu reagieren, daraufhin wurde auch das Störsignal verstärkt. Betroffen vom Senderausfall war auch der arabischsprachige Dienst DW-TV Arabia des deutschen Senders.

Die Deutsche Welle berichtet auch über die Unruhen in Iran: Seit Juni protestieren Oppositionelle immer wieder gegen die Regierung von Mahmud Ahmadinedschad. Zunächst richteten sich die Proteste gegen vermuteten Betrug bei den Wahlen im Juni, doch immer mehr scheinen die Menschen auch gegen das Regime an sich zu demonstrieren.

"Für die Rechte des Volkes zum Märtyrer werden"

Vergangenes Wochenende erreichte die Protestwelle einen neuen Höhepunkt - mit Straßenkämpfen und blutigen Zusammenstößen von Regimegegnern und Sicherheitskräften. Der Geheimdienst droht mit gnadenlosen Strafaktionen. 500 Demonstranten wurden festgenommen. Die Geheimpolizei habe weitere Personen verhaftet, hieß es. Der Opposition nahestehende Webseiten berichteten von mindestens 800 Festgenommenen, darunter 300 allein in Teheran. Zusätzlich seien mindestens 18 Vertraute von Oppositionsführer Hossein Mussawi hinter Gitter gebracht worden.

Oppositionsführer Mussawi erklärt sich bereit, für die Rechte des Volkes zu sterben. Mussawi, der innerhalb des bestehenden Systems Reformen anstrebt, schrieb auf seiner Webseite, er zögere nicht, für die Umsetzung der religiösen und nationalen Rechte des Volkes zum Märtyrer zu werden. Unterstützer von Ahmadinedschad hatten die Verhaftung Mussawis und des oppositionellen Geistlichen Mahdi Karrubi gefordert. Regierungstreue und Geistliche plädierten sogar für die Todesstrafe.

kgp



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mbockstette 28.12.2009
1. @ nahal, mail4u, paparatzi u.a.m.
Zitat von sysopDie meisten Informationen über die blutigen Massenproteste in Iran stammen von Oppositionellen - jetzt hat das iranische Staatsfernsehen bestätigt: In Teheran und im Nordwesten des Landes wurden acht Menschen getötet. Die USA und Frankreich verurteilten das brutale Vorgehen gegen Demonstranten. Wie stehe die Chancen des nationalen Widerstands in Iran?
"Geschichte wird gemacht", hier und heute im Iran. Einem der drei tragenden Säulen des Orients seit den Tagen der Pharaonen. Ägypten, Persien und die Türkei (Hatti). Was im Iran geschieht, davon hängt mehr ab, das hat einen größeren Einfluss, mehr Wirkung auf die gesamte Region und die Gemeinschaft der Muslime, als allen anderen Brennpunkte im islamischen Halbmond zusammen. Dies vorausgeschickt möchte ich unser aller Augenmerk verstärkt auf die aktuelle Auseinandersetzung im Iran, den Kampf der Bürgerrechtsbewegung und den "Aufstand der Anständigen" lenken: Ich meine deutlich wahrzunehmen, wie wenig sich die meisten hier darüber bewusst sind, dass wenn der Iran auf die demokratischen Füße kommt, die anderen Lahmen der Region ebenfalls beginnen werden sich zu erheben.
Emil Peisker 28.12.2009
2.
Zitat von mbockstette"Geschichte wird gemacht", hier und heute im Iran. Einem der drei tragenden Säulen des Orients seit den Tagen der Pharaonen. Ägypten, Persien und die Türkei (Hatti). Was im Iran geschieht, davon hängt mehr ab, das hat einen größeren Einfluss, mehr Wirkung auf die gesamte Region und die Gemeinschaft der Muslime, als allen anderen Brennpunkte im islamischen Halbmond zusammen. Dies vorausgeschickt möchte ich unser aller Augenmerk verstärkt auf die aktuelle Auseinandersetzung im Iran, den Kampf der Bürgerrechtsbewegung und den "Aufstand der Anständigen" lenken: Ich meine deutlich wahrzunehmen, wie wenig sich die meisten hier darüber bewusst sind, dass wenn der Iran auf die demokratischen Füße kommt, die anderen Lahmen der Region ebenfalls beginnen werden sich zu erheben.
Hoffen darf man ja. Zu befürchten ist aber, dass der Preis der Überwindung des klerikalen Regimes, für die Bürgerrechtsbewegung sehr hoch sein könnte.
mbockstette 28.12.2009
3.
Zitat von Emil PeiskerHoffen darf man ja. Zu befürchten ist aber, dass der Preis der Überwindung des klerikalen Regimes, für die Bürgerrechtsbewegung sehr hoch sein könnte.
Hallo Emil, Demokratie, sprich Bürgerrechte und Pluralismus sind so gut wie nie zum Nulltarif zu haben. Im Iran muss nicht mehr ein klerikales Regime sondern eine veritable Militär- und Geheimdienstdiktatur nieder gerungen werden. Schon fallen im Iran die letzten Tabus: "Im Iran haben rund 50 regierungstreue Aktivisten am Samstag eine Rede des populären früheren Präsidenten Mohammad Chatami gesprengt". Man beachte den Ort des Geschehens: Chatami sprach in der früheren _Residenz des verstorbenen Gründers der islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Chomeini_, im Norden Teherans. http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Sicherheitskraefte-schlagen-Demonstranten-nieder/story/26130531
Mail4U, 28.12.2009
4.
Zitat von sysopDie meisten Informationen über die blutigen Massenproteste in Iran stammen von Oppositionellen - jetzt hat das iranische Staatsfernsehen bestätigt: In Teheran und im Nordwesten des Landes wurden acht Menschen getötet. Die USA und Frankreich verurteilten das brutale Vorgehen gegen Demonstranten. Wie stehe die Chancen des nationalen Widerstands in Iran?
Überholt das Fussvolk seine Anführer ist glaube ich einmal ein sehr gut gewählter Titel eines SPON Threads. Es zeigt die aus dem Ruder laufende Entwicklung im Iran beispielhaft auf. Man erlebt dies auch in Gesprächen in DE mit Exiliranern immer wieder sehr deutlich: die Leute sind mit ihrer Geduld am Ende. Mit friedlichen Mitteln erreiche man keine Veränderungen. Ob das Gegenteil zum Erfolg, also dem Sturz des Regimes führt, halte ich nach wie vor für Phantasterei. Die Erosion des Apparates müsste viel weiter fortgeschritten sein, als es die Nachrichtenlage zu spekulieren gestattet. Ich lasse mich gerne von der Realität widerlegen, gerade Revolutionen überraschen gerne mit einer explosiven Entwicklung. Als Skeptiker hoffe ich das Beste und befürchte ich das Schlimmste.
sayada.b. 28.12.2009
5. Genau!
Zitat von mbockstetteHallo Emil, Demokratie, sprich Bürgerrechte und Pluralismus sind so gut wie nie zum Nulltarif zu haben. Im Iran muss nicht mehr ein klerikales Regime sondern eine veritable Militär- und Geheimdienstdiktatur nieder gerungen werden. Schon fallen im Iran die letzten Tabus: "Im Iran haben rund 50 regierungstreue Aktivisten am Samstag eine Rede des populären früheren Präsidenten Mohammad Chatami gesprengt". Man beachte den Ort des Geschehens: Chatami sprach in der früheren _Residenz des verstorbenen Gründers der islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Chomeini_, im Norden Teherans. http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Sicherheitskraefte-schlagen-Demonstranten-nieder/story/26130531
So ist es, auch wenn das Regime bislang nicht offiziell als Militärdiktatur bezeichnet wird, handelt es sich doch eindeutig um eine solche. Positiv könnte sich allerdings auswirken, daß die Armee den Pasdaran und sonstigen Revolutionswächtern doch ziemlich feindlich gegenüber steht. Somit stellt sich genau wie 1979 die Frage, ob die Armee die Oppositionellen unterstürzten wird, was zu hoffen ist...
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