Mutter von gefallenem US-Soldaten "Trump hat einen schwarzen Charakter"

Donald Trump hatte die Eltern eines gefallenen US-Soldaten attackiert. Jetzt äußerte sich die Mutter des jungen Mannes mit bitteren Worten gegen Trump. Und der schafft es immer noch nicht, zu verstummen.

Ghazala Khan suchte nach Trumps Angriff den Weg in die Öffentlichkeit
AFP

Ghazala Khan suchte nach Trumps Angriff den Weg in die Öffentlichkeit


Nun spricht sie doch. Auf dem Parteitag der Demokraten hatte sich Ghazala Khan im Hintergrund gehalten. Während der bewegenden Rede ihres Mannes Khizr Khan stand sie still neben ihm.

Jetzt aber knöpfte sie sich ihrerseits den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump vor. In der "Washington Post" schrieb sie: "Donald Trump wollte wissen, warum ich nicht auf dem Parteitag gesprochen habe." Hier bekomme er nun seine Antwort: "Weil ganz Amerika, die ganze Welt meinen Schmerz gespürt hat - ohne, dass ich ein Wort gesagt habe. Wer mich gesehen hat, hat mich in seinem Herzen gefühlt."

Ihr Mann Khizr Khan hatte auf dem Parteitag vergangene Woche über Patriotismus gesprochen. Der pakistanisch-stämmige Anwalt, dessen Sohn 2004 als US-Soldat im Irakkrieg gefallen war, hatte dabei Trump heftig für seine Attacken gegen Muslime kritisiert. Unter allen Glaubensrichtungen, Ethnien und Geschlechtern gebe es wahre amerikanische Patrioten. "Sie dagegen haben nichts und niemanden geopfert."

Trump reagierte auf die übliche patzige und provozierende Weise. In einem Interview mit dem US-Sender ABC polterte er: "Ich habe viel geopfert." Er arbeite sehr hart und habe Zehntausende von Jobs geschaffen, sagte Trump. "Natürlich sind das Opfer." Über Ghazala Khan äußerte er sich bei der Gelegenheit abfällig. Er spekulierte, sie habe entweder nichts zu sagen gehabt oder habe nichts sagen dürfen.

Jetzt schleuderte sie ihm in spürbarer Wut die Gründe für ihr Schweigen entgegen. "Donald Trump sagt, ich hätte nichts zu sagen. Das habe ich sehr wohl!" Sie habe auf dem Parteitag wegen der noch immer anhaltenden Trauer um ihren Sohn nicht selbst das Wort ergriffen.

Sie schrieb weiter, wie sehr ihr Sohn Amerika liebte. Wie er sich unbedingt für sein Land einsetzen wollte und sich schließlich freiwillig zur Armee meldete. "Er wollte es."

"Mama, das sind meine Soldaten"

Sie berichtete, wie groß ihre Sorge war, als er in den Irak geschickt wurde. "Man kann sich selber opfern. Aber man kann es nicht ertragen, wenn die eigenen Kinder das tun wollen." Das letzte Mal, dass sie mit ihm gesprochen habe, sei am Muttertag 2004 in einem Telefonat gewesen. "Ich habe ihn gebeten, sich im Hintergrund zu halten." Aber er habe geantwortet: "Mama, das sind meine Soldaten, das sind meine Leute. Ich muss auf sie aufpassen." So sei er immer gewesen.

In einem Fernseh-Interview sagte sie am Sonntag, Trump habe seinen schwarzen Charakter gezeigt. Sie sei immer noch überwältigt vom Tod ihres Sohnes und könne kein Foto von ihm anschauen, ohne zu weinen.

Trump selbst schlingert nun herum. Zunächst versuchte er versöhnliche Worte und twitterte, der gefallene Sohn sei ein Held gewesen. Doch dann brach es in mehreren Wellen aus ihm heraus. Er mutmaßte, dass hinter einigen Äußerungen Khizr Khans der Redenschreiber von Hillary Clinton stecke und dass Ghazala Khan einem Sprechverbot unterliege, In der jüngsten Volte zog er Demokratin Clinton mit in den Streit hinein: Schließlich habe sie dem Irak-Krieg zugestimmt und nicht er.

In den sozialen Netzwerken und durchaus auch bei einigen Republikanern löste Trump erneut heftige Proteste aus. Twitter-Nutzer empörten sich über einen Angriff auf eine trauernde Mutter und Rassismus gegen Muslime. Der Gouverneur von Ohio, Trumps Vorwahl-Konkurrent John Kasich, forderte auf Twitter Respekt und Ehre für die Eltern des getöteten Soldaten. "Wir sollten für Familie Khan beten."

Im Video: Die bewegende Rede von Khizr Khan

ler

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