Gewässer vor Gibraltar Britische Marine beschlagnahmt Öltanker auf dem Weg nach Syrien

Ein Öltanker, der mutmaßlich auf dem Weg nach Syrien war, soll EU-Sanktionen verletzt haben. Zudem könnte das Schiff in Iran beladen worden sein. In diesem Fall würde es auch Strafmaßnahmen der USA verletzen.

Öltanker "Grace 1" vor Gibraltar
Stringer/ REUTERS

Öltanker "Grace 1" vor Gibraltar


Seit Jahren sind EU-Sanktionen gegen das syrische Regime in Kraft. Nun haben europäische Behörden zum ersten Mal ein Schiff beschlagnahmt, mit dem gegen die Strafmaßnahmen verstoßen worden sein soll: Vor Gibraltar hat die britische Marine einen Öltanker festgesetzt. Die örtlichen Behörden hätten die Hilfe der Streitkräfte angefordert, teilte die Regierung der britischen Exklave im Süden Spaniens mit.

In einem Videostatement sagte Gibraltars Regierungschef Fabian Picardo, es gebe gute Gründe anzunehmen, dass die "Grace 1" auf dem Weg zur staatlichen Banjas-Raffinerie in Syrien war. Die Raffinerie ist von den EU-Sanktionen betroffen.

Die Strafmaßnahmen gegen Syrien gelten seit Mai 2007. Kurz zuvor hatte Präsident Bashar al-Assad begonnen, gewaltsam gegen prodemokratische Kräfte vorzugehen. In der Folge entwickelte sich ein Bürgerkrieg, der heute noch anhält. Die Sanktionen richten sich gegen Hunderte Personen und Dutzende Unternehmen. Zu einem dieser Unternehmen gehört die Banjas-Raffinerie, für die das Öl an Bord der "Grace 1" mutmaßlich bestimmt war.

Diskussionen um die Herkunft der Öllieferung

Zudem gibt es nun Diskussionen darüber, wo das Öl herkommt. Allerdings berichten die Nachrichtenagentur Reuters sowie "Lloyd's List", die weltweit führende Zeitung in der Marineindustrie, von Daten, die zeigen, dass die "Grace 1" an der iranischen Küste beladen worden war. In den Papieren des Tankers sei hingegen angegeben, dass das Öl aus dem Irak stamme. Das Schiff, das unter der panamaischen Flagge fährt, wurde bei der Einfahrt ins Mittelmeer beschlagnahmt, nachdem es aus dem Golf kommend um den afrikanischen Kontinent herumgefahren war.

"Grace 1": Europäische Behörden haben das Schiff festgesetzt
Stringer/ REUTERS

"Grace 1": Europäische Behörden haben das Schiff festgesetzt

Für die EU-Sanktionen ist die Herkunft des Öls zwar unerheblich. Allerdings spielt sie für Maßnahmen der USA eine Rolle. Seit Anfang Mai will US-Präsident Donald Trump Ölexporte aus Iran komplett verhindern. Möglichen Käufern droht er mit Sanktionen. Iran nannte das Vorgehen Trumps einen "wirtschaftlichen Krieg". Damit ist der Vorfall auch für die anhaltenden Spannungen zwischen Washington und Teheran von großer Bedeutung.

Beschlagnahmung soll laut Spanien auf Gesuch der USA erfolgt sein

Der spanische Außenminister Josep Borrell sagte sogar, der Tanker sei auf Gesuch der USA an Großbritannien festgenommen worden. Spanien prüfe den Fall. Untersucht werde, ob dadurch die Souveränität seines Landes beeinträchtigt worden sei. Spanien erkennt die Gewässer um Gibraltar nicht als britisch an.

Das Verhältnis zwischen den USA und Iran ist aktuell besonders angespannt. Erst vor knapp zwei Wochen hatte Trump einen Angriff auf die Islamische Republik angeordnet, seine Pläne aber nach eigenen Angaben zehn Minuten vor dem Start gestoppt.

Die zugespitzte Situation geht auf das Atomabkommen mit Iran zurück. Nach dem Rückzug der USA aus dem Deal im vergangenen Jahr hat Teheran kürzlich erstmals gegen das Abkommen verstoßen - und zudem angekündigt, ab Sonntag weitere Auflagen ignorieren zu wollen. Prompt folgten neue Warnungen von Trump. Sollte sich bestätigen, dass das Öl auf der "Grace 1" tatsächlich aus Iran stammte, dürfte das die Probleme weiter verschärfen.

aev/vks/Reuters/AP



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