Britisch-spanischer Dauerstreit Knall vor Gibraltar - die Hintergründe

Ein Schiff der britischen Marine feuert vor Gibraltar Leuchtraketen in Richtung eines spanischen Schiffes - was steckt hinter dem Vorfall? Antworten auf die wichtigsten Fragen zu dem Konflikt.

Ein Schiff der Royal Navy vor Gibraltar (Archivbild)
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Ein Schiff der Royal Navy vor Gibraltar (Archivbild)


Warum streiten sich Großbritannien und Spanien um Gibraltar?

Die rund 6,8 Quadratkilometer große Halbinsel an der Südküste Spaniens sorgt bereits seit mehr als 300 Jahren für Konfliktstoff zwischen London und Madrid. 1462 hatten die Spanier Gibraltar von den Mauren erobert. 1704 nahmen die Engländer im Spanischen Erbfolgekrieg die Halbinsel ein - in der Folge versuchten die Spanier mehrfach, Gibraltar zurückzuerobern, blieben dabei aber erfolglos. Im Frieden von Utrecht 1713 wurde Gibraltar Großbritannien zugesprochen. Spanien fordert jedoch weiterhin die Rückgabe der Halbinsel, die einst aufgrund ihrer Lage an der Meerenge zwischen Mittelmeer und Atlantik von erheblicher militärischer Bedeutung war: Wie keine andere Festung war Gibraltar im 18. und 19. Jahrhundert Symbol für Großbritanniens Seemacht.

Was ist der rechtliche Status von Gibraltar?

Laut der Verfassung vom 2. Januar 2007 ist Gibraltar britisches Überseeterritorium und genießt Autonomie in inneren Angelegenheiten. Dagegen ist Großbritannien für die Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik verantwortlich. Anders als die übrigen britischen Überseegebiete ist Gibraltar Teil der Europäischen Union, genießt aber gewisse Sonderrechte.

Wie äußerte sich der Konflikt um Gibraltar in den vergangenen Jahren?

Gibraltar wirft Spanien regelmäßig vor, dass spanische Schiffe seine Hoheitsgewässer verletzen würden. Dass die britische Marine dabei Warnschüsse abgibt - wie bei dem jüngsten Vorfall - ist aber ausgesprochen selten. Spanien erkennt lediglich eine kleine Zone um den Hafen als britisch an, Großbritannien wiederum beansprucht eine Drei-Meilen-Zone. Zwar war es in Folge des Nato-Beitritts Spaniens im Jahr 1981 zu einer vorübergehenden Entspannung des Konflikts mit Großbritannien gekommen, der Streit flammte dennoch wieder auf. So verschärfte die spanische Regierung etwa im August 2013 die Kontrollen an den Grenzen zu Gibraltar, was zu langen Staus für Berufspendler führte. Laut der Regierung in London verstießen die Kontrollen gegen EU-Recht - die EU-Kommission bestätigte die Kontrollen aber als rechtmäßig.

Wie stehen die Bewohner Gibraltars zu dem Streit?

Die Position der Bevölkerung Gibraltars ist deutlich: 1967 entschieden sich 95,1 Prozent der Wahlberechtigten für einen Verbleib bei Großbritannien. Bei einem Referendum im Jahr 2002 fiel das Ergebnis noch deutlicher aus: 99 Prozent der Wahlberechtigten votierten für den weiteren Verbleib. Sie stimmten auch gegen den Plan Großbritanniens und Spaniens, die Souveränität über das Gebiet teilen zu lassen. Auf der Halbinsel leben rund 32.000 Menschen mit überwiegend portugiesischer, spanischer oder marokkanischer Herkunft.

hen/dpa



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