Iranischer Öltanker in Gibraltar London stellt Freigabe von "Grace 1" in Aussicht

Großbritanniens Außenminister Jeremy Hunt will den in Gibraltar festgesetzten iranischen Supertanker "Grace 1" freigeben - unter einer Bedingung.

Supertanker vor Gibraltar: Verdacht auf illegale Öllieferungen nach Syrien
JORGE GUERRERO / AFP

Supertanker vor Gibraltar: Verdacht auf illegale Öllieferungen nach Syrien


London geht beim Streit um einen in Gibraltar festgesetzten iranischen Öltanker auf Teheran zu: Der britische Außenminister Jeremy Hunt stellte eine Freigabe des Schiffs durch die Behörden in dem britischen Überseegebiet in Aussicht, sollte der Iran zusichern, dass die Ladung nicht für Syrien bestimmt ist.

Das teilte Hunt nach einem "konstruktiven Telefongespräch" mit seinem iranischen Kollegen Mohammed Dschawad Sarif per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Das Telefonat habe ihn in der Auffassung bestärkt, dass der Iran die Spannungen mit Großbritannien nicht weiter anheizen wolle.

Sarif habe versichert, dass der Iran das Problem lösen wolle und keine Eskalation suche, betonte Hunt. Eine Bestätigung aus Teheran für die Angaben gab es zunächst nicht.

Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den Supertanker "Grace 1" in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts auf illegale Öllieferungen nach Syrien festgesetzt. Der Kapitän und drei weitere Mitglieder der Besatzung wurden vorübergehend festgenommen, aber inzwischen wieder gegen Kaution freigelassen.

Iran protestierte gegen das Vorgehen der britischen Behörden, bestellte mehrmals den Botschafter ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Der Oberste Gerichtshof in Gibraltar ordnete jedoch an, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf.

Iran warnt Großbritannien vor "gefährlichen Spielchen"

Auch US-Vertreter glauben, dass das Schiff iranisches Öl nach Syrien bringen und damit gegen Sanktionen der USA und der EU verstoßen könnte. Der Iran bestreitet, dass die Öllieferung für Syrien bestimmt war, gibt aber auch nicht an, was stattdessen das Ziel des Supertankers gewesen sein soll.

Iran hatte Großbritannien zuletzt eindringlich gewarnt: "Falls die Briten sich von den USA beeinflussen und auf gefährliche Spielchen einlassen wollen, raten wir ihnen, dies lieber nicht zu tun", sagte Außenamtssprecher Abbas Mussawi am Freitag.

Verschärft wurde der Konflikt durch einen Zwischenfall mit einem britischen Tanker in der Straße von Hormus am Mittwoch. Britischen Angaben zufolge hatten dort drei iranische Boote versucht, das britische Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern. Eine britische Fregatte zwang sie jedoch zum Abdrehen. Teheran bestritt jedoch, in den Vorfall verwickelt gewesen zu sein.

jus/dpa/AFP

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Seite 1
go-west 13.07.2019
1. Es geht wohl letztlich darum,
daß das aus der sog. islamischen Revolution hervorgegangene Mullah-Regime zum Abdanken gezwungen werden soll. Was ja grundsätzlich ein begrüßenswertes Ziel ist. Im Interesse der Iraner und der Nachbarstaaten.
ulrich-lr. 13.07.2019
2. Zurück gerudert
Aha, da ist der britischen Regierung aufgefallen, dass sie im Übereifer der "special relationship" richtigen Mist gebaut hat. Die Untersuchung des Falles hat also nichts ergeben. Jedenfalls keine Verletzung von EU-Sanktionen. Sonst würden die Briten ja mächtig auftrumpfen. Jetzt geht es nur noch um Gesichtswahrung. Denn die britische Regierung möchte ja keinesfalls den Stockfehler zugeben, sie hätte bei der Durchsetzung von US-Sanktionen mitgewirkt, obwohl sie doch andererseits behauptet, das Atomabkommen mit dem Iran sei weiterhin in Kraft und Großbritannien fühle sich daran gebunden. Au, Backe! Das wäre dann ja ein Bruch des Atomabkommens durch GB gewesen. PS. Recht erstaunlich, wie still es in Brüssel zu dem Vorfall war. Da hat man sich wahrscheinlich nur gewundert und gerätselt, wie GB aus der Nummer wieder 'rauskommt.
PlayerGlobal 13.07.2019
3. Wieso sollte sich der Iran an die Sanktionen halten
Es sind Sanktionen der USA und der EU, die haben aber keine Gültigkeit so lange sie nicht von der UN kommen, wenn sie die USA und die EU das Recht herausnehmen ein Schiff in Internationalen Gewässern zu kapern und Festzusetzen dann hat der Iran das gleiche Recht ein Schiff der USA oder der EU zu kapern, es gilt das Völkerrecht und da steht kein Land über dem anderen.
vulcan 13.07.2019
4.
Zitat von ulrich-lr.Aha, da ist der britischen Regierung aufgefallen, dass sie im Übereifer der "special relationship" richtigen Mist gebaut hat. Die Untersuchung des Falles hat also nichts ergeben. Jedenfalls keine Verletzung von EU-Sanktionen. Sonst würden die Briten ja mächtig auftrumpfen. Jetzt geht es nur noch um Gesichtswahrung. Denn die britische Regierung möchte ja keinesfalls den Stockfehler zugeben, sie hätte bei der Durchsetzung von US-Sanktionen mitgewirkt, obwohl sie doch andererseits behauptet, das Atomabkommen mit dem Iran sei weiterhin in Kraft und Großbritannien fühle sich daran gebunden. Au, Backe! Das wäre dann ja ein Bruch des Atomabkommens durch GB gewesen. PS. Recht erstaunlich, wie still es in Brüssel zu dem Vorfall war. Da hat man sich wahrscheinlich nur gewundert und gerätselt, wie GB aus der Nummer wieder 'rauskommt.
Wenn Sie sich mal besser mit den Verdachtsmomenten und Aktionen vertraut gemacht hätten, die zur Festsetzung des Tankers geführt haben, würden Sie hier nicht so einen Unsinn schreiben. Und Festsetzung heisst ja nicht Inbesitznahme, irgendwann wäre der Tanker ohnehin wieder freigekommen. Nun kommt er es, sofern die Ladung nicht nach Syrien geht. Was wollen Sie?
zack34 13.07.2019
5. Schiffe kapern ohne völkerrechtliche Basis
Francis Drake 2.0 im 21.Jahrhundert. Es gibt keine UN-Sanktionen oder SR-Resolution gegen Iran. Lt.Völkerrecht darf ein Land andere Länder nicht sanktionieren, da dies Teil der Kriegsführung. Die Aktion vor Gibraltar ist illegal, der Verweis auf Syrien ein Versuch, diese postmoderne Piraterie noch mit einem Hauch Rechtfertigung zu versehen.
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