Spannungen zwischen Iran und Großbritannien Gibraltar nimmt Kapitän von iranischem Tanker fest

Großbritannien und Gibraltar werfen Iran vor, illegal Öl nach Syrien liefern zu wollen. Vor einer Woche setzten sie einen Tanker fest, nun soll dessen Führung befragt werden.

Der Supertanker "Grace 1 " vor Gibraltar: "Später die Konsequenzen tragen"
JORGE GUERRERO / AFP

Der Supertanker "Grace 1 " vor Gibraltar: "Später die Konsequenzen tragen"


Der Kapitän und der Erste Offizier des iranischen Supertankers "Grace 1", der seit der vergangenen Woche vor Gibraltar festgesetzt ist, sind festgenommen worden. Das teilte die Polizei des britischen Überseegebiets mit. Sie würden zu dem Vorwurf befragt, illegal Rohöl in das Bürgerkriegsland Syrien bringen zu wollen.

Iran hatte gegen die Festsetzung protestiert, dreimal den britischen Botschafter in Teheran einbestellt und gefordert, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Der Oberste Gerichtshof des britischen Überseegebietes hat inzwischen angeordnet, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf. Gibraltar am Südzipfel der Iberischen Halbinsel steht seit 1713 unter britischer Souveränität.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hatte Großbritannien wegen des Vorfalls mit Konsequenzen gedroht. "Der Stopp des Supertankers durch die Briten war ein Fehler und dumm (...). Wir müssen uns alle dafür einsetzen, dass die internationale Schifffahrt sicher bleibt und sie nicht mit solchen Aktionen unsicher machen", sagte Ruhani am Mittwoch. Großbritannien solle dies beherzigen, "um später nicht die Konsequenzen zu tragen".

Iraner sollen britischen Tanker bedrängt haben

Am Mittwoch soll es in der Straße von Hormus außerdem zu einem weiteren Zwischenfall gekommen sein, der die Angst vor Spannungen zwischen dem Iran und dem Westen verstärkt. Die Regierung in London erklärte am Donnerstag, dass sich drei iranische Boote in der Meerenge dem Öltanker "British Heritage" genähert hätten. Sie hätten "entgegen internationalem Recht" versucht, das Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern. Teheran bestritt dagegen, an einem Vorfall mit einem britischen Schiff beteiligt gewesen zu sein.

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Region des Persischen Golfs mit dem Indischen Ozean. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports. Erst im Juni hatte es im Golf von Oman Attacken auf zwei Tanker gegeben, für die die US-Regierung den Iran verantwortlich machte. Die Führung in Teheran bestreitet dies.

Lesen Sie hier: Was die Sanktionen im Iran auslösen

Das US-Verteidigungsministerium hatte angekündigt, Pläne für eine internationale Koalition zum Schutz von Handelsschiffen vorantreiben zu wollen. US-Präsident Donald Trump hatte der Führung in Teheran außerdem mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen gedroht und ihr vorgeworfen, sie reichere seit Langem heimlich Uran an.

kko/dpa

insgesamt 34 Beiträge
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intrasat 11.07.2019
1. Kann den von SPON nicht einmal der Hintergrund aufgeklärt werden
Auf welcher Grundlage eine solche Übernahme des Schiffes passiert ist. Was interessieren den Iran Sanktionen de EU und der USA. Es sind ja keine UN Sanktionen. Und da der Iran nun weder zur EU, noch zu den USA gehört, wieso soll er deren Sanktionspolitik mittragen?
icke_selba 11.07.2019
2. Verstehe ich die britische Comedytruppe richtig?
Also, ich gehe mal davon aus, dass die Berichte über den iranischen Versuch, die "British Heritage" an der regulären Weiterfahrt zu hindern, stimmen. Dies stünde gemäß den britischen Komödianten "entgegen internationalem Recht". Gleichzeitig haben die Briten in der Straße von Gibraltar einen iranischen Tanker gekapert. Weil er "illegal" Rohöl nach Syrien brächte. Gemäß welcher internationaler Regel wäre der Transport iranischen Rohöls nach Syrien "illegal"? Eben! Bedeutet das demzufolge, dass in der Straße von Hormus internationales Recht gilt, in der Straße von Gibraltar hingegen nicht? Oder wollten die Spaßvögel von der Insel irgendwas anderes ausdrücken?
dieter.zuckermann 11.07.2019
3.
Ich erkenne eine gewisse Illegalität, wenn England seine Schiffe durch das Rote Meer schickt. Wo liegt aber genau das Problem, wenn Iran Öl nach Syrien liefert? Das ist in unserem eigenem Interesse, das ist moralisch richtig. Aus welchem Grund soll das auch illegal sein? Und selbst wenn. Manchmal gibt es wichtigeres. Hier ist so ein Fall. Es liegt in unserem Interesse, dass iranisches Öl in Syrien ankommt. In Syrien herrscht immerhin Bürgerkrieg. Mag sein, dass Russland diesen gemildert hat. Aber Kämpfe gehen weiter und die Menschen hungern und frieren. Das Öl können die gut gebrauchen. Oder haben wir seit kurzem Interesse daran, dass in der Nachbarschaft Hungersnot ausbricht? Würde auch erklären, dass das Verhalten von uns diesen Bürgerkrieg unnötig verlängert hat. Wir haben uns in Syrien nicht mit Ruhm bekleckert.
hdwinkel 11.07.2019
4. Sanktionen
Nicht daß ich jetzt viel vom Iran halte, aber was ist die rechtliche Grundlage für die Festsetzung des iranischen Tankers? Gibt es dazu einen UN-SR Beschluß? Wenn nicht ist es eindeutig ein kriegerischer Akt gegen den Iran.
lamisoft 11.07.2019
5. Umweg...
es gibt aber schon deutlich kürzere Seewege von Iran nach Syrien als ausgerechnet an Gibraltar vorbei, oder? In welche Richtung ist der Tanker denn gefahren? Was war das offizielle Ziel? Macht es wirtschaftlich Sinn, einmal um Afrika zu schippern um den Suez Kanal zu vermeiden? Welche Regel oder Sanktion verbietet es denn eigentlich, Öl nach Syrien zu bringen?
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