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12. Juli 2019, 16:49 Uhr

Gibraltar

Polizei nimmt weitere Crewmitglieder von iranischem Öltanker fest

Ein Öltanker, der mutmaßlich in Iran beladen wurde, soll Sanktionen verletzt haben. Nach der Festnahme des Kapitäns und des ersten Offiziers nahm Gibraltars Polizei nun zwei weitere Besatzungsmitglieder in Gewahrsam.

Die Behörden in Gibraltar haben zwei weitere Besatzungsmitglieder eines beschlagnahmten iranischen Öltankers festgenommen. Die beiden Offiziere seien wie der schon zuvor festgenommene Kapitän und sein erster Offizier indische Staatsbürger, teilte die Polizei in Gibraltar mit. Gegen die vier Beschuldigten laufen demnach "Ermittlungen wegen des mutmaßlichen Exports von Rohöl an die Banjas-Raffinerie in Syrien".

Vor der Küste des britischen Überseegebiets Gibraltar war am Donnerstag vergangener Woche der iranische Öltanker "Grace 1" gestoppt worden. Das Schiff wurde verdächtigt, entgegen einem geltenden EU-Embargo iranisches Öl nach Syrien bringen zu wollen. Die europäischen Sanktionen richten sich gegen die Regierung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Die folgende Beschlagnahme des Öltankers hatte die Spannungen zwischen London und Teheran drastisch verschärft. Iran bezeichnete das Vorgehen der britischen Behörden als Akt der "Piraterie" und warnte, dies werde "nicht ohne Folgen" bleiben. Der Iran bestreitet zudem, dass der Tanker nach Syrien wollte. Er sieht sich aber auch nicht an die EU-Sanktionen gegen Syrien gebunden.

Briten schicken zweites Kriegsschiff in die Golfregion

Großbritannien warf Iran derweil vor, versucht zu haben, einen britischen Öltanker an der Fahrt durch die Seestraße von Hormus zu hindern. Der US-Nachrichtensender CNN hatte zuvor berichtet, iranische Revolutionsgarden hätten versucht, den Supertanker "British Heritage" zu kapern, bevor eine britische Fregatte die Angreifer abwehrte. Die Revolutionsgarden bestritten jede Verwicklung, drohten aber mit Konsequenzen für den Stopp der "Grace 1".

Vor dem Hintergrund der Spannungen hat Großbritannien nun ein zweites Kriegsschiff in die Meerenge von Hormus geschickt, um dort nach Regierungsangaben die "Freiheit der Schifffahrt" zu sichern.

Die Entsendung des Zerstörers "HMS Duncan" in die Golfregion war nach Angaben der britischen Regierung ohnehin geplant, um die Fregatte "HMS Montrose" abzulösen. Allerdings wurde der Zerstörer laut Verteidigungskreisen nun früher losgeschickt, damit die beiden Schiffe zeitweilig zusammen vor iranischen Hoheitsgewässern fahren können.

asa/AFP

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