Streit um Hoheitsrechte Spanische Fischer protestieren vor Gibraltars Küste

Mit Dutzenden Booten demonstrierten spanische Fischer gegen die britische Herrschaft über die Halbinsel Gibraltar. Patrouillenboote zwangen sie zur Umkehr. Auslöser für den Konflikt sind 70 Betonblöcke im Meer.

Potestfahrt: Begleitet von Polizeibooten demonstrieren Fischer vor Gibraltar
AFP

Potestfahrt: Begleitet von Polizeibooten demonstrieren Fischer vor Gibraltar


Hamburg - Im Streit um Gibraltar haben Dutzende spanische Fischer gegen die britische Regierung protestiert. Insgesamt 38 Fischkutter aus umliegenden Häfen steuerten am Sonntag auf die Küstengewässer des britischen Überseegebietes zu, um gegen eine künstliche Unterwasserbarriere aus Betonblöcken zu protestieren. Nachdem ihnen Patrouillenboote der britischen Küstenwache den Weg abgeschnitten hatten, kehrten die von eigenen Polizeischiffen begleiteten Spanier um. Von gegenseitigen Beleidigungen abgesehen kam es zu keinen weiteren Zwischenfällen.

Nach Darstellung der Regierung von Gibraltar dienen die - vorigen Monat ohne Absprache mit Madrid versenkten - Betonblöcke dem Schutz von Meerestieren und sollen spanische Fischer aus den zu Gibraltar gehörenden Gewässern am Südzipfel der iberischen Halbinsel fernhalten. Die spanische Seite beklagt, ihr werde dadurch illegal der Zugang zu reichen Fischgründen verwehrt. Dass der spanische Zoll an der Grenze zu Gibraltar neuerdings jedes Fahrzeug durchsucht und damit lange Staus verursacht, wird in der Enklave als Vergeltungsmaßnahme interpretiert.

Rund 500 Schaulustige verfolgten am Sonntag die einstündige Protestaktion der spanischen Kutter von Gibraltars Landzunge aus. Viele von ihnen schwenkten Flaggen von Gibraltar und Großbritannien, während spanische Zuschauer in den umliegenden Häfen mit eigenen Fahnen und "Gibraltar ist spanisch"-Shirts ihre Landsleute anfeuerten.

Gibraltar ging 1713 dauerhaft von Spanien an Großbritannien über, allerdings erkennt Madrid die britische Herrschaft über das 6,8 Quadratkilometer kleine Territorium mit dem markanten Felsen in der Mitte nicht an und verlangt dessen Rückgabe.

Angesichts des politischen Tauziehens hatte die Entsendung vier britischer Kriegsschiffe ins Mittelmeer für internationales Aufsehen gesorgt. Eines davon legte am Sonntag mit Zustimmung Madrids einen technischen Zwischenstopp in der spanischen Marinebasis Rota ein. Die drei anderen Schiffe sollen am Montag in Gibraltar andocken. Alle vier Kriegsschiffe werden nach Darstellung des britischen Verteidigungsministeriums an einer lange geplanten Routineübung im Mittelmeer teilnehmen.

mak/Reuters



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
hansulrich47 18.08.2013
1. Wie gut, wenn man keine wirklichen Probleme hat!
Trotzdem ist der Status Gibraltars ein Witz und ein Ärgernis für alle EU-Steuerzahler. Lebt Gibraltar doch gut von niedrigsten Steuern auf Briefkastenfirmen, Sportwetten und vom steuerfreien Verkauf von Bunkeröl für Schiffe. Also von amtlich britisch legalisierten Betrügern, wie auch auf anderen britischen Inseln rund um die Welt!
taglöhner 18.08.2013
2. Peanuts
Noch ein paar Fischereischutzzonen und Hindernisse für Grundnetze können dem Mittelmeer nur gut tun. Spanien - Meister der Überfischung | Greenpeace Austria (http://www.greenpeace.org/austria/de/themen/meere/was-wir-tun/Fischereipolitik-in-Europa/Spanien---Meister-der-Uberfischung/)
syracusa 18.08.2013
3.
Zitat von hansulrich47Trotzdem ist der Status Gibraltars ein Witz und ein Ärgernis für alle EU-Steuerzahler. Lebt Gibraltar doch gut von niedrigsten Steuern auf Briefkastenfirmen, Sportwetten und vom steuerfreien Verkauf von Bunkeröl für Schiffe. Also von amtlich britisch legalisierten Betrügern, wie auch auf anderen britischen Inseln rund um die Welt!
Dieses Steuerdumping sollte im Rahmen der EU-Harmonisierung tatsächlich abgeschafft werden. Solange das nicht geschieht, hat IMO jeder europäische Staat jedes Recht, jeden Wirtschaftsverkehr mit solch einem Gebilde zu unterbinden. Ich hätte nichts dagegen, wenn Spanien seine Grenze zum Felsen wieder komplett dicht macht. Die Frage der Hoheitsrechte aber ist eine völlig andere: das haben alleine die Bewohner Gibs zu entscheiden. Und dass ausgerechnet Spanien sich hier aufspielt, hat schon ein besonderes G'schmäckle. Ceuta und Mellila sind Ihnen bekannt?
Equis 18.08.2013
4. Scheinargument
Die Betonblöcke wurden mit Sicherheit nicht zum Schutz de Fischereigründe versenkt, da die Umwelt den Gibraltanern ziemlich am A.... vorbei geht. Diese Blöcke könnten perfekt die Grundlage einer weiteren Landgewinnung sein. Und für die spanische regierung ist das natürlich ein ganz tolles Thema, das lenkt so richtig schön von den eigenen Problemen ab. "Sollen sie doch ruhig korrupt sein, unsere Politiker, solange sie beim Thema Gibraltar schön unsere Fahne hochhalten"...Zum Kotzen!
hansulrich47 18.08.2013
5. Na klar!
Zitat von syracusaDieses Steuerdumping sollte im Rahmen der EU-Harmonisierung tatsächlich abgeschafft werden. Solange das nicht geschieht, hat IMO jeder europäische Staat jedes Recht, jeden Wirtschaftsverkehr mit solch einem Gebilde zu unterbinden. Ich hätte nichts dagegen, wenn Spanien seine Grenze zum Felsen wieder komplett dicht macht. Die Frage der Hoheitsrechte aber ist eine völlig andere: das haben alleine die Bewohner Gibs zu entscheiden. Und dass ausgerechnet Spanien sich hier aufspielt, hat schon ein besonderes G'schmäckle. Ceuta und Mellila sind Ihnen bekannt?
Ceuta und Melilla sind ebensolche Anachronismen. Gehören abgeschafft. Übrigens: Die Bewohner Gibraltars wollen natürlich nicht zu Spanien. Das hat aber mit 'Freiheit' und 'Selbstbestimmung' nichts zu tun, die wollen einfach nur ihre Steueroase weiterbetreiben! Und weiter beim Rest der EU schmarotzen! Da ist das Etikett 'Unabhängigkeit' nur das Feigenblatt.
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