Gilad Schalits Gefangenschaft "2000 Tage Isolation, kein Sonnenlicht"

Gilad Schalit ist frei, jetzt berichtet sein Vater erstmals über Details aus der palästinensischen Gefangenschaft - und erhebt schwere Vorwürfe gegen die radikalislamische Hamas: Sein Sohn habe die mehr als fünf Jahre Haft in Isolation und ohne Sonnenlicht verbracht.

Gilads Vater Noam Schalit: Der Sohn leidet noch an den Folgen der Gefangenschaft
AP

Gilads Vater Noam Schalit: Der Sohn leidet noch an den Folgen der Gefangenschaft


Jerusalem - Der Vater des freigekommenen israelischen Soldaten Gilad Schalit hat der radikalislamischen Hamas eine schlechte Behandlung seines Sohnes vorgeworfen. Während der mehr als fünfjährigen Gefangenschaft habe sein Sohn fast 2000 Tage in Isolation und ohne Sonnenlicht verbracht, sagte Noam Schalit.

Gilad Schalit leide noch immer an Unterernährung sowie an Wunden, die nicht behandelt worden seien. Der 25-jährige Soldat war im Jahr 2006 von palästinensischen Extremisten verschleppt worden. Im Rahmen eines umstrittenen Gefangenenaustauschs, bei dem Israel mehr als tausend Häftlinge freilässt, kehrte er am Dienstag in seine Heimat zurück.

Die radikal-islamische Organisation Hamas hat nun Bedingungen für den weiteren Gefangenenaustausch genannt. Sie will mitbestimmen, welche palästinensischen Häftlinge freigelassen werden und Israel dabei nicht freie Hand lassen.

Hamas will Freizulassende bestimmen

Die Kassam-Brigaden - der bewaffnete Arm der Hamas - forderten auf ihrer Internetseite, dass es sich um Häftlinge handeln müsse, die in Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt inhaftiert sind. Kriminelle dürften nicht darunter sein. Auch müssten ältere und kranke Häftlinge sowie alle seit mehr als 20 Jahren inhaftierten Männer bevorzugt werden.

Ein Mitglied der Hamas-Führung im Exil, Saleh al-Aruri, wies unterdessen darauf hin, dass bei der ersten Austauschaktion vom Dienstag neun von 27 palästinensischen Frauen entgegen der Vereinbarung mit Israel noch nicht freigekommen seien. Die Hamas habe die ägyptische Führung darauf hingewiesen und von ihr die Zusage erhalten, dass sie für deren Freilassung in den kommenden Tagen einstehe.

Am Dienstag war Schalit gegen zunächst 477 palästinensische Häftlinge eingetauscht worden. Gemäß der Vereinbarung zwischen beiden Seiten muss Israel insgesamt 1027 Palästinenser für Schalit freilassen - die restlichen Häftlinge spätestens in zwei Monaten. Nach Medienberichten darf Israel die Häftlinge selbst aus schätzungsweise noch mehr als 6000 Inhaftierten aussuchen.

Nach dem Schalit-Deal werden Israel und die Palästinenser kommende Woche erstmals seit mehr als einem Jahr wieder Friedensgespräche beginnen. Allerdings beginnen die Verhandlungen indirekt: Das sogenannte Nahost-Quartett, das sich aus Vertretern der USA, der EU, der Uno und Russland zusammensetzt, wird getrennt mit den Verhandlungsführern beider Parteien sprechen.

fab/dpa/dapd

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