Gipfel-Beschluss Nato-Geheimplan für Afghanistan

In Sachen Erweiterung kam die Nato bei ihrem Gipfel in Bukarest auf keinen Nenner. Anders beim Thema Afghanistan: SPIEGEL-Informationen zufolge setzt sich das Militärbündnis in einem Geheim-Dokument erstmals konkrete Ziele mit einem festen Zeitrahmen für den Einsatz.


Nach einem zweiseitigen zusammenfassenden Text listet ein zehnseitiger Anhang die anvisierten Fortschritte der nächsten drei bis fünf Jahre in einer Matrix-Tabelle auf. Darin wird zum Beispiel der weitere Aufbau der afghanischen Armee und der Polizei ebenso fixiert wie deren erwünschte Fähigkeiten. So sollen Regierungschef Hamid Karzai unterstellte Einheiten noch in diesem Jahr die militärische Verantwortung für die Hauptstadt Kabul und deren engere Umgebung übernehmen. Bis 2011 müssten einheimische Truppen in der Lage sein, sogar Gebiete im umkämpften Süden des Landes ohne fremde Hilfe zu kontrollieren.

Etwas vager sind die im Nato-Jargon sogenannten "time lines" im Kampf gegen die Drogenbarone und auch die "benchmarks" für den Versuch, am Hindukusch eine unabhängige und effiziente Justiz zu formen. Das Papier mit dem für den Sprachstil der Militärbürokraten typischen Endlostitel "Comprehensive Strategic Political-Military Plan to Guide Nato's Engagement in Afghanistan – Internal Planning Document PO (2008) 0059" wurde in der vergangenen Woche auf dem Nato-Gipfel in Bukarest abgesegnet. Sein Inhalt soll strikt geheim bleiben.

Die politische und militärische Führung fürchtet öffentliche Kritik, sollte sie die selbstgesteckten Ziele verfehlen. Auch treibt sie die Sorge, mit ihrem Plan eine heikle Debatte über das Ende der Afghanistan-Mission auszulösen. Zwar wird darin explizit kein Abzugstermin für die Nato-Truppen genannt. Aber Insider sprechen vom "Einstieg in den Ausstieg": Man müsse den Zeitrahmen des jetzt erstellten Szenarios nur verlängern.



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