Gipfel-Einigung Putin erlaubt Nato Afghanistan-Transporte durch Russland

Die Nato hat Wladimir Putin auf dem Gipfeltreffen in Bukarest ein wichtiges Zugeständnis abgerungen. Nach jahrelangen Verhandlungen erlaubt der Kreml-Chef dem Militärbündnis, die 50.000 Isaf-Soldaten in Afghanistan über russisches Territorium zu versorgen.


Bukarest - Die Nato und Russland haben sich auf ein Schlüsselabkommen zum Landtransit für Afghanistan geeinigt. Die Allianz kann nach Angaben einer Sprecherin künftig russisches Gebiet nutzen, um "nicht-militärische Güter" wie Transportfahrzeuge, Treibstoff und Lebensmittel zur Versorgung der knapp 50.000 Soldaten der Isaf-Schutztruppe nach Afghanistan zu bringen. Darüber war jahrelang verhandelt worden. Der Text sollte am Freitag von dem russischen Außenminister Sergej Lawrow auf dem Bündnis-Gipfel im rumänischen Bukarest unterzeichnet werden.

Deutsche Soldaten in Afghanistan: Russland erlaubt Land-Transit
DPA

Deutsche Soldaten in Afghanistan: Russland erlaubt Land-Transit

Es handele sich um den Transport "nicht tödlicher" Güter, stellte eine Sprecherin des Bündnisses klar. Darunter falle alles von Lebensmitteln bis hin zu bestimmter militärischer Ausrüstung. Die Nato sieht in der Einigung ein wichtiges Zugeständnis Moskaus vor dem Treffen der 26 Bündnisstaaten mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Ein ähnliches Abkommen zu dem vom Bündnis gewünschten Lufttransit ist dagegen noch nicht absehbar: Die Allianz will Soldaten für die Isaf-Truppe über russisches Territorium nach Afghanistan fliegen.

Beim Treffen der Nato-Mitgliedsländer mit Putin wird Ärger erwartet. Vor allem die US-Pläne für einen Raketenschild in Osteuropa belasten das Klima zwischen Moskau und Washington. Putin wird heute mit US-Präsident George W. Bush zusammentreffen. Die USA und Tschechien hatten sich am Rande des Gipfels auf den Aufbau einer Radarstation geeinigt. In Polen sollen zehn Abfangraketen stationiert werden

Zufrieden sind die Russen dagegen mit der Nato-Entscheidung, dass das Bündnis Georgien und der Ukraine keinen Kandidatenstatus eingeräumt hat. "Es ist offensichtlich, dass Russlands Argumente gehört wurden, aber es haben nicht nur sie gezählt", sagte der russische Nato-Botschafter Dmitrij Rogosin in Interview mit der Zeitung "Kommersant". Die Nato-Mitgliedstaaten seien auch davor zurückgeschreckt, "die Probleme anderer zu übernehmen". Innerhalb des Bündnisses sei lange an einer Formulierung gefeilt worden, "die keinen verärgert", führte der russische Diplomat aus.

Dass Georgien und die Ukraine anders als von den USA gefordert vorerst nicht in den sogenannten Aktionsplan zur Mitgliedschaft (MAP) der Nato aufgenommen wurden, sei in Moskau ruhig aufgenommen worden, sagte Rogosin der Zeitung weiter. "Es gab keine Siegesschreie und es knallten keine Champagnerkorken und das wird es auch nicht geben."

Putin hatte sich entschieden gegen die Forderung von Bush ausgesprochen, die ehemaligen Sowjetrepubliken möglichst bald in die Allianz aufzunehmen.

als/dpa/AFP/Reuters

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