Gipfel in Evian Bush soll Schröder zugezwinkert haben

Auf dieses Bild musste die Welt lange warten. Als wenn nichts gewesen wäre standen auf der Terasse des Nobelhotels Park Royal drei Männer lächelnd beieinander, die sich monatelang demonstrativ aus dem Weg gegangen waren: George W. Bush, Gerhard Schröder und Jacques Chirac. Die Szene war symbolisch für den Verlauf des Gipfeltreffens in Evian am Genfer See.


Kontaktaufnahme: Bush (l.) und Schröder
AP

Kontaktaufnahme: Bush (l.) und Schröder

Evian - Die drei Politiker stimmten sich bei einem lockeren Plausch auf die bevorstehende Arbeitssitzung des G-8-Gipfels ein. Bush gelang es sogar, Schröder zu einem herzhaften Lachen zu animieren. Die Botschaft stand schon vorher fest: Nach monatelangem diplomatischem Chaos in der internationalen Gemeinschaft sollte endgültig ein Schlussstrich unter die Irak-Krise gezogen werden.

Die Basis für den harmonischen Verlauf der Tagung war bereits am Sonntagabend bei Gänseleber, Geflügel, Karotten und einem guten Wein gelegt worden. Beim Abendessen der "Gruppe der Acht" mit fünf afrikanischen Staats- und Regierungschefs habe man sich auf die Schulter geklopft und geflapst, hieß es. Ein Mitglied der deutschen Delegation wollte sogar gesehen haben, wie Bush dem Kanzler zuzwinkerte. Nach dem Essen hätten sich alle gefühlt, "wie Fußballspieler nach einem tollen Spiel". Der kanadische Ministerpräsident Jean Chretien kommentierte die Stimmung mit den Worten: "Die Leute lächeln, Schröder ist happy."

Zu den Höhepunkten der Demonstration einer neuen Einigkeit zählte das erste bilaterale Treffen zwischen Bush und Chirac seit einem halben Jahr. "Wir können Meinungsverschiedenheiten haben, das heißt aber nicht, dass wir nicht anständig miteinander umgehen", sagte Bush und wendete den zurückliegenden Streit über den Irak-Krieg ins Positive: Die Beziehungen zu Chirac seien gerade deswegen so gut, weil man in der Irak-Frage "sehr ehrlich" gewesen sei.

Nichts als Zuversicht

Das Gespräch blieb nicht ohne konkrete Vereinbarungen. Auf Wunsch Bushs sicherte Chirac den USA zu, Spezialtruppen nach Afghanistan zu schicken. Sie sollen dort mit den amerikanischen Verbänden zusammenzuarbeiten. Auch in der großen Runde spiegelte sich die neue Harmonie in konkreten Beschlüssen wider. Die Teilnehmer vereinbarten etwa, den Kampf gegen den Terror weiter voran zu treiben und Partnerländern technische Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Zudem soll die Lieferung tragbarer Flugabwehrraketen an nichtstaatliche Bezieher unterbunden werden. Mit verbesserten Kontrollen und Überwachungssystemen will die Gruppe der Acht den Flugverkehr weltweit sicherer machen und vor Anschlägen besser schützen.

Selbst beim ureigenen Thema der Konferenz, die früher Weltwirtschaftsgipfel genannt wurde, trug die "Gruppe der Acht" nichts als Zuversicht in die Öffentlichkeit. Vom Gipfel in Evian gehe eine Botschaft des Vertrauens für die Weltwirtschaft aus, erklärte Chirac. Und auch die deutsche Seite schloss sich dem "insgesamt positiven Ausblick" an. Kanzler Schröder konnte beim dem Gipfel auch einen ganz besonderen innenpolitischen Erfolg verzeichnen: Seine Reformagenda 2010 erhielt die einhellige Unterstützung der G-8-Kollegen.

Streitthemen wurden bei dem Gipfel ausgespart. Die Diskussion über die Gründe der USA für den Irak-Krieg kam beispielsweise nicht zur Sprache. "Welchen Sinn sollte das jetzt machen, sich über diese Frage zu unterhalten?", fragte Kanzlerberater Bernd Mützelburg. Schließlich gehe es jetzt darum, nach vorne zu schauen.

Michael Fischer, AP



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.