Gipfel in Johannesburg Hinter verschlossenen Türen

Während letzte Vermittlungsgespräche laufen für die strittigen Punkte des Welt-Gipfels in Johannesburg, demonstrieren Globalisierungsgegner, Anhängern der Nahost-Konfliktparteien sowie der Landlosen-Bewegung. 200 Menschen wurden bereits verhaftet vor dem Hochsicherheitstrakt.




Aufmarsch der Staatsmänner: Logo Umweltgipfel Johannesburg

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Johannesburg - Kurz vor Beginn des UN-Weltgipfels in Johannesburg haben am Wochenende letzte Vermittlungsgespräche stattgefunden. Hinter verschlossenen Türen versuchten die Delegierten, eine Lösung für die noch strittigen 25 Prozent der geplanten 78-seitigen Abschlusserklärung zu finden. Sie waren auf der Vorbereitungskonferenz auf der Insel Bali (Indonesien) ungelöst geblieben. Nach Angaben aus der deutschen Delegation gab es erste Fortschritte. Der Weltgipfel beginnt offiziell an diesem Montag.

Der bislang größte Gipfel der Vereinten Nationen findet unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Seit Mittwoch wurden rund 200 Menschen festgenommen, darunter Anhänger der afrikanischen Landlosen-Bewegung. Am Samstag vertrieb die Polizei die Teilnehmer einer nicht genehmigten Kundgebung mit Tränengas. Nach Angaben südafrikanischer Sonntagszeitungen befürchten die Organisatoren Stör- und Sabotageaktionen von Globalisierungsgegnern, Anhängern der Nahost- Konfliktparteien sowie der Landlosen-Bewegung.

Der Sondergesandte von UN-Generalsekretär Kofi Annan, Jan Pronk, gab sich optimistisch, dass es in Johannesburg konkrete Beschlüsse geben wird. Mit Blick auf ein Krisentreffen in New York am 17. Juli meinte er: "Das Treffen hat's gebracht. Ich war nach Bali pessimistisch, aber New York habe ich optimistisch verlassen." Als Ergebnis der Konferenz erwartet er einen Aktionsplan, der konkrete Zeitpläne und Verfahren für die Umsetzung der beim Gipfel von Rio beschlossenen Ziele beinhaltet.

Auf dem zehn Jahre nach dem Umweltgipfel von Rio de Janeiro stattfindenden Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg sollen verbindliche Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zum Umweltschutz verabschiedet werden. Insgesamt werden nach jüngsten Hochrechnungen rund 40.000 Teilnehmer zu dem Gipfel und dem Paralleltreffen der regierungsunabhängigen Organisationen erwartet.

Diverse Gruppen haben Proteste angekündigt. Von 15 angemeldeten Demonstrationen wurden nur 5 genehmigt. Nach offiziell unbestätigten Berichten werden auch Angehörige der berüchtigten Veteranenverbände aus dem benachbarten Simbabwe erwartet. Sie haben eine tragende Rolle bei der chaotischen Landreform von Präsident Robert Mugabe gespielt, der seine erfolgreiche Enteignung weißer Farmer in Johannesburg als Modell präsentieren möchte.



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