Gipfel in Kopenhagen Klimapolitiker warnen vor Kompromissen

Zwei Wochen zur Rettung der Welt: Regierungsvertreter aus 192 Staaten verhandeln ab heute in Kopenhagen darüber, wie der Klimakollaps zu verhindern ist. Experten unter den Politikern warnen vor einem Minimalkonsens - er wäre das Schlimmste, eine enorme Belastung für kommende Generationen.
Mann vor Weltkugel-Installation in Kopenhagen: "Unterstützung der Menschen in aller Welt"

Mann vor Weltkugel-Installation in Kopenhagen: "Unterstützung der Menschen in aller Welt"

Foto: Miguel Villagran/ Getty Images

Uno-Klimagipfels

Klaus Töpfer

Kopenhagen - Hoffen auf den Durchbruch: Kurz vor dem Beginn des wichtigen in Kopenhagen hat der frühere Bundesumweltminister (CDU) die Konferenzteilnehmer zu entschiedenem Handeln aufgefordert. "Klimawandel ist keine Gefahr der fernen Zukunft, Klimawandel passiert bereits jetzt", sagte der ehemalige Chef des Uno-Umweltprogramms der "Passauer Neuen Presse". "Wenn wir nicht wirklich handeln, werden wir alle verlieren. Wir können uns ein Scheitern des Gipfels nicht erlauben."

Erderwärmung

Wegen der drastischen Unterschiede der an dem Gipfel teilnehmenden Ländern erwarte er "schwierige Verhandlungen". "Aber ich glaube, dass wir die Unterstützung der Menschen in aller Welt haben", sagte Töpfer der Zeitung. Töpfer gab sich außerdem überzeugt, dass das Ziel der Begrenzung der auf zwei Grad in Kopenhagen grundsätzlich anerkannt werde. Die Frage werde eher sein, "ob jetzt schon alle Maßnahmen rechtsverbindlich beschlossen werden", die das Erreichen dieses Zieles gewährleisteten. Vor diesem Hintergrund forderte er die Bundesregierung zum Handeln auf. Noch sei "nicht zu sehen, wie wir unser Ziel von fast 40 Prozent weniger CO2-Emissionen im Jahr 2020 gegenüber 1990 auch wirklich realisieren können", sagte Töpfer der Zeitung.

Angela Merkel

In Kopenhagen beraten ab diesem Montag Delegationen aus 192 Staaten über ein Nachfolgeabkommen des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls. Zum Schluss der Verhandlungen wollen zahlreiche Staats- und Regierungschefs anreisen, darunter auch Bundeskanzlerin (CDU) und US-Präsident Barack Obama.

"Minimalkompromiss wäre großer Rückschlag"

Der Chef des Uno-Umweltprogramms (Unep), Achim Steiner, forderte einen Erfolg des Weltklimagipfels in Kopenhagen. "Ein Minimalkompromiss wäre ein großer Rückschlag für die Klimapolitik und vor allem eine enorme Hypothek für die kommende Generation", sagte Steiner der Nachrichtenagentur ddp.

Wenn die internationale Gemeinschaft noch einmal zehn Jahre verlieren würde, wären die Kosten für den Klimaschutz um ein Vielfaches höher. Gleichzeitig würde damit die Chance vergeben, gemeinsam Klimapolitik zu betreiben. "Wir haben durch Klimawandel und globale Erwärmung erstmals ein Phänomen, wo alle Länder einen Beitrag leisten müssen", sagte Steiner. Kein Staat könne Erfolg haben ohne die Beteiligung der anderen.

"Es ist heute ein Konsens, dass wir dieses Phänomen haben, dass der Mensch ein Kernverursacher dieser Entwicklung ist", sagte Steiner. Wenn nur die Hälfte dessen eintreffen würde, was der Klimarat vorausgesagt habe, sei dies bereits dramatisch. Gleichzeitig appellierte Steiner an die Verantwortung für kommende Generationen. "Die nächste Generation hat vielleicht gar nicht mehr die Wahl, die wir heute haben", sagte der Leiter des Uno-Umweltprogramms.

Steiner nahm insbesondere die Staats- und Regierungschefs in die Pflicht: Wenn der Gipfel scheitern sollte, sei dies die Verantwortung derjenigen, die die Verhandlungen führen. "Und das sind letztlich die gewählten Regierungsoberhäupter", sagte Steiner. Er sprach sich für ein Abkommen aus, das konkrete Zahlen, Ziele und Zeitvorgaben enthalte. "Wenn uns das gelingt, ist Kopenhagen ein Erfolg und auch die Voraussetzung dafür, dass wir die Ziele, die wir vom Weltklimarat vorgegeben bekommen haben, auch erreichen können", sagte Steiner.

Er räumte ein, dass derzeit noch eine Lücke klaffe zwischen den Angeboten der Industriestaaten zur Reduzierung der klimaschädlichen Treibhausgase und den Empfehlungen des Weltklimarats. Ein Deal sei aber möglich.

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Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verbreitete Optimismus. "Wir werden ein historisches Übereinkommen erreichen, das die globale Erwärmung bremst", sagte der Südkoreaner der dänischen Zeitung "Berlingske Tidende". Der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, erwartet ein "starkes Ergebnis als Wendepunkt für die Klimaentwicklung". De Boer sagte: "Die Stunde der Entscheidung ist gekommen."

Als konkrete Ziele für das bis zum 18. Dezember dauernde Treffen nannte er "schnelle und effektive Wege" zur Finanzierung klimafreundlicher Technologien sowie "ehrgeizige Ziele" bei der Verminderung von CO2-Emissionen und die Bereitstellung langfristiger Finanzen. Außerdem müsse die Kopenhagener Konferenz die "Vision einer Zukunft mit niedrigen Schadstoffausstößen" bringen.

Greenpeace lobt Merkel

Das Weiße Haus in Washington erklärte zu den neuen Reiseplänen Obamas, es gebe Fortschritte hin zu einem Abkommen, "das alle Themen umfasst, die derzeit verhandelt werden". Obama habe in den vergangenen Tagen mit mehreren europäischen Spitzenpolitikern telefoniert, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Der US-Präsident gründe seine Zuversicht unter anderem auf China und Indien, die erstmals konkrete Ziele zur Reduzierung ihrer Treibhausgase genannt haben.

Der Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser lobte ausdrücklich Bundeskanzlerin Merkel für ihre Rolle bei der Zusage des US-Präsidenten: "Ihr persönliches Engagement gegenüber Obama hat sich ausgezahlt." Nun seien alle Chefs der Länder mit dem größten CO2-Ausstoß an Bord. Die USA und China haben weltweit die höchsten CO2-Emissionen, sind aber nur zu wesentlich geringeren Verminderungen bereit als die EU.

als/ap/AFP/dpa