Gipfel in New York Kinder sprechen vor dem Uno-Plenum

Die Vereinten Nationen wollen mit ihrem zweiten Weltkindergipfel vom 8. bis 10. Mai in New York für die Verbesserung der Lebenssituation der Kinder in den Entwicklungsländern mobilisieren. Unterdessen forderte die Weltarbeitsorganisation ILO die Mitgliedstaaten der Uno auf, sich energischer gegen Kinderarbeit einzusetzen.

Von Süleyman Artiisik


Alltag im Sudan: Hungernde Kinder
DPA

Alltag im Sudan: Hungernde Kinder

Berlin – Auf dem ersten Weltkindergipfel 1990 hatte sich die Uno den Kampf gegen das Elend der Kinder der Erde auf die Fahnen geschrieben. Knapp zwölf Jahre später fällt die Bilanz ernüchternd aus: "Wir haben die meisten Versprechen nicht einlösen können", sagt Uno-Generalsekretär Kofi Annan. Die Ziele seien deshalb nicht erreicht, weil zu wenig in Kinder investiert wurde.

Von kommenden Mittwoch bis Freitag wagen die Vereinten Nationen nun in New York einen zweiten Anlauf. Unter dem Motto "Kinder-Sondersitzung" will die Uno-Generalversammlung mit Politikern, Uno-Beamten, Diplomaten und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen den rund 2,1 Milliarden Kinder der Welt durch Aktionspläne zu einer besseren Lebenssituation verhelfen. So sollen die Zahl der Kinder, die von der Schulbildung ausgeschlossen sind bis 2005 halbiert, die Todesfälle durch Masern drastisch verringert und Neugeborenen-Tetanus ausgerottet werden. Weiterhin will die Uno die HIV-Neuinfizierung bei jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren in den am stärksten betroffenen Ländern bis 2005 um ein Viertel senken.

Zum ersten Mal werden am Gipfel auch Kinder und Jugendliche teilnehmen. "Es erscheint vielleicht logisch, junge Menschen zu einer Konferenz einzuladen, die sich ausschließlich ihrem Wohlergehen widmen soll", erklärt die Exekutivdirektorin des Uno-Kinderhilfswerkes Unicef, Carol Bellamy. "Aber für ein so hochrangiges Treffen ist das wirklich etwas Neues".

Denn Kinder haben fast nie die Chance, öffentlich vor einem großen Forum für sich zu sprechen. Nach einem aktuellen Uno-Bericht "Wir, die Kinder", den Annan zur bevorstehenden Generalversammlung vorgelegt hat, stirbt jedes fünfte Kind, bevor es das fünfte Lebensjahr beendet. 150 Millionen sind chronisch mangelernährt, und rund 120 Millionen würden nicht einmal eingeschult. Die Aids-Seuche zerstört das Leben ganzer Generationen. Mehr als zehn Millionen Kinder bis 18 Jahren hat das HI-Virus befallen. Etwa genauso viele verwaiste Kinder beklagen den Tod ihrer Eltern durch die Immunschwächekrankheit. Allein in Afrika werden über eine Million Menschen von Malaria getötet, die Mehrzahl Kinder unter fünf Jahren und schwangere Frauen.

Kinder kämpfen an vielen Fronten: Ein zwölfjähriger Soldat in Afrika
DPA

Kinder kämpfen an vielen Fronten: Ein zwölfjähriger Soldat in Afrika

"Chronische Armut bleibt aber das größte Hindernis für Kinder, um ein würdiges Leben zu führen", heißt es weiter in dem Lagebericht. Mehr als eine halbe Milliarde Kinder vegetieren in absoluter Armut, haben weniger als einen Dollar pro Tag zum Überleben.

Abermillionen Kinder müssen unter unmenschlichen Bedingungen in Fabriken, in Bergwerken oder als Knechte auf dem Feld arbeiten. Ingesamt 246 Millionen Kinder gefährden dadurch ihre körperliche und geistige Gesundheit, heißt es in der Uno-Studie.

Wie die Weltarbeitsorganisation (ILO) berichtet, arbeiteten mehrere Millionen von ihnen gar unter schwersten Bedingungen als Sklaven, Kindersoldaten, in der Prostitution oder dem Drogenhandel. "Die Abschaffung der Kinderarbeit ist eine der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit", erklärte ILO-Generaldirektor Juan Somavia. Er forderte alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen auf, den Vertrag zur Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu unterschreiben. Es haben sich zwar bereits 115 Länder vertraglich verpflichtet, der Kinderarbeit ein Ende zu setzen, eingehalten werde dies nur selten, beklagte Somavia.

Kinder gelten in Entwicklungsländern nach wie vor als flexible und billige Arbeitskräfte. 60 Prozent der arbeitenden Kinder leben im asiatischen Raum, 23 Prozent in Afrika. Ein Prozent ist in den Industrieländern zu finden. In Ländern wie Brasilien, Kenia und Mexiko machen Kinder in einigen Branchen sogar rund ein Drittel der Arbeitskräfte aus. Auch die Kaffee- und Baumwollwirtschaft stützen sich in nicht geringem Maße auf jugendliche Arbeit.





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