Gipfel in Straßburg Polizei feuert Tränengas auf Nato-Gegner

Demonstranten warfen Steine, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein: Beim Nato-Gipfel in Straßburg hat es auch am zweiten Tag schwere Ausschreitungen gegeben. Auf der Abschlussdemo am Nachmittag werden Zehntausende Teilnehmer erwartet.


Straßburg - Bei den erneuten Auseinandersetzungen zwischen Nato-Gegnern und Polizei sind nach Behördenangaben 25 militante Demonstranten festgenommen worden. Sie hätten versucht, durch Absperrungen ins Zentrum der Stadt zu gelangen. Nach Angaben der Nato-Gegner setzte die Polizei Gummigeschosse ein. Einige Demonstranten seien verletzt worden.

Einige hundert Gipfel-Gegner blockierten eine Zufahrtsstraße zum Tagungsort der 28 Staats- und Regierungschef des Militärbündnisses. Die Menschen protestierten dort friedlich mit Pfeifkonzerten, Trommeln und "Nein zu Nato"-Rufen. "Es ist schon ein Erfolg, dass wir bis hierher vorgedrungen sind", sagte ein Sprecher der Nato-Gegner.

Die Polizei hat eine Protestaktion auf dem Rhein verhindert. 13 Schwimmer und Taucher seien am Morgen in der Nähe der über den Fluss führenden Fußgängerbrücke in Gewahrsam genommen worden, teilte die Polizei am Samstag mit. Die Demonstranten seien eineinhalb Kilometer von der Brücke entfernt aufgegriffen worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama und die anderen Gipfelteilnehmer gingen derweil zu Fuß über die Brücke nach Frankreich, wo sie Präsident Nicolas Sarkozy in Empfang nahm. Acht französische Alpha-Jets, deren Kondensstreifen in den Farben der Nato gefärbt waren, überflogen die Zeremonie. Damit sollte die Rückkehr Frankreichs in die militärischen Strukturen des Bündnisses nach mehr als 40 Jahren Abwesenheit gewürdigt werden.

Am Morgen blockierten rund tausend teils vermummte Demonstranten eine andere Brücke, eine andere Gruppe besetzte die Straßenbahnlinie in Richtung Pressezentrum. Nahe des Straßburger Verwaltungszentrums stoppten die Beamten rund 150 Demonstranten, darunter etliche Vermummte, die versuchten, sich den Sicherheitszonen im Stadtzentrum zu nähern. Auch am Meinau-Fußballstadion hielt die Polizei etwa hundert Demonstranten auf. Im Straßburger Vorort Schiltigheim blockierten rund 200 Protestteilnehmer eine zentrale Verkehrsachse.

Am Vortag waren zwei 24-jährige Deutsche in Untersuchungshaft genommen worden. Sie waren mit einer Hacke und einer Eisenstange bewaffnet und müssen sich wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten. Insgesamt hatten sich am Vormittag rund 1800 Demonstranten rund um die Innenstadt verteilt. Die Polizei versuchte, sie in Richtung Süden abzudrängen.

Die Gipfelgegner planen für den Nachmittag in Straßburg ihre zentrale Abschlussdemonstration. Die französische Polizei rechnet mit bis zu 30.000 Teilnehmern. Die Organisatoren gehen von bis zu 60.000 Demonstranten aus. Die Staats- und Regierungschefs der 28 Nato-Staaten sollten am Vormittag im Straßburger Kongresszentrum zu ihren Beratungen zusammentreffen.

mbe/dpa/AFP



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Seite 1
Adran, 30.03.2009
1.
Chinesen werden selbstbewusst ohne ende, und rufen das chinesich Jahrtausend aus, nicht zu unrecht.. Russland wird mittlefristig wieder aufsteigen.. Und wir debattieren ob die Nato noch zeitgemäß ist? Bitte.. ich will hier raus ;)
Gandhi, 30.03.2009
2. Nein,
jedenfalls nicht in der alten form. Und wenn die "neue" Form darin besteht, die Wirtschaftsinteressen des Westen global durchzusetzen, dann geschieht dies ohne Legitimation. Doch ohne NATO ist nicht richtig moeglich, alle westlichen Staaten unter einen Hut zu bringen. Daher hat sich Sarko wohl entschlossen wieder ins militaerische Buendnis voll zurueckzukehren. Doch auch das wird der NATO langfristig nicht helfen. Die USA werden wegen der eigenen Finanzlage von den Europaeern mehr verlangen (und damit Einfluss abgeben), viele Europaeer sehen hingegen keinen Sinn mehr in der NATO.
R.Socke 30.03.2009
3.
Zitat von sysopAm Wochenende kommen die Mitgliedsstaaten zu ihrem Gipfel in Straßburg und Baden-Baden zusammen. Zehntausenden wollen dagegen demonstieren. Ist die Nato noch zeitgemäß?
Die NATO hat mit dem Kollaps der Sowjetunion und des Warschauer Pakts seine Existenzberichtigung verloren. Der schier unstillbare Hunger der mit den Regierungen und "Verteidigungs"ministerien verbandelten Waffen- und "Sicherheits"-Industrie nach immer mehr Regierungs(steuer)geldern hat Konsequenzen aus dieser Einsicht erfolgreich verhindert. Wir zahlen, die schießen, kassieren und bedrängen u.a. Russland. Das ist fatal, dämlich und kurzsichtig und wird uns allen auf die Füße fallen - die finanziellen Folgen sind da noch das geringste Problem.
Hans58 30.03.2009
4.
Zitat von sysopAm Wochenende kommen die Mitgliedsstaaten zu ihrem Gipfel in Straßburg und Baden-Baden zusammen. Zehntausenden wollen dagegen demonstieren. Ist die Nato noch zeitgemäß?
DIE NATO, also die NATO zum Zeitpunkt ihrer Gründung, ist nicht mehr zeitgemäß. Man hat das z.B. an dem juristischen Hick-Hack gesehen, der bei dem Beschluss über den Bündnisfall nach Art 5. des NATO-Vertrags anlässlich des 11. September 2001 gemacht wurde. Nur mit Müh' und Not hat man die Terrorangriffe als Angriffe auf einen Bündnispartner konstruieren können. Die NATO, die z.B. derzeit in Afghanistan im Auftrag und auf Beschluss des UN-Sicherheitsrates eine militärische Operation leitet, für deren Dauer der milit. NATO-Kommandostruktur sogar Truppen von Nicht-NATO-Staaten unterstellt sind, zeigt die heutige Ferne vom ursprünglichen Vertragswerk. Ergo, man möge unter dem geschichtlich bewährten Namen NATO eine neue Organisationsform und vor allem ein modernes Vertragswerk schaffen, dieses wie bisher auch mit "Doktrinen" untermauern und damit der NATO ein neues Gesicht verpassen. Ein WESTLICHES Bündnissystem muss es in irgendeiner Form weitergeben! Diejenigen, die jetzt demonstrieren werden, haben in der Masse von der NATO, ihren Regelwerken etc. so viel Ahnung wie die meisten Demonstranten in der jahrelangen Vergangenheit bei vergleichbaren NATO-Veranstaltungen.
sagichned 30.03.2009
5.
Zitat von AdranChinesen werden selbstbewusst ohne ende, und rufen das chinesich Jahrtausend aus, nicht zu unrecht.. Russland wird mittlefristig wieder aufsteigen.. Und wir debattieren ob die Nato noch zeitgemäß ist? Bitte.. ich will hier raus ;)
Wieso sollten chinesen oder russen den westen überfallen und/oder besetzen wollen? Damit sie ihre waren und gas umsonst liefern?
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