Glasgow Zehntausende Schotten demonstrieren für Unabhängigkeit

In Schottland nimmt die Unabhängigkeitsbewegung Fahrt auf. Ein erstes Referendum für eine Abspaltung von Großbritannien war 2014 knapp gescheitert, jetzt gab es in Glasgow eine beeindruckende Demonstration für ein zweites.

Getty Images

In der schottischen Stadt Glasgow haben Zehntausende Menschen für die Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien demonstriert.

An dem Protestmarsch sollen zwischen 30.000 und 35.000 Menschen teilgenommen haben, wie der britische "Guardian" berichtet. Es sei die größte Versammlung von Unabhängigkeitsbefürwortern gewesen, seit die Regierungschefin Nicola Sturgeon ein zweites Referendum in Aussicht gestellt hat.

Sturgeon hatte Ende April angekündigt, noch vor der nächsten Parlamentswahl ein Unabhängigkeitsreferendum abhalten zu wollen. Es solle dabei eine Wahl zwischen dem Brexit als Teil Großbritanniens und einer Zukunft für Schottland als unabhängige europäische Nation geben. Sie wolle dafür die notwendige Gesetzgebung in die Wege leiten, sagte sie. Die nächsten Parlamentswahlen in Schottland stehen am 6. Mai 2021 an.

Demonstration in Glasgow
Robert Perry/EPA-EFE/REX

Demonstration in Glasgow

Bei einem ersten Referendum über die Unabhängigkeit im Jahr 2014 hatte eine knappe Mehrheit der Schotten (55 Prozent) gegen eine Loslösung vom Vereinigten Königreich gestimmt. Noch deutlicher sprachen sich die Schotten jedoch beim Brexit-Referendum im Jahr 2016 für einen Verbleib Großbritanniens in der EU aus (62 Prozent).

Mit tausenden blauweißen Flaggen und Dudelsackmusikanten taten die Demonstranten nun ihren Willen kund, in der EU zu bleiben und gleichzeitig unabhängig von Großbritannien zu sein. Die Organisation "All Under One Banner" (Alle unter einem Banner), die die Demonstration veranstaltete, kündigte laut "Guardian" landesweite Proteste in den kommenden Monaten an.

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insgesamt 73 Beiträge
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mystyhax 04.05.2019
1. Na
Da hat aber David Cameron sein Ziel erreicht. Eine Frage deren Dimension die Menschen nicht abschätzen können und die keinesfalls mit einfachen Antworten, wie es Farage und Co. weismachen wollen, zu beantworten sind einfach ohne Not zur Wahl zu stellen war dämlich. Es gibt kein schwarz oder weiss. Am Ende ist es der Zerfall Großbritanniens. Nach dem Brexit ist vor dem Schexit. Ja die EU hat Fehler. Die EU gehört reformiert. Der Fokus muss wieder mehr in Richtung den Interessen der Bürger gelenkt werden. Aktuell hat man eher den Eindruck es handelt sich um ungezügelte Lobbykratie
artep 04.05.2019
2. 2014
Bei der Wahl 2014 blieb die Queen über ihr Urlaubsende hinaus in Schottland, um ihre Angestellten am Referendum teilnehmen zu lassen. Da es sich dabei im dünnbesiedelten Schottland um mehr als 200 Wahlberechtigte handelte, hatten ihre Stimmen durchaus gewicht. Jetzt aber, mit dem Brexit vor Augen, könnte eine schottische Ablösung gelingen. Hauptsache, sie stimmen in einer Zeit ab, wenn die Queen und ihr Hofstaat nicht in Schottland "weilt".
Jasro 04.05.2019
3. Naheliegend
Wäre Schottland 2014 unabhängig vom damaligen EU-Mitglied Vereinigtes Königreich geworden, wäre es dadurch erst einmal automatisch auch aus der EU ausgetreten und hätte als eigenständiger Staat die langwierige und aufwändige Wiederaufnahme in die EU beantragen müssen - und den Schotten ist ja u.a. von der EU genau deshalb nahegelegt worden, daher besser für einen Verbleib im UK zu stimmen. Jetzt aber, nachdem der Brexit vor der Tür steht, ist es ja [i}genau umgekehrt[/i], jetzt muss Schottland zusammen mit dem Rest des Vereinigten Königreiches aus der EU austreten, gerade weil Schottland Teil des UK ist. Da liegt es natürlich nahe, dass Schottland jetzt doch wieder unabhängig werden will, u.a. um dann als eigenständiger Staat wieder EU-Mitglied werden zu können.
avis 04.05.2019
4. Jetzt aber fix ...
... das Bild korrigieren, neben dem politisch korrekten jungweiblichen Gesicht ist eine katalanische Flagge zu sehen oder geht das noch in der Zwischenphase der Narrativbildung, wo noch nicht klar ist, ob es eine legitime Bewegung wird (z.B. Kosovo) oder eine illegitime (z.B. Katalonien)?! Wir werden es erleben, wenn die Titulierung in "Seperatisten" o.ä. umschwenkt. Mein Tipp: Da Anti-Brexit = pro EU und pro NATO, werden wir ein positives Narrativ serviert bekommen, also alles AktivistInnen in guter Sache.
MagittaW 04.05.2019
5. Schottland würde NIE EU-Mitglied werden
es ist schon erstaunlich, wie opportunistisch die EU Beführworter sein können: Einerseits gegen Nationalismus, andererseits für Schottlands Unabhängigkeit, als Druckmittel gegen England. Bei Katalonien gilt das allerdings nicht: da heißt es: Keine Chance für eine Unabhängigkeit - ist das nicht Heuchelei? Spanien - also Madrid - hat übrigens immer betont, dass ein unabhängiges Schottland NIEMALS EU-Mitgliedsland werden würde - siehe Katalonien! Im Gegensatz zum Rest der EU hat Großbritannien seinen Landesteilen Referenden über die Unabhängigkeit und den Verbleib in der EU erlaubt! Und hier kommt meine These: SO VIEL direkte Demokratie finde nicht nur die EU-Zentrale bedrohlich, auch die Mitgliedsländer sind strikt gegen mehr Volksbefragungen, weil die oft anders ausgehen, als sich eine abhobene Elite wünscht!
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