Glaubensprozess in Afghanistan Karzai schließt Hinrichtung Abdul Rahmans aus

Afghanistans Präsident Hamid Karzai hat erstmals versichert, dass keine Gefahr für den zum Christentum konvertierten Abdul Rahman bestehe. Kanadas Premierminister Harper berichtete, Karzai habe ihm am Telefon gesagt, dass eine Hinrichtung ausgeschlossen sei.


Kabul/Ottawa - Er habe mit Karzai telefoniert, berichtete Stephen Harper. In dem Gespräch habe der afghanische Präsident mitgeteilt, dass der Fall bald geregelt sein werde. Karzei habe ihm gegenüber ausgeschlossen, dass der wegen seines Übertritts zum Christentum angeklagte Afghane Abdul Rahman hingerichtet werden könnte. Karzai habe ihm zugesichert, dass keine Gefahr für Rahmans Leben bestehe, sagte Harper auf einer Pressekonferenz in Ottawa.

Abdul Rahman: Internationaler Druck auf Afghanistan
REUTERS

Abdul Rahman: Internationaler Druck auf Afghanistan

Dem 41-jährigen Afghanen, der lange in Deutschland gelebt hatte, wird in seiner Heimat der Prozess wegen Abfalls vom Glauben gemacht. Dabei droht ihm nach Angaben des Gerichts die Todesstrafe. Sollte das Gericht die Schuldunfähigkeit des Angeklagten feststellen, kann er jedoch auch nach islamischem Recht nicht verurteilt werden.

Politiker und Militärs mahnten unterdessen zur Zurückhaltung. Der Kommandeur des deutschen Isaf-Kontingents in Afghanistan, Brigadegeneral Christof Munzlinger, warnte gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vor einer Zuspitzung. Forderungen nach einem Truppenabzug seien wenig hilfreich.

Die Sicherheitslage in Afghanistan habe sich trotz vieler Erfolge bei der Demokratisierung und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert. "Wir sollten in der angespannten Situation nicht mit verbalen Attacken gegen die Regierung von Hamid Karzai die Situation noch verschlimmern", forderte er. "Einen zweiten Karikaturenstreit brauchen wir nicht", warnte Munzlinger.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU), riet, sich darauf zu konzentrieren, dass Abdul Rahman von der Androhung der Todesstrafe loskomme. Über den aktuellen Prozess hinaus müsse der Fall Anlass sein, auf eine grundlegende Rechtsänderung in Afghanistan hinzuwirken.

Die FDP lehnte Überlegungen ab, Abdul Rahman für unzurechungsfähig zu erklären. Fraktionsvize Werner Hoyer nannte den Vorschlag eine ethisch nicht vertretbare Alternative. "Eine solche Lösung wäre mit der Religionsfreiheit nicht vereinbar und überaus bitter", sagte Hoyer.

als/AP/AFP



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