Global Peace Index 2018 Die Welt ist etwas friedlicher geworden

Trotz aller Gewalt: Laut einer Studie hat der Frieden auf der Welt im vergangenen Jahr zugenommen - erstmals seit 2013. Ein europäisches Land bleibt Spitze, Syrien wurde als Schlusslicht abgelöst.


Syrien, Jemen, Afghanistan - wenn es um Länder wie diese geht, ist meist von Krieg und Gewalt die Rede. So drängt sich beim Blick auf die Nachrichten der Gedanke auf: Es wird immer schlimmer. Weniger Frieden. Mehr Krieg.

Tatsächlich aber ist die Welt 2018 zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder etwas friedlicher geworden. Das geht aus dem Global Peace Index hervor. Dieser ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,09 Prozent gesunken.

Trotz der leichten Verbesserung will IEP-Gründer Steve Killelea aber noch nicht von einem Trend sprechen. Vieles komme darauf an, wie sich die Situation im Nahen Osten, besonders im Hinblick auf Iran entwickle. Ein Konflikt dort hätte erhebliche Auswirkungen auf die Länder in der Region, sagte Killelea der Nachrichtenagentur dpa.

Die Studie der Denkfabrik Institute for Economics and Peace (IEP) bewertet jedes Jahr die Lage in mehr als 160 Ländern der Welt anhand von Kriterien wie beispielsweise Krieg, Terrorismus, Polizeigewalt und Waffenexporten.

Im Nahen Osten und Nordafrika herrscht am wenigsten Frieden

Nach diesen Faktoren hat sich die Lage in der Ukraine am stärksten verbessert. Insgesamt ist der Index in 86 Ländern gestiegen, dort gab es 2018 also mehr Frieden als im Vorjahr. In 76 Nationen hat sich die Lage verschlechtert, am stärksten in Nicaragua.

Insgesamt herrscht in der Region Naher Osten und Nordafrika weiterhin am wenigsten Frieden. Aber immerhin hat sich die Situation dort leicht verbessert. Das geht auch darauf zurück, dass 2018 in der Region - wie auch insgesamt auf der Welt - weniger Menschen durch gewaltsame Konflikte getötet worden sind als noch im Vorjahr. Syrien ist zudem nicht mehr das Land, in dem am wenigsten Frieden herrscht. Die Nation wurde von Afghanistan abgelöst. Syrien liegt jetzt auf dem vorletzten Platz, und damit noch hinter dem Südsudan, dem Jemen und Irak.

Weltfriedensindex

Wo auf der Welt am meisten Frieden herrscht

Rang Land Punkte
1 Island 1072
2 Neuseeland 1221
3 Portugal 1274
4 Österreich 1291
5 Dänemark 1316
6 Kanada 1327
7 Singapur 1347
8 Slowenien 1355
9 Japan 1369
10 Tschechische Republik 1375
11 Schweiz 1383
12 Irland 1390
13 Australien 1419
14 Finnland 1488
15 Bhutan 1506
16 Malaysia 1529
17 Niederlande 1530
18 Belgien 1533
18 Schweden 1533
20 Norwegen 1536
21 Ungarn 1540
22 Deutschland 1547
23 Slowakei 1550
24 Mauritius 1562
25 Rumänien 1606
26 Bulgarien 1607
27 Chile 1634
28 Kroatien 1645
29 Polen 1654
30 Botswana 1676
31 Katar 1696
32 Spanien 1699
33 Costa Rica 1706
34 Uruguay 1711
35 Lettland 1718
36 Taiwan 1725
37 Estland 1727
38 Litauen 1728
39 Italien 1754
40 Malawi 1779
41 Indonesien 1785
42 Mongolei 1792
43 Kuwait 1794
44 Ghana 1796
45 Laos, Demokratische Volksrepublik 1801
45 Vereinigtes Königreich 1801
47 Panama 1804
48 Osttimor 1805
48 Sambia 1805
50 Serbien 1812
51 Albanien 1821
52 Sierra Leone 1822
53 Vereinigte Arabische Emirate 1847
54 Tansania 1860
55 Madagaskar 1867
55 Südkorea 1867
57 Vietnam 1877
58 Senegal 1883
59 Liberia 1889
60 Frankreich 1892
60 Namibia 1892
62 Gambia 1908
63 Zypern 1914
64 Kasachstan 1932
65 Griechenland 1933
65 Nordmazedonien 1933
67 Montenegro 1939
68 Moldawien 1951
69 Oman 1953
70 Äquatorialguinea 1957
71 Ecuador 1980
72 Benin 1986
72 Sri Lanka 1986
72 Swasiland 1986
75 Argentinien 1989
76 Nepal 2003
77 Angola 2012
77 Jordanien 2012
79 Ruanda 2014
80 Peru 2016
81 Bosnien und Herzegowina 2019
82 Tunesien 2035
83 Jamaika 2038
84 Dominikanische Republik 2041
85 Bolivien 2044
86 #NV 2049
87 Haiti 2052
88 Paraguay 2055
89 Kambodscha 2066
90 Marokko 2070
91 Kuba 2073
92 Guyana 2075
93 Trinidad und Tobago 2094
94 Mosambik 2099
95 Kirgisistan 2105
96 Gabun 2112
97 Weißrussland 2115
98 Papua-Neuguinea 2118
99 Georgien 2122
100 Guinea 2125
101 Bangladesch 2128
102 Usbekistan 2166
103 Lesotho 2167
104 Burkina Faso 2176
105 Tadschikistan 2196
105 Uganda 2196
107 Elfenbeinküste 2203
108 Togo 2205
109 Dschibuti 2207
110 China, Volksrepublik 2217
111 Algerien 2219
112 Guinea-Bissau 2237
113 El Salvador 2262
114 Guatemala 2264
115 Turkmenistan 2265
116 Brasilien 2271
116 Thailand 2278
118 Armenien 2294
119 Kenia 2300
120 Nicaragua 2312
121 Republik Kongo 2323
122 Mauretanien 2333
123 Honduras 2341
124 Bahrain 2357
125 Myanmar 2393
126 Niger 2394
127 Südafrika 2399
128 Vereinigte Staaten von Amerika 2401
129 Saudi-Arabien 2409
130 Aserbaidschan 2425
131 Äthiopien 2434
132 Simbabwe 2463
133 Eritrea 2504
134 Philippinen 2516
135 Burundi 2520
136 Ägypten 2521
137 Tschad 2522
138 Kamerun 2538
139 Iran, Islamische Republik 2542
140 Mexiko 2600
141 Indien 2605
142 Staat Palästina (Hamas) 2608
143 Kolumbien 2661
144 Venezuela 2671
145 Mali 2710
146 Israel 2735
147 Libanon 2800
148 Nigeria 2898
149 Nordkorea 2921
150 Ukraine 2950
151 Sudan 2995
152 Türkei 3015
153 Pakistan 3072
154 Russische Föderation 3093
155 Kongo, Demokratische Republik 3218
156 Libyen 3285
157 Zentralafrikanische Republik 3296
158 Somalia 3300
159 Irak 3369
160 Jemen 3412
161 Südsudan 3526
162 Syrien 3566
163 Afghanistan 3574

Europa ist hingegen nach wie vor die friedlichste Region der Welt. Im vergangenen Jahr trug dazu vor allem ein Rückgang an Terroranschlägen bei. Auch die Zahl der Menschen, die als Flüchtlinge Schutz in Europa suchten, ging zurück. So stammt auch das friedlichste Land der Welt aus dieser Region: Island bleibt auf Platz eins. Dahinter folgen Neuseeland - der Terroranschlag in Christchurch erfolgte dieses Jahr - Österreich, Portugal und Dänemark.

Verschlechtert hat sich die Lage vor allem in allen drei amerikanischen Regionen: Zentralamerika und die Karibik, Nordamerika sowie Südamerika. Die negative Entwicklung geht laut der Studie zurück auf "die zunehmende politische Instabilität". Als Beispiele nennt der Bericht die gewaltsamen Konflikte in Venezuela und Nicaragua sowie "die wachsende Polarisierung in Brasilien und den USA".

Auch mit wirtschaftlichen Auswirkungen beschäftigt sich die Studie: Die Kosten von Gewalt bezifferte das Institut im Jahr 2018 weltweit auf 14,1 Billionen Dollar (umgerechnet rund 12,5 Billionen Euro).

Um den Index zu errechnen, werden in der Studie drei Gruppen zusammengefasst, in die wiederum jeweils verschiedene Faktoren einfließen:

  • Laufende örtliche und internationale Konflikte: Hier wird das Ausmaß untersucht, in dem eine Nation in interne oder externe Auseinandersetzungen involviert ist. Dabei ist auch bedeutend, wie lange und in welcher Rolle das Land beteiligt ist.
  • Gesellschaftliche Sicherheit: Hier geht es zum Beispiel um Faktoren wie die Kriminalitätsrate sowie das Ausmaß an terroristischen Vorfällen oder gewaltsamen Demonstrationen und die Stabilität der politischen Landschaft.
  • Militarisierung: Hier geht es unter anderem um die Frage, wie viel Prozent seines Bruttoinlandprodukts ein Land für seine Aufrüstung ausgibt. Auch die Größe der Armee im Verhältnis zur Einwohneranzahl ist von Bedeutung.

aev/dpa



insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
joomee 12.06.2019
1. Auch weniger arm
Nicht nur friedlicher - auch weniger arm und hungrig... Vor allem auch deshalb, da China sich dem Kapitalismus / der Marktwirtschaft zu- und von Sozialusmus abgewendet hat und damit hunderte Millionen Menschen aus bitterer Armut in die Mittelschicht wandern konnten. Und natürlich gibt es noch genug zu tun... Die meisten Menschen die hier meckern und posaunen, dass früher alles besser war, machen das in ihrer Bräsigkeit und mit dem Wohlstandsbauch aus dem warmen Sofa heraus.
muellerthomas 12.06.2019
2.
Ist ja interessant: Das Global Peace Institute, eine anerkannte, seriöse Forschungseinrichtung schaut, wieviel Prozent seines Bruttoinlandprodukts ein Land für Rüstung ausgibt. Nach Meinung vieler Foristen hier zählen doch nur die absoluten Ausgaben... Ach und dann wird auch noch geschaut, wie die Größe der Armee im Verhältnis zur Einwohneranzahl ist. Hm mal sehen, das ach so friedfertige Russland ist dann rot...aber..das kann doch gar nicht sein.
HanzWachner 12.06.2019
3. Wer's glaubt...
...wird selig. Warum dann die dauernde Aufrüstung weltweit?
senkfuss 12.06.2019
4.
Zitat von muellerthomasIst ja interessant: Das Global Peace Institute, eine anerkannte, seriöse Forschungseinrichtung schaut, wieviel Prozent seines Bruttoinlandprodukts ein Land für Rüstung ausgibt. Nach Meinung vieler Foristen hier zählen doch nur die absoluten Ausgaben... Ach und dann wird auch noch geschaut, wie die Größe der Armee im Verhältnis zur Einwohneranzahl ist. Hm mal sehen, das ach so friedfertige Russland ist dann rot...aber..das kann doch gar nicht sein.
Außer Ihnen hat hier noch kein einziger Forist etwas von "absoluten Ausgaben" geäußert.
RalfHenrichs 12.06.2019
5. Witzig
Zitat von muellerthomasIst ja interessant: Das Global Peace Institute, eine anerkannte, seriöse Forschungseinrichtung schaut, wieviel Prozent seines Bruttoinlandprodukts ein Land für Rüstung ausgibt. Nach Meinung vieler Foristen hier zählen doch nur die absoluten Ausgaben... Ach und dann wird auch noch geschaut, wie die Größe der Armee im Verhältnis zur Einwohneranzahl ist. Hm mal sehen, das ach so friedfertige Russland ist dann rot...aber..das kann doch gar nicht sein.
Das Institut gibt es nicht. Es heißt "Institute for Economics and Peace" (steht auch im Artikel) und erstellt den "Global Peace Index.". Aber müllerthomas will beurteilen, dass es anerkannt und seriös ist, kennt aber noch nicht einmal den Namen. Vielleicht kann uns müllerthomas aber mitteilen, wie sich IEP finanziert. Interessant aber immerhin, dass die USA im letzten Jahr noch gelb und nun beige eingefärbt sind.
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