Unkrautvernichter Bundesregierung hilft bei Geheimhaltung von Glyphosat-Studien

Die EU-Lebensmittelbehörde Efsa weigert sich, Studien über den Unkrautvernichter Glyphosat herauszugeben. Die Bundesregierung hat sich jetzt in den Fall eingeschaltet - auf Seiten der Efsa und der Chemiekonzerne.
Glyphosat-Einsatz in Niedersachsen

Glyphosat-Einsatz in Niedersachsen

Foto: DPA/ Forum Moderne Landwirtschaft

Neue Entwicklung im Dauerstreit um Glyphosat: Die Bundesregierung hat sich in ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) eingeschaltet, in dem es um potenzielle Gesundheitsgefahren des Unkrautvernichters geht. Laut einem Dokument des Gerichtshofs unterstützt die Bundesregierung die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa bei dem Versuch, die Veröffentlichung von Studien über das Herbizid zu verhindern.

Die Efsa hatte Glyphosat für gesundheitlich unbedenklich erklärt. Vier Grünen-Europaabgeordnete hatten daraufhin im Mai beim EuGH auf die Herausgabe der Studien geklagt, die zur Basis des Efsa-Urteils gehörten. Sie waren von den Herstellern Monsanto und Cheminova selbst angefertigt worden.

In dem Dokument vom 30. November, das dem SPIEGEL vorliegt, lässt der EuGH die beiden Unternehmen als sogenannte Streithelfer in dem Verfahren zu. Sie dürfen damit Argumente vorbringen, warum die Efsa die Studien weiterhin unter Verschluss halten sollte. Pikant: In dem Dokument taucht auch Deutschland auf - als Unterstützer der Efsa.

Landwirtschaftsministerium gibt sich schmallippig

Warum die Bundesregierung dem Verfahren beigetreten ist und was aus ihrer Sicht gegen die Veröffentlichung der Studien spricht, ist unklar. Das zuständige Bundeslandwirtschaftsministerium erklärt auf Anfrage: "Über die Hintergründe für einzelne prozessuale Schritte gibt die Bundesregierung grundsätzlich keine Auskunft." Minister Christian Schmidt (CSU) machte zuletzt Schlagzeilen, indem er im EU-Ministerrat der Verlängerung der Glyphosat-Zulassung zustimmte und sie damit ermöglichte - entgegen der ausdrücklichen Weisung, sich zu enthalten.

Die Efsa begründet die Geheimhaltung der Studien damit, dass eine Veröffentlichung die Geschäftsinteressen der Urheber Monsanto und Cheminova gefährdet und damit geltendes EU-Recht verletzt hätte. Die vier Grünen-Europaabgeordneten Heidi Hautala, Benedek Jávor, Michèle Rivasi und Bart Staes hatten die Efsa daraufhin im Mai vor dem EuGH verklagt . Ihr Argument: Bei den Studien handele es sich um Umweltinformationen, die veröffentlicht werden müssten, selbst wenn Interessen von Unternehmen betroffen seien. Zudem sei das öffentliche Interesse in diesem Fall höher einzustufen.

"Die Bundesregierung stellt den Schutz von Lobbyinteressen über den Schutz von Gesundheit und Umwelt", kommentierte der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Die europäischen Bürger hätten ein Recht zu erfahren, wie die Beurteilung der Efsa zustande gekommen sei.

Ein Efsa-Sprecher betont dagegen, dass die Behörde lediglich die Gesetze befolge, die das EU-Parlament beschlossen habe - dasselbe Parlament, aus dem jetzt die Klage komme. Zudem habe man umfangreiche Daten veröffentlicht, die verdeutlichten, wie die Efsa zu ihrem Urteil über Glyphosat gekommen sei. Die Klage vor dem EuGH begrüße man sogar: "Wir würden es willkommen heißen", so der Sprecher, "wenn der Gerichtshof für Klarheit sorgen würde."

Glyphosat wird weltweit genutzt, es gilt als hochwirksam und preiswert. Allerdings steht es auch im Verdacht, Krebs zu erregen und die Umwelt zu schädigen. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation stufte den Unkrautvernichter 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen ein.

Behörden wie die Efsa, die Chemikalienagentur Echa oder das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung halten die vorliegenden Daten dagegen für nicht ausreichend, um auf eine Krebsgefahr zu schließen. Auch eine andere WHO-Untersuchung der Arbeitsgruppe "Joint Meeting on Pesticide Residues" kam zu dem Schluss, dass Glyphosat für Verbraucher keine Gesundheitsgefahr darstellt.


Zusammengefasst: Die EU-Lebensmittelbehörde Efsa hält den Unkrautvernichter Glyphosat für gesundheitlich unbedenklich. Studien der Hersteller Monsanto und Cheminova, die zur Grundlage der Entscheidung gehörten, will die Behörde allerdings nicht veröffentlichen. Vier Grünen-Abgeordnete klagen dagegen vor dem EuGH. Die Bundesregierung ist dem Verfahren beigetreten - auf Seiten der Efsa und der Chemiekonzerne.