Gnadengesuch Schwarzenegger grübelt über Todeskandidat Williams

Der kalifornische Gouverneur Schwarzenegger tut sich schwer mit der Entscheidung über das Gnadengesuch des Todeskandidaten Stanley "Tookie" Williams. Im Gefängnis San Quentin laufen schon die Vorbereitungen für die Hinrichtung des Ex-Gangmitglieds und heutigen Autors.


San Francisco - Der wegen Mordes verurteilte ehemalige Bandenchef prangert seit über 13 Jahren aus seiner Zelle heraus Gewalt an. Als Buchautor warnt er Jugendliche vor Straßengangs. Der Republikaner Schwarzenegger könnte das Todesurteil für den 51-jährigen Afroamerikaner, der seine Beteiligung an einer Serie von Raubmorden im Jahr 1979 bestreitet, in lebenslange Haft umwandeln.

Stanley Williams: Der frühere Bandenchef hofft auf eine Begnadigung
REUTERS

Stanley Williams: Der frühere Bandenchef hofft auf eine Begnadigung

Der bereits zehn Mal für den Friedens- und Literaturnobelpreis vorgeschlagene Todeskandidat erhält weltweiten Zuspruch. Namhafte Persönlichkeiten und internationale Organisationen haben sich für eine Verschonung von Williams eingesetzt.

Schwarzenegger hatte sich am Donnerstag mit den Anwälten von Williams und Vertretern der Staatsanwaltschaft getroffen. Noch ist nicht abzusehen, wann der gebürtige Österreicher seine Entscheidung über die Hinrichtung oder Begnadigung fällen wird. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr: Williams soll Montag kurz nach Mitternacht Ortszeit (Dienstag 9:01 Uhr MEZ) hingerichtet werden. Schwarzenegger hat seit seinem Amtsantritt bereits zwei Gnadengesuche anderer Todeskandidaten abgelehnt.

Der Stadtrat von Los Angeles hat die Einwohner der Millionen-Metropole dazu aufgerufen, sich im Falle von Williams Hinrichtung ruhig zu verhalten. Nach Angaben der "Los Angeles Times" werden gewalttätige Ausschreitungen vor allem in South Central Los Angeles befürchtet, wo es 1965 und 1992 zu schweren Rassenunruhen kam. Dort hatte Williams in den siebziger Jahren die berüchtigte "Crips"-Gang gegründet.

Im San-Quentin-Gefängnis bei San Francisco laufen bereits die Vorbereitungen für die Hinrichtung durch eine Giftspritze. Aus Sicherheitsgründen wurden persönliche Gegenstände aus Williams Zelle entfernt. Dies geschehe, damit der Todeskandidat weder sich selbst noch anderen Personen Schaden zufügen könne, teilte ein Sprecher mit. Zum Zeitpunkt der Exekution sollen die 5500 Häftlinge in San Quentin in ihren Zellen eingeschlossen werden.



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