Golanhöhen Syrien geht von komplettem Rückzug Israels aus

Diplomatischer Druck am ersten Verhandlungstag: In den unter türkischer Führung aufgenommenen Gesprächen mit Israel prescht Syrien vor. Informationsminister Bilal sagte, Israels Premier Olmert habe einen vollständigen Abzug aus den Golanhöhen garantiert.

Dubai - Ein Tag nach Wiederaufnahme ihrer Gespräche erheben syrische und israelische Politiker bereits gegenseitige Forderungen. Syrien werde sich keinen Schritt bewegen, wenn Israel nicht garantiere, dass es vollständig aus den Golan-Höhen abziehe, sagte Außenminister Walid al-Muallim der arabischen Tageszeitung "Al Hayat". Dies sei keine Vorbedingung der Syrer, sondern ihr Recht.

Der syrische Informationsminister Muhsin Bilal sagte wenig später, Syrien habe über türkische Vermittler bereits entsprechende Signale aus Jerusalem erhalten: "Wir haben Zusagen und Botschaften von der israelischen Regierung und dem israelischen Ministerpräsidenten erhalten, die garantieren, dass er weiß, was Syrien will", sagte Bilal am Donnerstag dem arabischen Fernsehsender al-Dschasira.

Regierungschef Ehud Olmert wisse, "dass die gesamten Golanhöhen zurückgegeben werden und Israel sich auf den Grenzverlauf vom 4. Juni 1967 zurückziehen wird.", sagte Bilal weiter. Indirekt drückte Bilal damit aus, dass Israel bereits eine Zusage für den Rückzug gegeben habe.

Israels Außenministerin Zippi Livni forderte von Syrien im Gegenzug einen Kurswechsel in der Außenpolitik. Syrien müsse sich klar vom Verbündeten Iran distanzieren und seine Unterstützung für den Terrorismus und Terrorgruppen wie palästinensischen Hamas und der südlibanesischen Hisbollah beenden. Bilal wies diese Forderungen umgehend zurück.

Israel und Syrien hatten am Mittwoch überraschend bekanntgegeben, dass sie nach achtjähriger Pause ihre Verhandlungen unter türkischer Vermittlung wieder aufgenommen haben. Israel hat den Golan, eine Hochebene an seiner nordöstlichen Grenze zu Syrien, im Sechs-Tage-Krieg besetzt und 1981 annektiert. Dort leben derzeit mehr als 18.000 jüdische Siedler sowie 17.000 Araber, die der Religionsgemeinschaft der Drusen angehören und mehrheitlich keine israelische Staatsbürgerschaft angenommen haben.

Syrien und Israel begannen ihre ersten Gespräche nach der Madrider Friedenskonferenz von 1991. Im Januar 2000 verhandelten sie zuletzt in Shepherdstown im US-Bundesstaat West Virginia. Ende März 2000 unternahm der ehemalige US-Präsident Bill Clinton in Genf einen letzten erfolglosen Versuch, den syrischen Ex-Präsidenten Hafis al- Assad zu Zugeständnissen an Israel zu bewegen.

amz/Reuters

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