Reaktionen auf Öltanker-Angriff Bundesregierung warnt vor "Eskalationsspirale" in der Golfregion

Wer steckt hinter den mutmaßlichen Attacken im Golf von Oman? USA und Iran reagieren mit Schuldzuweisungen. Berlin spricht von einer "Gefährdung des Friedens".

Norwegischer Öltanker: Das Feuer ist mittlerweile gelöscht
DPA/ Frontline Ltd/ ntb

Norwegischer Öltanker: Das Feuer ist mittlerweile gelöscht


Nach dem mutmaßlichen Angriff auf zwei Öltanker im Golf von Oman hat sich nun die Bundesregierung zu Wort gemeldet. Die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer sprach in Berlin von "außerordentlich besorgniserregenden Nachrichten". Jede Entwicklung müsse vermieden werden, die die ohnehin angespannte Lage in der Region weiter zuspitze: "Wir dürfen auf keinen Fall in eine Eskalationsspirale hineingeraten."

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes ergänzte: "Jeder Angriff auf Schiffe stellt eine Gefahr für die internationale Schifffahrt dar und auch eine Gefährdung des Friedens."

Am Vortag waren ein von einem deutschen Unternehmen gemanagter japanischer Frachter sowie ein Schiff einer norwegischen Reederei angegriffen worden. Die USA machen Iran dafür verantwortlich, was Teheran jedoch bestreitet. Demmer mahnte eine zügige Aufklärung an. Dazu stehe Deutschland mit allen internationalen Partnern im Kontakt.

Den Angaben zufolge hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bereits am Freitagmorgen mit seinem französischen Amtskollegen Jean-Yves Le Drian telefoniert. Auch mit Washington gebe es einen engen Austausch.

Video: Aufnahmen sollen iranischen Angriff beweisen

Courtesy U.S. Military/REUTERS

Die USA wollen eine iranische Beteiligung mit einem Video belegen. Darin soll zu sehen sein, wie iranische Revolutionsgarden einen nicht explodierten Sprengsatz von der Außenwand eines Tankers entfernen.

Die japanische Firma Kokuka Sangyo erklärte nun erstmals, was die Besatzungsmitglieder ihres Schiffes "Kokuka Courageous" beobachtet haben wollen. Demnach wurde der mit Methanol beladene Tanker zweimal im Abstand von drei Stunden von einer Explosion erschüttert. Danach habe die 21-köpfige Besatzung das Schiff verlassen, sie wurde von dem in der Nähe befindlichen US-Zerstörer "USS Bainbridge" aufgenommen.

Die Besatzungsmitglieder hätten vor der Explosion "fliegende Objekte" gesehen, sagte der Präsident der Firma Kokuka Sangyo bei einer Pressekonferenz in Tokio.

Mittlerweile ist die Crew auf die "Kokuka Courageous" zurückgekehrt. Nun soll das Schiff, das von der deutschen Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) betrieben wird, in den Hafen Khor Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emiraten geschleppt werden. Es bestehe keine Gefahr des Sinkens, auch Ladung verliere die "Kokuka Courageous" nicht, erklärte BSM.

In einer ersten Reaktion auf die Vorhaltungen der USA nannte Irans Außenministerium den Verdacht "zwar lächerlich, gleichzeitig aber auch besorgniserregend und gefährlich". Irans Präsident Hassan Rohani sagte im kirgisischen Bischkek, das Handeln der USA sei eine ernste Bedrohung für die Stabilität im Nahen Osten.

Der Auswärtige Dienst der EU schließt sich den US-amerikanischen Schuldzuweisungen gegen Iran vorerst nicht an. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein ranghoher EU-Beamter. Die Uno-Vetomacht China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf. "Wir alle wollen keinen Krieg in der Golfregion", sagte Außenamtssprecher Geng Shuang. China sei besorgt über die jüngsten Spannungen im Nahen Osten. Alle Parteien sollten ihre Differenzen durch Dialog lösen und Frieden und Stabilität sichern.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte ebenfalls vor übereilten Reaktionen. Die Vorfälle seien wirklich sehr besorgniserregend, aber man dürfe nicht hastig reagieren, sagte er in einem von CNN Türk übertragenen Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu: "Das muss ernsthaft untersucht werden." Zu den Vorwürfen der USA in Richtung Iran sagte er: "Wir denken, dass es keinen Zweck hat, das auf die Schnelle einem einzigen Land anzulasten."

Das zweite attackierte Schiff, die "Front Altair", fährt unter der Flagge der Marshallinseln, gehört aber zur Flotte der norwegischen Reederei Frontline. Das Schiff ist beladen mit 75.000 Tonnen Naphtha, einem raffinierten Erdöl. Der Tanker war auf dem Weg von Abu Dhabi nach Kaohsiung in Taiwan. An Bord befanden sich 23 Besatzungsmitglieder.

Inzwischen ist das Feuer auf dem norwegischen Öltanker gelöscht worden. Nach Angaben der Reederei liege das Schiff stabil, bislang sei keine Verschmutzung des Wassers festgestellt worden. Im Laufe des Tages werde ein Bergungsschlepper erwartet.

kev/dpa

insgesamt 3 Beiträge
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querdeutsch 14.06.2019
1. Mit Verlaub
wen interessiert die Warnung aus Berlin? Deutschland ist weltpolitisch nur bedeutend, wenn Milliarden überwiesen werden. Über Maas lachen die anderen Länder, wie zuletzt im Iran.
tzoumaz 14.06.2019
2. Heiko Heiße Luft
wenn die Sonne der Kultur niedrig steht werfen selbst Zwerge einen Schatten. Ob Heiko Maas mit dem französischen Außenminister telefoniert oder in Iran fällt ein Sack Pistazien um, der Effekt ist der Gleiche. Wann begreift Deutschland endlich, das es außenpolitisch zu einer Null-Nummer verkommen ist. Was sind wir denn außer reich: wirtschaftlich abhängig, militärisch abhängig und außenpolitisch sitzt man immer am Katzentisch. Frau Merkel hat es verdaddelt. Die Armee in einem desolatem Zustand, europäisches Armeeprojekt in Agonie und ohne die Brite sinnlos. Trump sucht Gründe für einen Krieg mit Iran um von seinen innenpolitischen Problemen abzulenken und macht Heiko Maas zu seinem Erfüllungsgehilfen. Ihm dauert die Wirkung des Wirtschaftsembargos zu lange. Und deshalb sucht er Verbündete. Kann man es so drehen, das indirekt die Nato angriffen wird? Aber wie? Mit Fake-Videos ? Wir sollten hoffen, das uns nicht der ganze Nahe Osten um die Ohren fliegt.
f*ck for forest 15.06.2019
3. Maas
Maas soll dahin gehen und die Iraner Fragen, wie stabil die militärischen Strukturen sind. Ein zersetztes Militär kann auch mal "unfälle" hervorbringen. Dann wird ein Sperrvertrag angeboten, wegen inkompetenz(vermutlich durch sabotage - aber das ist ja egal) Und irgendein "unterstützungsprogramm" z.b. beim thema "diplomatie" + "zusammenarbeit in einem aufbau eines institutes für konfliktforschung..." oder irgendwie son zeug ..muss in erster linie was symbolisches für ---"entspannung"--- sein- muss nichts großes sein und möglichst wirtschaftsneutral. Sozialforschung ist auch gut.
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