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Brennende Tanker im Golf von Oman Angriff bei voller Fahrt

Binnen weniger Wochen sind zum zweiten Mal Tanker vor der iranischen Küste attackiert worden. Was ist bisher über die Angriffe im Golf von Oman bekannt? Der Überblick.

Am Donnerstagmorgen gingen bei der in Bahrain stationierten Fünften Flotte der US-Marine zwei Notrufe ein. Zuerst meldete sich um 6.12 Uhr Ortszeit der Tanker "Front Altair". Um 7 Uhr signalisierte der Tanker "Kokuka Courageous" ein Problem. Auf beiden Schiffen ereigneten sich Explosionen, ausgelöst durch Angriffe von außen. Zum Zeitpunkt der Detonationen befanden sich beide Schiffe ungefähr 50 Kilometer voneinander entfernt im Golf von Oman - in internationalen Gewässern zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Iran.

Die "Front Altair" fährt unter der Flagge der Marshallinseln, gehört aber zur Flotte der norwegischen Reederei Frontline. Das Schiff ist beladen mit 75.000 Tonnen Naphtha, einem raffinierten Erdöl. Der Tanker war auf dem Weg von Abu Dhabi nach Kaohsiung in Taiwan. An Bord befanden sich 23 Besatzungsmitglieder. Das Schiff "Hyundai Dubai", das in der Nähe war, nahm sie an Bord und brachte sie in Sicherheit. Inzwischen befindet sich die Besatzung - elf Russen, elf Filipinos und ein Georgier - im iranischen Hafen Bandar Abbas.

Die "Kokuka Courageous" fährt unter der Flagge Panamas und gehört zur Flotte der deutschen Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM). Das Schiff ist mit Methanol beladen. Der Tanker war auf dem Weg von Dschubail in Saudi-Arabien nach Singapur. An Bord befanden sich 21 Besatzungsmitglieder, die vom Schiff "Coastal Ace" gerettet wurden.

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Die Reedereien beider Schiffe versichern, keine Ladung sei aus den havarierten Schiffen ausgetreten. Daher seien keine Umweltschäden zu befürchten.

Bislang ist unklar, womit die Schiffe angegriffen wurden. Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg meldet unter Berufung auf eine Person, die Funksprüche im Golf von Oman abgehört haben will, ein Torpedo habe die "Front Altair" getroffen.

Die Explosion am Rumpf der "Kokuka Courageous" ereignete sich nach Angaben der Reederei oberhalb der Wasserlinie. Das lässt einen Torpedo-Angriff in diesem Fall unwahrscheinlich erscheinen. Die Detonation ereignete sich auf der Steuerbordseite. Sie zeigte zu dem Zeitpunkt nicht zur iranischen Küste, sondern in Richtung der internationalen Gewässer.

Es ist der zweite Angriff auf Handelsschiffe in der Region binnen wenigen Wochen. Am 12. Mai hatten drei Tanker und ein weiteres Schiff im Golf von Oman Havarien gemeldet. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sprachen von Sabotageangriffen. In einer gemeinsamen Erklärung der VAE, Saudi-Arabiens und Norwegens an den Uno-Sicherheitsrats war die Rede von Seeminen, die die Explosionen ausgelöst haben sollen. Diese seien höchstwahrscheinlich von Tauchern an den Schiffsrümpfen angebracht worden. Die Erklärung nannte keinen Verdächtigen für die Angriffe.

Angriffe in politisch angespannter Lage

Im Unterschied zu den Attacken vom vergangenen Monat ereigneten sich die aktuellen Angriffe in internationalen Gewässern. Und anders als im Mai wurden diesmal keine Schiffe attackiert, die vor Anker lagen, sondern Tanker in voller Fahrt.

Bislang hat sich niemand zu den Angriffen vom 12. Mai und den Anschlägen vom 13. Juni bekannt. Die Taten fallen in eine Zeit größter Spannungen zwischen Iran auf der einen sowie den USA und den arabischen Golfstaaten auf der anderen Seite. John Bolton, Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, hatte Iran nach den ersten Vorfällen im Mai beschuldigt, hinter den Sabotageakten zu stecken. Das Regime in Teheran wies diese Anschuldigungen zurück und bezeichnete Bolton als Kriegstreiber.

Auch jetzt beeilt sich Iran, jede Verantwortung von sich zu weisen. Außenminister Mohammad Javad Zarif verwies darauf, dass sich die Angriffe genau während der Gespräche zwischen Japans Premierminister Shinzo Abe und Irans Oberstem Führer Ali Khamenei ereigneten. Abe bemühte sich um Vermittlung im Konflikt zwischen Washington und Teheran.

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Das iranische Regime hatte in den vergangenen Jahren mehrfach mit einer Blockade der Straße von Hormus gedroht, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet und durch die rund ein Viertel des weltweiten Ölbedarfs transportiert wird. Schiffsversicherer bewerten die Durchfahrt dieses Seegebiets schon jetzt als so riskant wie zuletzt 2005. Während des sogenannten Tankerkriegs während des Ersten Golfkriegs in den Achtzigerjahren wurden insgesamt mehr als 450 Angriffe auf Handelsschiffe in der Region registriert. Schließlich sah sich die US-Armee gezwungen, eine 14-monatige Militäroperation zu starten, um Öltanker vor iranischen Angriffen zu schützen.

Heute würde eine vergleichbare Operation die Kosten von Trumps Iran-Politik drastisch in die Höhe treiben.