Goodbye-Tour Bush trinkt Abschiedstee mit der Queen

Letzte Station der Europa-Abschiedstournee: US-Präsident George W. Bush ist in London eingetroffen und hat sich zum Tee mit der britischen Queen zurückgezogen. Am Montag stehen politische Gespräche mit Premierminister Brown auf dem kurzen Programm.


London - Hier ein Händeschütteln, dort ein Teechen in Ehren: Am Sonntag hat der US-Präsident seinen letzten offiziellen Besuch in London angetreten. Am frühen Sonntagnachmittag ist George W. Bush zusammen mit seiner Frau Laura auf dem Flughafen Heathrow gelandet. Mit einem Helikopter flog er weiter zum Schloss Windsor im Südwesten der britischen Hauptstadt, wo er mit Königin Elizabeth II. zum traditionellen "Afternoon Tea" zusammenkam. Für die Privataudienz mit der Queen wird im Gegensatz zu offiziellen Staatsbesuchen keine prächtige Zeremonie abgehalten.

Am Abend ist ein Dinner mit dem britischen Premierminister Gordon Brown und dessen Frau Sarah geplant. Am Montag treffen die beiden Männer zu politischen Gesprächen zusammen. Dabei wird es unter anderem auch um die Politik im Irak, in Iran und die Weltwirtschaft gehen.

Zuvor hatte die britische Zeitung "The Observer" nach einem Interview mit Bush gemeldet, der US-Präsident dränge Brown, von einem Zeitplan für den Abzug der britischen Truppen aus dem Irak Abstand zu nehmen. Das Blatt zitierte Bush mit den Worten, einen solchen Zeitplan dürfe es nicht geben. Das Weiße Haus wies den Bericht zurück: "Die Vorstellung, dass Bush Premierminister Brown warnt, ist lächerlich", sagte ein ranghoher US-Regierungsvertreter am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Medien hatten berichtet, Brown könne den kompletten Abzug bis Ende des Jahres bekanntgeben. Auch Downing Street wies das zurück.

Angebot für Verzicht Irans auf Urananreicherung

Bereits am Samstag hatte Bush in Paris "good bye" gesagt und Frankreich als "ersten Freund Amerikas" bezeichnet. Die internationale Besorgnis über das iranische Atomprogramm hatte seinen Besuch in Paris beherrscht. Ein nuklear bewaffneter Iran wäre eine Bedrohung für den Weltfrieden, sagte Bush. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy erklärte, ein Iran mit Atomwaffen wäre "völlig inakzeptabel". Die einzige Lösung seien lückenlose Sanktionen gegen Teheran. Zugleich sagte Sarkozy, das iranische Volk verdiene Besseres "als die Sackgasse", in die die Verantwortlichen es führten.

Ein neues Paket mit Anreizen für einen Verzicht auf die weitere Urananreicherung hatte EU-Chefdiplomat Javier Solana am Samstag in Teheran vorgelegt. Erste Reaktionen ließen auf eine Zurückweisung der Initiative schließen, was beim Treffen der beiden Präsidenten in Paris für Enttäuschung sorgte. Mit einer Ablehnung treibe die iranische Führung ihr Volk weiter in die Isolation, sagte Bush auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Sarkozy in Paris. Bush äußerte sich enttäuscht darüber, dass die Führung in Teheran das "großzügige Angebot" ohne weitere Prüfung zurückgewiesen habe.

Am Sonntag kamen jedoch vereinzelt versöhnlichere Zeichen aus Teheran. Der einflussreiche Parlamentspräsident und frühere Atom-Unterhändler Ali Laridschani sagte, das Parlament werde das Paket sorgfältig prüfen. Berater des geistlichen Führers Ajatollah Ali Chamenei wiesen das Paket allerdings als "leer" zurück. Es sei ein Erpressungsversuch.

Am Montag wollen Bush und Brown Nordirland besuchen, die letzte Station auf Bushs einwöchiger Abschiedsreise durch Europa. Er besuchte bereits Slowenien, Deutschland und Italien. Im Vatikan wurde Bush von Papst Benedikt XVI. empfangen.

abl/AP/AFP/dpa



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