Gore Mit "Visionen und Werten" ins Weiße Haus?

Al Gore ist durch seine Nominierung auf dem Wahlkongress jetzt auch offiziell Kandidat der Demokraten für die US-Präsidentschaftswahlen am 7. November. Als Mann von "Visionen und Werten" soll er ins Weiße Haus einziehen.


Will Bill Clintons Nachfolge antreten: Al Gore
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Will Bill Clintons Nachfolge antreten: Al Gore

Los Angeles - Als Gore nominiert wurde, brachen die mehr als 4300 Delegierten aller 50 Staaten zu den Klängen von Techno-Beats in Jubel aus. Gores Vize-Kandidat Joseph Lieberman hatte zuvor in seiner umjubelten Antrittsrede versprochen, er werde "sein Letztes" für einen Sieg Gores bei der US-Wahl geben. Der 58-jährige Senator ist der erste jüdische Politiker in der Geschichte der USA, der für das Amt des Vize-Präsidenten nominiert worden ist. Lieberman selbst zeigte sich glücklich und stolz über Gores Entscheidung für ihn, die er als "mutig" bezeichnete.

Bei der Wahl am 7. November tritt Gore gegen den Republikaner George Bush an. Bei der Nominierung auf dem Kongress war es der Staat Florida, der Gore über die magische Grenze der 2170 erforderlichen Stimmen brachte. In Florida ist Bushs jüngerer Bruder Jeb Gouverneur. Gore wurde auf dem Parteitag unter anderem von seiner Tochter Karenna Gore Schiff und dem Schauspieler Tommy Lee Jones, einem alten Studienfreund, offiziell als Spitzenkandidat vorgeschlagen.

Die Zeit sei gekommen, noch verbliebene "Mauern der Diskriminierung" in den USA auf Grund von Rasse, Geschlecht oder sexueller Orientierung einzureißen, sagte Lieberman in seiner mit Spannung erwarteten Rede. Gore sei der richtige Mann dazu, rief der Senator aus, dessen Frau Hadassah die Tochter von Holocaust-Überlebenden ist. Lieberman versprach, im Fall eines Wahlsieges mit Gore zusammen den Umweltschutz zu verbessern, Familien mittleren Einkommens durch Steuererleichterungen zu entlasten, öffentliche Schulen zu fördern und die Gesundheitsversorgung für die alten Menschen zu verbessern.

Ausdrücklich sprach er sich dafür aus, die Minderheitenförderung etwa in Form liberalerer Zulassungsbestimmungen an Universitäten beizubehalten, diese Regelung aber zu reformieren. Frühere kritische Äußerungen Liebermans über die bisherige Form der Förderung hatten bei afroamerikanischen Demokraten Skepsis über die Eignung des Senatoren als Vize ausgelöst.

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Lieberman würdigte in seiner wiederholt mit Humor gewürzten Rede Gore als Mann der Vision, Werte, der Integrität und des Mutes. Deshalb und wegen seiner Ehrlichkeit und seines Charakters müsse er der nächste US-Präsident werden. Beobachter werteten den ausdrücklichen Hinweis auf den Charakter als Versuch, Gore von Präsident Bill Clinton abzugrenzen. In demokratischen Kreisen war befürchtet worden, die Lewinsky-Affäre könne dem derzeitigen Vize im Wahlkampf schaden.

Die 27-jährige Karenna beschrieb in ihrer Nominierungsrede Al Gore als liebevollen Vater. Die Wahl zum Präsidenten verdiene er aber nicht deshalb, sondern weil er im Weißen Haus Gutes für alle amerikanischen Kinder tun werde.



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