Gore zieht weiße Fahne George W. Bush wird Präsident

Über fünf Wochen lang stritten Politiker und Richter. Nun ist George W. Bush am Ziel: Der Republikaner wird 43. Präsident der USA. Sein Rivale Al Gore gestand in seiner bisher besten Rede die Niederlage ein.


Der Sieger: George W. Bush
AFP

Der Sieger: George W. Bush

Bush berichtete, Gore habe ihm telefonisch "ehrenvoll" zum Sieg gratuliert. In einer Ansprache im Parlamentsaal der texanischen Hauptstadt dankte er allen, die ihm geholfen hätten. Beide Politiker hätten vereinbart, sich Anfang der kommenden Woche in Washington zu treffen, um nach dem langen Wahlkampf gemeinsam an der Versöhnung der beiden Lager zu arbeiten. Die Republikaner wollten das Beste für die Nation, und das wollten die Demokraten auch, sagte Bush in seiner Rede am Mittwoch um 22 Uhr (4 Uhr MEZ). Es sei nun an der Zeit, die Differenzen beizulegen.

Der künftige Präsident zeigte sich zuversichtlich, dass er den Umgangston in Washington ändern könne und es damit möglich sei, den Parteienstreit zu überwinden. Er sei nicht gewählt worden, um einer einzelnen Partei zu dienen, sondern der Nation. "Ich werde daran arbeiten, Ihren Respekt zu verdienen", versprach Bush den Bürgern.

Zusammenarbeit angekündigt

Als einige seiner Ziele nannte er eine Verbesserung der Schulen, die Sicherung des Sozialsystems und eine verbesserte Gesundheitsfürsorge sowie haushaltspolitisch zu vereinbarende Steuererleichterungen. Dabei werde er mit den Demokraten zusammenarbeiten.

Vizepräsident Gore hatte eine Stunde zuvor offiziell aufgegeben. In einer Fernsehansprache erklärte Gore, "die Schlacht endet heute Nacht." Zugleich rief er in seiner mit Spannung erwarteten Rede Demokraten und Republikaner zur Versöhnung und Zusammenarbeit auf. "Ich rufe alle auf, sich jetzt hinter unserem nächsten Präsidenten zu einen", sagte Gore.

Gore betonte, er stimme zwar mit dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA über die Handzählungen absolut nicht überein, "aber ich akzeptiere es". Er rief seine Anhänger auf, seinem Beispiel zu folgen und den neuen Präsidenten zu unterstützen. Er wünschte Bush für seine Amtszeit das Beste.

Der Verlierer: Al Gore
AP

Der Verlierer: Al Gore

Der Vizepräsident verwies darauf, dass der lange Streit um die Präsidentschaft auch im Ausland aufmerksam verfolgt worden sei. Man solle den Streit nicht als ein Zeichen amerikanischer Schwäche werten. Es habe sich im Gegenteil die Stärke der Demokratie bewiesen. Er wisse noch nicht genau, was er nun machen werde, sagte Gore. Sein einziges Bedauern sei, dass er nun nicht für die Belange der Amerikaner kämpfen werde.

In der Nacht zum Mittwoch hatte der Oberste Gerichtshof in Washington dem juristischen Kampf für manuelle Stimmennachzählungen in Florida endgültig einen Riegel vorgeschoben. Damit war Gore die letzte Chance genommen worden, seinen in Florida knapp vorn liegenden Rivalen doch noch zu überrunden.



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