Gouverneur Schwarzenegger "Ich werde euch nicht hängen lassen"

Der neue Gouverneur von Kalifornien heißt Arnold Schwarzenegger. Nach aktuellen Hochrechnungen hat sich der "Terminator" klar gegen die übrigen 134 Kandidaten durchgesetzt. Der abgewählte Demokrat Davis gratulierte ihm bereits zum Sieg.


 Gouverneur Schwarzenegger: Glückwünsche vom Gegner
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Gouverneur Schwarzenegger: Glückwünsche vom Gegner

Los Angeles - Nach den jüngsten Hochrechnungen stimmten 55 Prozent der Wähler in Kalifornien für den so genannten Recall - also die Abwahl des amtierenden Gouverneurs Gray Davis von den Demokraten. Das berichtet die "Los Angeles Times". Für den Republikaner Arnold Schwarzenegger votierten nach Auszählung der Hälfte aller Stimmbezirke 48,8 Prozent - für den bisherigen Vize-Gouverneur Cruz Bustmante 31,7 Prozent. Für den drittbesten Kandidaten, den Republikaner Tom McClintock stimmten 13,3 Prozent der Wähler.

Davis ist seit 80 Jahren der erste US-Gouverneur, der vor Ablauf seiner Amtszeit von den Wählern abberufen wird. Der Demokrat war erst im November vergangenen Jahres für seine zweite Amtszeit wieder gewählt worden.

Vor allem das enorme Haushaltsdefizit und die Energiekrise mit vielfachen Unterbrechungen in der Stromversorgung Kaliforniens wurde ihm zum Verhängnis. Die Republikaner setzten das Verfahren zur Abberufung des Gouverneurs in Gang.

In einer ersten Reaktion versprach Schwarzenegger den Menschen, "das Vertrauen in die Regierung wieder herzustellen". Vor jubelnden Anhängern in seinem Wahlkampfhauptquartier in Los Angeles versicherte der Filmschauspieler, dass er die Menschen in Kalifornien nicht enttäuschen und nicht im Stich lassen werde. "Ich werde euch nicht hängen lassen", rief der in Österreich geborene Schauspieler und Befürworter der Todesstrafe seinen Unterstützern zu. Er werde für neue Arbeitsplätze und das Vertrauen der Wirtschaft kämpfen.

Die Wahl-Beteiligung lag nach ersten Schätzungen der Behörden bei 60 Prozent. Das wäre die höchste Beteiligung bei einer Gouverneurswahl in Kalifornien seit 1982, als 70 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben.

Während die Anhänger Schwarzeneggers noch auf den Wahlsieg anstießen, begann in den kalifornischen Medien das Rätselraten, wen man da überhaupt zum Gouverneur gewählt habe. Einerseits habe man nie mehr über einen Kandidaten gewusst, man habe Arnold nackt auf der Leinwand gesehen, man kenne seine Frau und seine Body-Building-Titel schrieb die "Los Angeles Times".

Doch gleichzeitig habe man nie so wenig über einen zukünftigen Gouverneur gewusst: Man kenne sein Programm kaum, wisse nicht, wie er ein Amt ausübe, wie er das Budget verwalte und mit dem Verwaltungsapparat klar komme.

Auch über den wahren Charakter des "Conan, der Barbar"-Darstellers macht man sich in Kalifornien Gedanken. Welcher Arnie ist der Richtige, fragt sich die "Los Angeles Times": Der starke Muskelprotz, der hart arbeitenden Einwanderer, der erfolgreiche Geschäftsmann, der Filmstar, der Bauernsohn, der die Probleme der kalifornischen Farmer versteht?

Egal, welcher Arnold sich durchsetzt: Seine Fans und Wähler glauben, dass der "Terminator" der bessere Gouverneur ist. Seine Unterstützer führen an, dass Schwarzenegger noch jedes Ziel erreicht habe, dass er sich gesetzt hat. Dass er sich auf dem Terrain der Politik sicher zu bewegen wisse, habe er bewiesen, als er den Vorwürfen der sexuellen Belästigung, die im Vorfeld der Wahl aufgekommen waren, standgehalten habe.

Der Schauspieler war wenige Tage vor der Wahl unter Druck geraten, als ihm 15 Frauen vorgeworfen hatten, sie sexuell belästigt zu haben. Schwarzenegger hatte die Anschuldigungen als schmutzige Kampagne seiner Gegner bezeichnet. Zugleich hatte er sich dafür entschuldigt einige Frauen früher schlecht behandelt zu haben - dies tue ihm heute leid, hatte Schwarzenegger gesagt. Zum Abschluss seines Wahlkampfs war Schwarzenegger bei einem Auftritt in San Jose daraufhin demonstrativ von Dutzenden Anhängerinnen flankiert worden. Auch seine Frau Maria Shriver stand an seiner Seite. Lächelnd verkündete Schwarzenegger: "Allen unglaublichen Frauen: Danke!" Kalifornien ist politisch von großer Bedeutung in den USA. Der Staat stellt 55 Wahlmänner. Dies sind fast ein Fünftel der notwendigen Stimmen, um die Präsidentenwahl im kommenden Jahr zu gewinnen.



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