Grausame Kolonialherrschaft Japan entschuldigt sich bei Südkorea

Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan hat sich entschuldigt - für die Herrschaft seines Landes über die koreanische Halbinsel von 1910 bis 1945. Viele Koreaner wurden damals zum Kriegsdienst oder zur Prostitution gezwungen. Er empfinde "tiefe Reue", sagte Kan.

Demonstranten in Südkorea fordern Wiedergutmachung: "Tiefe Reue"
AP

Demonstranten in Südkorea fordern Wiedergutmachung: "Tiefe Reue"


Tokio - Es ist ein später, aber wichtiger Schritt: Japans Ministerpräsident Naoto Kan hat sich bei Südkorea für die Kolonialherrschaft seines Landes über die koreanische Halbinsel von 1910 bis 1945 entschuldigt. 100 Jahre nach der Annektierung des Gebietes zeigte sich Kan in einer am Dienstag in Tokio verbreiteten Erklärung betroffen über das Leid, das dadurch über die Menschen in Korea gebracht worden sei. "Die Seite, die den Schmerz zugefügt hat, kann leicht vergessen, jene, die gelitten haben, können das nicht", sagte der Regierungschef. Er empfinde "tiefe Reue".

Zugleich kündigte er die Rückgabe von Kulturgütern "in naher Zukunft an". Südkorea hatte entsprechende Forderungen gestellt. Dort wird die Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft am 15. August gefeiert. Während der japanischen Herrschaft auf der koreanischen Halbinsel von 1910 bis 1945 wurden viele Koreaner zum Kriegsdienst oder zur Prostitution gezwungen.

Japans Herrschaft über Korea wurde erst mit Ende des Zweiten Weltkrieges im August 1945 mit der Kapitulation Tokios beendet. Die koreanische Halbinsel wurde dann in zwei Länder geteilt: das kommunistische Nordkorea und das marktwirtschaftliche Südkorea. Japan und Südkorea normalisierten ihre Beziehungen 1965.

Japan biete Südkorea die "von Herzen kommende Entschuldigung für den enormen Schaden und das Leid" unter der Kolonialherrschaft seines Landes an, sagte Kan. Er hoffe, dass die Beziehungen zwischen beiden Ländern an diesem historischen Punkt tiefer und stärker werden.

Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, die südkoreanische Regierung habe die Erklärung Kans begrüßt. Sie zeige "die Entschlossenheit der japanischen Regierung, die unglückliche Vergangenheit zwischen Südkorea und Japan zu überwinden und glänzende südkoreanisch-japanische Beziehungen für die Zukunft zu gestalten", teilte das Außenministerium in Seoul mit.

Kgp/dpa/apn/Reuters



insgesamt 19 Beiträge
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Rainer Daeschler, 10.08.2010
1. Entschuldigung
Das war der "Kniefall von Warschau" von Willy Brandt am 7. Dezember 1970 auf japanisch.
takeo_ischi 10.08.2010
2. .
Zitat von sysopDer japanische Ministerpräsident Naoto Kan hat sich entschuldigt - für die Herrschaft seines Landes über die koreanische Halbinsel von 1910 bis 1945. Viele Koreaner wurden damals zum Kriegsdienst oder zur Prostitution gezwungen. Er empfinde "tiefe Reue", sagte Kan. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,710995,00.html
Eine lange erwartete und wichtige Geste.
lmike, 10.08.2010
3. Da fehlt noch etwas...
Zitat von Rainer DaeschlerDas war der "Kniefall von Warschau" von Willy Brandt am 7. Dezember 1970 auf japanisch.
Brandt entschuldigte sich damals bei einer gesamten Nation. Hat sich Naoto Kan heute auch bei den Menschen im Norden Koreas entschuldigt? Diese leiden m. E. immer noch an den Folgen der japanischen Besatzung. (Die Herrschaft der Kim-Familie im Norden ist für mich eine Folge der japanischen Besetzung)
SchneiderG 10.08.2010
4. .
Zitat von Rainer DaeschlerDas war der "Kniefall von Warschau" von Willy Brandt am 7. Dezember 1970 auf japanisch.
Bin gespannt wie lange es dauert bis China zetert.
jupiter999 10.08.2010
5. Na bitte
Na bitte, es geht ja auf einmal doch.
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