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Grenze zu Syrien Viele Tote und Verletzte bei Anschlag in Türkei

Schwerer Zwischenfall an der Grenze zwischen der Türkei und Syrien: In der Stadt Reyhanli sind laut türkischem Innenministerium mehrere Autobomben detoniert. Nach offiziellen Angaben wurden bei dem Anschlag mindestens 40 Menschen getötet.

Istanbul/Berlin - Bei mehreren Explosionen sind in der türkischen Stadt Reyhanli mindestens 40 Menschen getötet und mehr als hundert weitere verletzt worden. In der Nähe der Kommunalverwaltung und des Postamts seien um 13.55 Uhr Ortszeit zwei Autobomben detoniert, sagte der türkische Innenminister Muammer Güler. Mehrere Gebäude in der 60.000-Einwohner-Stadt seien schwer beschädigt worden.

"Viele Opfer sind schwer verletzt und wir müssen fürchten, dass die Zahl der Toten weiter steigen wird", sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Nachmittag im türkischen Fernsehen. Der Anschlag könne in Zusammenhang mit dem Konflikt in Syrien oder dem Friedensprozess mit der kurdischen PKK stehen, so der Regierungschef.

Augenzeugen sprachen in türkischen Medien sogar von drei oder vier Explosionen, die sich am Nachmittag in dem Ort ereigneten. In weiten Teilen der Stadt sei der Strom ausgefallen. Viele Menschen hätten den Ort in Panik verlassen.

Reyhanli liegt in der Nähe des Grenzübergangs Cilvegözü, über den viele Flüchtlinge aus Syrien in die Türkei kommen. In der Stadt selbst haben sich in den vergangenen Monaten Tausende syrische Flüchtlinge niedergelassen. Nach dem Anschlag am Samstag sollen aufgebrachte Anwohner in Reyhanli Flüchtlinge aus Syrien attackiert und mehrere Autos mit syrischen Kennzeichen demoliert haben.

Türkischer Außenminister spricht von "Akt der Provokation"

Die Grenzregion zwischen beiden Ländern ist im Zuge des syrischen Bürgerkriegs immer wieder zum Schauplatz von Angriffen geworden. Im Oktober vergangenen Jahres starben in dem türkischen Grenzort Akçakale fünf Zivilisten durch syrischen Artilleriebeschuss. Im Februar waren bei einem Autobombenanschlag auf den Grenzposten Cilvegözü 17 Menschen getötet und 30 weitere verletzt worden. Ankara machte den syrischen Geheimdienst für das Attentat verantwortlich.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu nannte den Anschlag vom Samstag einen "Akt der Provokation". "Es scheint Kräfte zu geben, die den Frieden in der Türkei sabotieren wollen", sagte der Politiker am Rande eines Besuchs in Berlin. Es sei kein Zufall, dass sich der Anschlag in dem Moment ereigne, da sich die diplomatischen Bemühungen für eine Lösung des Syrien-Konflikts verstärkten, so Davutoglu. Zugleich warnte er davor "die Macht der Türkei" zu testen. "Unsere Sicherheitskräfte werden alle nötigen Maßnahmen treffen."

syd/mbe/Reuters/AP/dpa
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