Grenze zur Türkei Syrisches Militär schießt auf Flüchtlinge

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei ist offenbar leicht zurückgegangen, Hunderte kehrten trotz anhaltend blutiger Proteste in ihre Heimat zurück. Dennoch bleibt die Situation angespannt: Soldaten schießen auf Flüchtige, und Assad-Mitarbeiter sollen die Lager infiltriert haben.

Demonstration im Flüchtlingscamp vorige Woche: Die Stimmung ist angespannt
AP

Demonstration im Flüchtlingscamp vorige Woche: Die Stimmung ist angespannt


Damaskus/Beirut/Istanbul - An der syrisch-türkischen Grenze demonstriert Syriens Staatschef Baschar al-Assad seine Macht: Menschenrechtsaktivisten berichten, die Armee sei am Montagmorgen gewaltsam in verschiedene Dörfer in der Grenzregion Idleb eingedrungen. Auch sollen Soldaten auf eine Gruppe geschossen haben, die in die Türkei fliehen wollte. Mehrere Menschen wurden bei den Militäreinsätzen verletzt - mehreren Dutzend Syrern sei die Flucht gelungen.

Auf der anderen Seite der Grenze ist die Lage jedoch ebenfalls angespannt, die Unruhe wächst. Einige der in die Türkei geflohenen Syrer riefen am Montag zu einem Hungerstreik auf, um eine bessere Versorgung zu erreichen. Die türkischen Behörden, die sich bislang allein um die Flüchtlinge in der Grenzprovinz Hatay kümmern, sollten auch anderen Hilfsorganisationen Zugang zu den Lagern verschaffen. Einer der Organisatoren des Hungerstreiks sprach zudem von wachsendem Druck zur Rückkehr "von innen und von außen".

Die syrischen Flüchtlinge hatten sich in den Grenzregionen vor den Sicherheitskräften des Staatschefs Baschar al-Assad in Sicherheit bringen wollen. Wie jetzt ein syrischer Helfer in der Türkei erklärte, sei die Lage in den Lagern angespannt, weil sich in den vergangenen zwei Wochen etliche Mitarbeiter des syrischen Geheimdienstes unter die Flüchtlinge gemischt hätten. Diese stifteten Unruhe und gäben Informationen nach Damaskus weiter.

Nach seinen Informationen seien seit Beginn der Krise insgesamt rund 4500 Flüchtlinge wieder nach Syrien zurückgekehrt. Offizielle Angaben bestätigen dieses Bild: Die türkische Katastrophenschutzbehörde teilte mit, die Zahl der Flüchtlinge gehe weiter zurück. Am Sonntag und Montag seien rund 400 Menschen wieder nach Syrien gereist. Damit hielten sich noch etwas mehr als 9900 Flüchtlinge in den Aufnahmezentren auf. Ende Juni hatte die Zahl mit rund 11.700 ihren Höchststand erreicht, nachdem syrische Truppen Dörfer an der Grenze gestürmt hatten, wo zahlreiche Vertriebene ausharrten.

Neues Amateurvideo zeigt Gewalt in Syrien

In Syrien sollen unterdessen Sicherheitskräfte bei regierungskritischen Protesten erneut mehrere Demonstranten getötet und verletzt haben. In dem Ort Hadschar Assuad nahe der Hauptstadt Damaskus seien am Sonntagabend zwei Zivilisten erschossen und acht weitere verletzt worden, sagte der Chef der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, Rami Abdel Rahman. Rund um die von der Opposition kontrollierte Stadt Hama seien im Morgengrauen mehr als 20 Menschen von Armee und Sicherheitskräften festgenommen worden, sagte Rahman. In den westlichen Stadtteilen seien Schüsse zu hören gewesen. Nach Angaben eines Einwohners wurde im Nordwesten der Stadt ein zwölf Jahre altes Kind von Sicherheitskräften erschossen.

Dass das Regime in Syrien nach wie vor brutal gegen den Widerstand vorgeht, zeigt auch ein neues Amateurvideo, das der Nachrichtensender al-Dschasira am Montag veröffentlichte. Der Clip, dessen Authentizität der Sender nicht einwandfrei feststellen konnte, zeigt eine auf einem Dach gefilmte Szene. Es sind Schüsse zu hören, die Kamera fängt einen Scharfschützen ein. Der Film endet abrupt - al-Dschasira zufolge, weil derjenige, der das Video drehte, möglicherweise von einer Kugel im Kopf getroffen wurde. Die Aufnahme soll am vergangenen Freitag in der Stadt Homs entstanden sein. Bewohner von Homs hatten an diesem Tag berichtet, Scharfschützen hätten von den Dächern der Häuser geschossen.

can/dpa/dapd/AFP



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Melone 05.07.2011
1. leicht verwirrt
"Soldaten schießen auf Flüchtige" - gibt es dafür Belege? "Menschenrechtsaktivisten berichten" - wer sind diese Leute? Gibt es Namen? Wem haben sie auf welche Art und Weise berichtet? (Interviews? Tonaufzeichnungen? ...) "die Armee sei am Montagmorgen gewaltsam in verschiedene Dörfer in der Grenzregion Idleb eingedrungen" - um welche Dörfer handelt es sich? "Auch sollen Soldaten auf eine Gruppe geschossen haben, die in die Türkei fliehen wollte" - Belege? Waren diese Leute bewaffnet oder unbewaffnet? "Mehrere Menschen wurden bei den Militäreinsätzen verletzt" - wer sind diese "mehreren Menschen" ? Sind darunter auch Sicherheitskräfte? "Einer der Organisatoren des Hungerstreiks" - Wer ist das? Hat er einen Namen? Hama wird von der Opposition kontrolliert? "Dass das Regime in Syrien nach wie vor brutal gegen den Widerstand vorgeht, zeigt auch ein neues Amateurvideo, das der Nachrichtensender al-Dschasira am Montag veröffentlichte" - Wie kann dieses Video ein Beweis sein, wenn im nächsten Satz erklärt wird, dass die Authentizität nicht geklärt ist? Was ist die Botschaft dieses Videos? Dass der Filmer von dem weiter unten stehenden "Scharfschützen" erschossen wurde? Wie ist das mit dem letzten Satz zu vereinbaren, dass Scharfschützen von den Dächern der Häuser geschossen hätten? Hier ist die Konstellation offensichtlich anders herum. Auf welche Art und Weise hat der Scharfschütze den Filmer getroffen, wenn zwar das Bild des Aufnahmegerätes ausfällt, aber nicht der Ton?
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