Granatenbeschuss Neues Gefecht an syrisch-türkischer Grenze

Im Süden der Türkei ist erneut eine syrische Granate eingeschlagen - das türkische Militär feuerte zurück. Der türkische Premier Erdogan hatte Syrien kurz zuvor eindringlich vor einer Eskalation des Konflikts gewarnt.
Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien: "Wir sind nicht weit von einem Krieg entfernt"

Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien: "Wir sind nicht weit von einem Krieg entfernt"

Foto: MURAD SEZER/ REUTERS

Istanbul/Damaskus - Das Nato-Mitglied Türkei ist nach eigenen Angaben zum zweiten Mal binnen weniger Tage unter Beschuss aus Syrien geraten. In der türkischen Provinz Hatay im Süden des Landes schlug eine syrische Granate sein. Das türkische Militär habe das Feuer erwidert, meldeten die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu und die Zeitung "Today's Zaman".

Beide Medien beriefen sich auf den Gouverneur von Hatay, Mehmet Celalettin Lekesiz. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des Dorfes Asagipulluyazi in der Provinz Hatay. Anwohner berichten über einen heftigen Knall. Sie gingen zunächst davon aus, dass es sich um ein Erdbeben handelt. In der Nähe spielende Kinder berichteten jedoch von einem Gegenstand, "der vom Himmel fiel". Die Granate explodierte in einem Olivenhain. Das nächste Haus befand sich nur 100 Meter entfernt. Auf türkischer Seite gab es keine Verletzten, berichtete Anadolu.

Eine syrische Granate hatte am Mittwoch in dem türkischen Grenzort Akcakale fünf Frauen und Kinder getötet. Mindestens zehn weitere Menschen wurden laut türkischen Medienberichten verwundet. Zur Vergeltung beschoss die türkische Artillerie Ziele in Syrien. Bei den Gegenangriffen starben nach Informationen des arabischen Senders Al-Dschasira insgesamt 34 Menschen. Ankara betonte aber später, das Land strebe keinen Krieg an.

Die Vorfälle in der Grenzregion schüren Befürchtungen, dass der zum Bürgerkrieg gewordene Aufstand gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad sich zum regionalen Flächenbrand entwickeln könnte.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warnte Syrien am Freitag vor einem weiterem Beschuss seines Landes. Wer die Abwehrfähigkeit der Türkei testen wolle, mache "einen tödlichen Fehler", sagte der Premier am Freitag bei einer Kundgebung in Istanbul nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Er versicherte: "Wir wollen keinen Krieg, aber wir sind nicht weit davon entfernt." Ihre jetzige Position habe die türkische Nation durch Kriege erreicht.

Der Uno-Sicherheitsrat verurteilte "in schärfsten Worten den Beschuss der türkischen Stadt Akcakale durch die syrischen Streitkräfte". Zuvor hatte das Gremium stundenlang um die Formulierung gerungen.

Russland rief die Regierung in Ankara mit Nachdruck zur Zurückhaltung auf. "Wir hoffen sehr, dass die Türkei nicht mit einseitigen Schritten die Spannungen in der Region weiter anheizt", sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Freitag.

Syrien zog nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen Panzer und anderes militärisches Gerät von der Grenze zur Türkei zurück. Damit wolle Damaskus nach dem tödlichen Zwischenfall am Mittwoch offenbar signalisieren, dass es keine Bedrohung ausüben wolle, verlautete aus diplomatischen Kreisen in Ankara.

heb/Reuters/dapd/dpa
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