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06. Februar 2011, 08:39 Uhr

Grenzstreit

Thailand und Kambodscha einigen sich auf Waffenruhe

Leichte Entspannung zwischen Thailand und Kambodscha: Nach den schweren Feuergefechten am Freitag haben sie eine Waffenruhe vereinbart. Die königstreuen Gelbhemden werfen Thailands Ministerpräsidenten vor, er habe vor Kambodscha kapituliert.

Bangkok - Nach schweren Feuergefechten zwischen Soldaten an der teils umstrittenen Grenze zwischen Thailand und Kambodscha mit mindestens fünf Toten haben sich beide Seiten auf eine Waffenruhe geeinigt. Die Lage sei aber weiter angespannt, sagte ein kambodschanischer General am Samstag. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für den Ausbruch der Kämpfe nahe des Tempels Preah Vihear, den beide Länder für sich beanspruchen.

Bei den Feuergefechten vom Freitag wurden neuen Angaben zufolge mindestens vier Menschen getötet. Nach Angaben des Militärs starben bei den rund zweistündigen Kämpfen auf kambodschanischer Seite zwei Soldaten und ein Zivilist. Nach Regierungsangaben aus Bangkok kam durch Artillerie-Beschuss zudem ein thailändischer Dorfbewohner ums Leben. Bei erneuten Kämpfen in der Nacht zu Samstag starb nach Angaben des Militärs ein thailändischer Soldat. Mehrere Soldaten beider Länder wurden zudem verletzt.

Auf beiden Seiten der Grenze wurden teils ganze Dörfer evakuiert, tausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Es waren die schwersten Gefechte seit mehr als zwei Jahren. Der 900 Jahre alte Tempel Preah Vihear sorgt seit Jahrzehnten für Spannungen zwischen Phnom Penh und Bangkok. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschied 1962, dass die Ruinen von Preah Vihear zu Kambodscha gehören. Der Haupteingang des Tempels liegt aber auf thailändischem Gebiet.

Die Königstreuen werfen Thailands Ministerpräsident Führungsschwäche vor

Im Juli 2008 verschärfte sich die Lage, nachdem die Unesco zum Ärger thailändischer Nationalisten den Tempel als kambodschanisches Gebäude auf die Weltkulturerbe-Liste aufnahm. Wegen des jahrzehntelangen Konflikts gibt es an mehreren Stellen immer wieder Gefechte an der Grenze, deren Verlauf nie vollständig festgelegt wurde. Für die neuerlichen Kämpfe gaben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld und warfen sich "aggressives" Verhalten vor.

Das kambodschanische Außenministerium wandte sich am Samstag schriftlich an den UN-Sicherheitsrat, um dessen "Aufmerksamkeit auf die explosive Lage an der Grenze zu lenken". Die USA und Frankreich riefen beide Seiten zur Zurückhaltung auf.

Thailands Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva verteidigte den Einsatz seines Militärs. Die thailändischen Soldaten hätten auf die Verletzung der "Souveränität" des Landes reagiert, erklärte er am Samstag. Er wird jedoch seit Tagen von den sogenannten Gelbhemden für seinen Umgang mit dem Grenzstreit kritisiert. Rund 5000 Mitglieder der königstreuen Bewegung protestierten am Samstag vor dem Regierungssitz in Bangkok und warfen Abhisit Führungsschwäche vor. Der Regierungschef habe vor Kambodscha "kapituliert", sagte ein Anführer der Bewegung.

bim/AFP

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