Grenzstreit Thailand und Kambodscha einigen sich auf Waffenruhe

Leichte Entspannung zwischen Thailand und Kambodscha: Nach den schweren Feuergefechten am Freitag haben sie eine Waffenruhe vereinbart. Die königstreuen Gelbhemden werfen Thailands Ministerpräsidenten vor, er habe vor Kambodscha kapituliert.

Tempel Prasat Preah Vihear: Im Mittelpunkt des Grenzstreits.
DPA

Tempel Prasat Preah Vihear: Im Mittelpunkt des Grenzstreits.


Bangkok - Nach schweren Feuergefechten zwischen Soldaten an der teils umstrittenen Grenze zwischen Thailand und Kambodscha mit mindestens fünf Toten haben sich beide Seiten auf eine Waffenruhe geeinigt. Die Lage sei aber weiter angespannt, sagte ein kambodschanischer General am Samstag. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für den Ausbruch der Kämpfe nahe des Tempels Preah Vihear, den beide Länder für sich beanspruchen.

Bei den Feuergefechten vom Freitag wurden neuen Angaben zufolge mindestens vier Menschen getötet. Nach Angaben des Militärs starben bei den rund zweistündigen Kämpfen auf kambodschanischer Seite zwei Soldaten und ein Zivilist. Nach Regierungsangaben aus Bangkok kam durch Artillerie-Beschuss zudem ein thailändischer Dorfbewohner ums Leben. Bei erneuten Kämpfen in der Nacht zu Samstag starb nach Angaben des Militärs ein thailändischer Soldat. Mehrere Soldaten beider Länder wurden zudem verletzt.

Auf beiden Seiten der Grenze wurden teils ganze Dörfer evakuiert, tausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Es waren die schwersten Gefechte seit mehr als zwei Jahren. Der 900 Jahre alte Tempel Preah Vihear sorgt seit Jahrzehnten für Spannungen zwischen Phnom Penh und Bangkok. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschied 1962, dass die Ruinen von Preah Vihear zu Kambodscha gehören. Der Haupteingang des Tempels liegt aber auf thailändischem Gebiet.

Die Königstreuen werfen Thailands Ministerpräsident Führungsschwäche vor

Im Juli 2008 verschärfte sich die Lage, nachdem die Unesco zum Ärger thailändischer Nationalisten den Tempel als kambodschanisches Gebäude auf die Weltkulturerbe-Liste aufnahm. Wegen des jahrzehntelangen Konflikts gibt es an mehreren Stellen immer wieder Gefechte an der Grenze, deren Verlauf nie vollständig festgelegt wurde. Für die neuerlichen Kämpfe gaben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld und warfen sich "aggressives" Verhalten vor.

Das kambodschanische Außenministerium wandte sich am Samstag schriftlich an den UN-Sicherheitsrat, um dessen "Aufmerksamkeit auf die explosive Lage an der Grenze zu lenken". Die USA und Frankreich riefen beide Seiten zur Zurückhaltung auf.

Thailands Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva verteidigte den Einsatz seines Militärs. Die thailändischen Soldaten hätten auf die Verletzung der "Souveränität" des Landes reagiert, erklärte er am Samstag. Er wird jedoch seit Tagen von den sogenannten Gelbhemden für seinen Umgang mit dem Grenzstreit kritisiert. Rund 5000 Mitglieder der königstreuen Bewegung protestierten am Samstag vor dem Regierungssitz in Bangkok und warfen Abhisit Führungsschwäche vor. Der Regierungschef habe vor Kambodscha "kapituliert", sagte ein Anführer der Bewegung.

bim/AFP



insgesamt 20 Beiträge
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toledo, 06.02.2011
1. ......
Toll! 9000 Kilometer entfernt urteilt also der Internationale Gerichtshof in Den Haag, dass der Tempel zu Kambodscha gehört, während ein Teil des Gebäudes auf thailändischem Gebiet liegt. Wie geht das?
Mollari, 06.02.2011
2. noch einer
Auch so ein Konflikt den sich die USA auf ihre Fahnen schreiben dürfen. Herzlichen Dank nochmals an den Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger. (DAS war übrigens Sarkasmus)
Hans58 06.02.2011
3. Nie mehr einen Titel...
Zitat von MollariAuch so ein Konflikt den sich die USA auf ihre Fahnen schreiben dürfen. Herzlichen Dank nochmals an den Friedensnobelpreisträger Henry Kissinger. (DAS war übrigens Sarkasmus)
USA? Eher wohl Frankreich im 18. Jahrhundert.
blob123y 06.02.2011
4. Um vielleicht Klarheit zu bringen
es sind die Gelbhemden, das sind Ultrarechte die diesen Konflikt politisch instrumentalisiert haben um sich fuer die kommenden Wahlen zu profilieren. Aller Aerger in den letzten Monaten ging von den Gelbhemden aus. Der gesammte Tempel liegt auf kambodschanischen Territorium nur der ZUGANG zum Tempel kommt von der Thaiseite her. Die Amis haben mit der Sache ueberhaupt nichts zu tun, ich glaub es waren die Franzosen die in den 196x iger Jahren die Landkarte erstellten und BEIDE Laender haben dies anerkannt, nur jetzt versuchen die Gelbhemden Unruhe zu schueren. Es waren uebrigens auch die Gelbhemden die damals den Flugplatz besetzten und tausende Touristen virtuell als Geisel nahmen um die Regierung zu erpressen wie jetzt. Das Problem im Moment ist auch das Thailand praktisch ohne Regierung ist, da die jetzige Politikeranhaeuffung in Bangkok nichts mehr tut ausser Zanken, Infight und Taschen fuellen, dieses Vakuum wird von den Ultrarechten genutzt.
hauser kd 06.02.2011
5. Karte
Zitat von Hans58USA? Eher wohl Frankreich im 18. Jahrhundert.
Hallo Hans58 es handelt sich um eine Karte aus dem Jahr 1907, bei der die Franzosen, absprachewidrig, etwas gemogelt haben. 1940 annektierte Thailand 2 kambodschanische Provinzen, darunter war auch der Tempel. Nach dm Ende dess 2. WK forderten die Franzosen diese Gebiete zurueck. Bei Ende der franzoesischen Kolonialzeit uebergaben die Franzosen diesesn Tempel wieder Thailand. Thailand musste den Tempel aber dann wieder an Kambodscha abgeben (USA). 1960 faellte der Intern. Gerichtshof in den Haag das Urteilm dass dieser Tempel zu Kambodscha gehoert. Begruendung: Thailand habe 50Jahre nicht gegen die getuerkte Karte aus dem Jahr 1907 protestiert, also sei diese rechtens.
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