Grenzübergang Torkham Pakistan öffnet Nachschubroute der Nato

Die wichtigste Route für Nachschubkonvois der Nato-Truppen in Afghanistan ist wieder geöffnet. Hunderte Laster, die sich während der Blockade angestaut hatten, dürfen den pakistanischen Grenzübergang Torkham nun passieren. Doch die umstrittenen Drohnenangriffe gehen weiter.

Nato-Konvoi am Grenzübergang Torkham: Nachschub-Laster können wieder passieren
AP

Nato-Konvoi am Grenzübergang Torkham: Nachschub-Laster können wieder passieren


Peschawar - Nach elftägiger Blockade hat Pakistan den Grenzübergang Torkham für Nachschublieferungen an die Nato-Truppen in Afghanistan am Sonntag wieder geöffnet. Die Behörden auf beiden Seiten der Grenze arbeiten daran, eine zügige Wiederaufnahme des Grenzverkehrs zu ermöglichen. Die ersten Fahrzeuge durften den Checkpoint am frühen Nachmittag passieren.

Der Grenzübergang Torkham war am 30. September geschlossen worden, nachdem bei einem Hubschrauberangriff der Nato zwei pakistanische Soldaten getötet worden waren. Die USA entschuldigten sich am Mittwoch für den Angriff. Am Samstag dann kündigten die Behörden an, den Grenzübergang wieder zu öffnen.

"Nach Einschätzung der Sicherheitslage hat die Regierung beschlossen, die Nachschubroute über Torkham mit sofortiger Wirkung wieder zu öffnen", sagte ein Sprecher.Die Nato-geführte Internationale Schutztruppe Isaf in Afghanistan bezieht rund 80 Prozent ihres Nachschubs über Pakistan. Die wichtigste Route führt über Torkham, eine zweite Strecke verläuft durch Belutschistan.

In Torkham hatten sich mehrere hundert Lastwagen angestaut, die seit Tagen auf die Genehmigung zur Weiterfahrt warteten. Dadurch stieg für die wartenden Fahrer die Gefahr, Opfer eines Anschlags zu werden. Aufständische hatten angekündigt, die Konvois verstärkt ins Visier nehmen zu wollen. Und in der Tat: Insgesamt wurden mehr als 150 Lastwagen zerstört, erst am Samstag wurde wieder ein Konvoi mit fast 30 Nato-Tanklastern angegriffen. Zu den Anschlägen auf die Nato-Fahrzeuge haben sich in der Vergangenheit die Taliban bekannt.

Bei zwei den USA zugeschriebenen Raketenangriffen kamen am Sonntag im Nordwesten Pakistans mindestens acht Menschen ums Leben. Aus pakistanischen Geheimdienstkreisen verlautete, ein unbemanntes Flugzeug habe mutmaßliche Extremisten in einem Flüchtlingslager und in dessen Nähe angegriffen. Die Identität der Todesopfer wurde nicht bekannt. In der Region ist eine Rebellengruppe unter Führung von Hafiz Gul Bahadur aktiv, die Anschläge auf die ausländischen Truppen in Afghanistan verübt.

Bei dem ersten Angriff nahm die Drohne den Geheimdienstkreisen zufolge zwei Autos in dem Flüchtlingslager ins Visier. Die Fahrzeuge und ein nahe gelegenes Haus seien zerstört worden.

Wenige Minuten später tötete eine Drohne demnach zwei Menschen am Ufer eines Flusses in der Nähe. Das Lager liegt in der Gegend Spin Wam, unweit von Mir Ali, wo in der vergangenen Woche deutsche Islamisten bei einem Drohnenangriff ums Leben kamen.

Der US-Geheimdienst CIA hat in den vergangenen Wochen seine Angriffe auf mutmaßliche Extremisten in Pakistan verstärkt. Im September schlugen die Drohnen der Amerikaner mindestens 21 Mal zu, fast doppelt so oft wie zuvor. Im Oktober gab es bereits zehn derartige Angriffe, die vom Sonntag eingeschlossen. Die USA geben die Luftangriffe fast nie offen zu. Angeblich sind aber auf diesem Wege mehrere Anführer der Taliban und von al-Qaida getötet worden. Pakistan protestiert zwar offiziell gegen die Angriffe, Beobachter glauben aber, dass der pakistanische Geheimdienst die CIA heimlich unterstützt.

ffr/dapd/dpa/AP



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