Grenzzwischenfall Nato-Hubschrauber feuern auf pakistanischen Posten - viele Tote

Schwerer Zwischenfall an der Nordwestgrenze Pakistans: Bei einem Luftangriff von Nato-Hubschraubern wurden mindestens 25 pakistanische Soldaten getötet. Warum es zu dem Angriff kam, ist noch nicht geklärt. Pakistanische Regierungsvertreter sind empört und stoppten umgehend den Nato-Nachschub.

Nato-Hubschrauber im Einsatz: War der Angriff auf den Posten ein Versehen oder Absicht?
REUTERS

Nato-Hubschrauber im Einsatz: War der Angriff auf den Posten ein Versehen oder Absicht?


Hamburg/Islamabad - War es ein Versehen oder Absicht? Die Angreifer kamen von afghanischem Territorium, drangen in den pakistanischen Luftraum ein und feuerten auf den Wachposten Salala in der Region Mohmand. Unter den Toten habe sich auch ein Offizier befunden, teilten Sicherheitsverantwortliche und ein Armeesprecher in Peschawar mit. Mehr als ein Dutzend sei verletzt worden. Die Armee sprach von einem "grund- und wahllosen Angriff".

Die Regierung der Nachbarprovinz Khyber-Pakhtunkhwa nannte die Attacke über die Staatsgrenze zwischen Afghanistan und Pakistan hinweg "inakzeptabel und nicht zu tolerieren".

Die Internationale Schutztruppe in Afghanistan Isaf bestätigte einen Vorfall am Samstag, machte aber keine Angaben zum Ablauf und zu möglichen Opfern. "Wir wissen, dass es einen Vorfall im Grenzgebiet gegeben hat", sagte Isaf-Sprecher Brian Badura. "Wir sind dabei, Einzelheiten zu sammeln und haben mit der Untersuchung begonnen."

Pakistan blockierte aufgrund des Angriffs den Khyber-Pass im Norden, die wichtigste Überland-Nachschubroute für Nato-Truppen in Afghanistan. "Wir haben die Versorgung gestoppt. Etwa 40 Tank- und Lastwagen mussten am Checkpoint Jamrud wieder umkehren", sagte ein Regierungsmitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

Im vergangenen Jahr gab es schon einmal einen ähnlichen Vorfall, als ein US-Hubschrauber versehentlich zwei pakistanische Soldaten tötete. Das führte zu einer erheblichen Belastung der Beziehungen zwischen den USA und Pakistan. Pakistan schloss vorübergehend die Grenze und unterbrach damit für zehn Tage die Versorgung der Nato-Truppen in Afghanistan. Die USA entschuldigten sich schließlich für den Vorfall.

Der attackierte Posten wurde erst kürzlich im Dorf Salala eingerichtet, um Taliban-Kämpfer daran zu hindern, die Grenze zu überqueren und Angriffe in Pakistan zu verüben. Bei solchen Angriffen sollen seit Sommer Dutzende Angehörige der pakistanischen Sicherheitskräfte getötet worden sein. Pakistan wirft Afghanistan und den ausländischen Truppen vor, nicht genug gegen diese Angriffe zu unternehmen.

rüd/Reuters/AFP/dapd/dpa



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Seite 1
martin-gott@gmx.de 26.11.2011
1. Fehlerrate
Die Fehlerrate bei diesen Angriffen ist wirklich sehr hoch. Dazu kommt das Pakistan schon jetzt sehr instabil ist. Daher können solche Vorgänge einen viel größeren Schaden anrichten als es der Nutzen solcher Angriffe wäre.
Freifrau von Hase 26.11.2011
2. Grenzen
Unüberschreitbare Grenzen? Das ist doch so was von 20. Jahrhundert. Der Ami samt Vasallen nimmt sich selbstverständlich das Recht heraus, sich NICHT an internationales Recht zu halten. Hoffe, dass sich die Nato damit so richtig schön ins Bein geschossen hat.
Giraffenzebra 26.11.2011
3. Irgendwie ...
Irgendwie machen die Amis (denn diese sind da wohl mal wieder verantwortlich) in dem Gebiet fast alles falsch, was man nur falsch machen kann. Wie erklärt man sich sonst, dass Kampfhubschrauber eine pakistanische Militäreinheit angreifen, die in einem pakistanischen Dorf stationiert ist, um dort gegen die Taliban zu kämpfen. Und dann kriegt man von den Verbündeten aus der Luft noch eine auf die Mütze und 25 Soldaten sind tot. Mal sehen, was uns da wieder als Erklärung aufgetischt wird. MfG
tauroggen1812 26.11.2011
4. Ohne Luftabwehr geht es nicht...
Na ja, ohne Luftabwehrwaffen, önnen die Soldaten eines ganz normalen Militärstützpunktes auch nicht zurückschiessen. Das pakistanische Militär sollte in dieser Region seine Soldaten mit besseren Waffen zu ihrem eigenen Schutz ausstatte. Neulich übte ja das pakistanische Militär mit chinesischen Soldaten die Bekämpfung von "vom Ausland gesteuerten Terroristen". Vielleicht sollte das chinesische Militär den Schutz der pakistanischen Soldaten übernehmen...
autocritica, 26.11.2011
5. Richtiger Schritt der Pakistanis
Zitat von sysopSchwerer Zwischenfall an der Nordwestgrenze Pakistans: Bei einem Luftangriff von Nato-Hubschraubern wurden mindestens 25 pakistanische Soldaten getötet. Warum es zu dem Angriff kam, ist noch nicht geklärt. Pakistanische Regierungsvertreter sind empört und stoppten umgehend den Nato-Nachschub. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,800056,00.html
Die Nato hält sich für ein Menschengeschlecht, das überall in der Welt schalten und walten und töten kann wie es will. Es ist davon auszugehen, dass vergleichbare Luftangriffe auf Afghanen und Pakistanis regelmäßig stattfinden. Solange es Dorfbewohner sind, hört man einfach nichts davon. Jetzt sind die Natoschergen wieder mal ins Fettnäpfchen getreten und haben Verbündete getötet. Man kann nur hoffen, dass Pakistan die richtigen Konsequenzen aus diesem Vorfall zieht, und den Natoterror in dieser Region durch Abbindung des Nachschubs langfristig unmöglich macht.
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