Bei Neuwahlen Tsipras kann auf absolute Mehrheit hoffen

Er hat das Sparprogramm der Europartner durchs Parlament gebracht und seine Kritiker aus dem Kabinett verbannt. Nun denkt der griechische Premier Tsipras über Neuwahlen nach. Laut einer Umfrage könnte er die absolute Mehrheit holen.

DPA

Der griechische Premier Alexis Tsipras hat die große Mehrheit der Griechen hinter sich. Das zeigt die erste Umfrage nach der Parlamentsabstimmung über die Spar- und Reformmaßnahmen am vergangenen Mittwoch.

Laut der Umfrage, die in der linksgerichteten Zeitung "Efimerida Ton Syntaknon" veröffentlicht wurde, kommt die Syriza-Partei des Regierungschefs auf 42,5 Prozent Zustimmung. Die größte Oppositionspartei Nea Dimokratia erhielte bei einer Wahl derzeit nur 21,5 Prozent - satte 20 Prozentpunkte weniger.

Sollte sich Tsipras tatsächlich für vorgezogene Neuwahlen entscheiden, stehen die Chancen auf eine absolute Mehrheit gut: Laut der Prognose könnte Syriza mit 164 von 300 Parlamentssitzen rechnen.

Zudem sprachen sich 70 Prozent der Befragten für das neue Hilfsprogramm aus - wenn Griechenland damit in der Eurozone bleiben kann. Die Zustimmung geht mit einem Bekenntnis zur gemeinsamen Währung einher: 73 Prozent wollen den Euro behalten, 20 Prozent zögen es vor, zu einem nationalen Zahlungsmittel zurückzukehren.

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Griechenland: Das sind Tsipras' neue Minister
In der Regierungspartei selbst herrscht nicht so viel Einigkeit wie bei den Wählern. Ein Viertel der Syriza-Abgeordneten hatte am Mittwoch gegen die neuen Auflagen gestimmt, von denen die Gläubiger die Aufnahme von Verhandlungen über ein drittes Milliarden-Hilfspaket abhängig gemacht hatten. Die Parlamentsmehrheit hatte Tsipras nur dank der Unterstützung der Opposition erhalten.

Am Freitag dann hatte Tsipras sein Kabinett umgebildet. Insgesamt wurden zehn Mitglieder der politischen Führung in Athen, darunter Minister und Vizeminister, ausgetauscht.

Ab Montag gelten die ersten Gesetze, die das Parlament am Mittwoch beschlossen hat. So soll schrittweise eine höhere Mehrwertsteuer eingeführt werden. Bustickets und das Essen in Restaurants werden spürbar teurer.

Auch die griechischen Banken öffnen am Montag erstmals nach drei Wochen wieder. Die Kapitalverkehrskontrollen bleiben jedoch in Kraft. Überweisungen auf ausländische Konten bleiben untersagt.

Die Obergrenze für die Abhebung an Geldautomaten liegt unverändert bei 60 Euro am Tag. Allerdings müssen die Griechen nicht mehr jeden Tag zum Automaten, um sich diesen Betrag zu sichern. Sie können sich auch einmalig pro Woche bis zu 420 Euro auszahlen lassen.

sun/gec/Reuters

insgesamt 160 Beiträge
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Michael Strandt 19.07.2015
1. Respekt!
Er sammelt die demokratischen Griechen hinter sich Alle wissen Ohne Strukturreformen geht es nicht Ich hoffe der Rest von Europa Lehrnt
der_bulldozer 19.07.2015
2. Ach was
Das ganze Katastrophengeschrei der letzten Wochen, Krokodilstränen über weinende Rentner und das ganze Panikgedöns wird, nicht unerwartet, ad absurdum geführt werden. Die Griechen machen das schon, auch mit einer linken Mehrheitsregierung. Aber offensichtlich passt das unseren Regierungsclowns nicht in den Kram. Schau'n mer mal.
joes.world 19.07.2015
3. Odysseus und die Zyklopin
Es ist das, was die Großen ihres Landes auszeichnet: Das Wichtigste zu erkennen. Und seine Zeit nicht mit weniger Wichtigem zu verschwenden. Hat Tsipras sich in den 6 Monaten seine Regierungszeit, sich in der Schweiz um Steuerflüchtlinge bemüht? Selbstredend nicht. Denn das hätte vielleicht 1, 2, 3 Milliarden gebracht. Wenn überhaupt. Zu wenig für sein Land. Also arbeitete er dort, wo das meiste Geld zu holen war: in der Euro-Gruppe. Und wie wir seit heute wissen, mit gutem Grund. 86 Milliarden winken. Viel mehr, als er jemals von seinen Griechen bekommen hätte. In so kurzer Zeit. Und er hat seine 6 Monate - aus der Warte der GR - hervorragend genutzt: Sich Verbündete aufgebaut. Diese überzeugt. Mit denen Merkel geschlagen. Und nun wird kassiert. Tsipras, ein Griechischer Held. Merkel, eine deutsche Verliererin. Sein Volk versteht, was er für Griechenland geschafft hat. Und dankt ihm mit seiner Unterstützung.
oldhenry49 19.07.2015
4. Die absolute Mehrheit
hat er aber nur solange,wie er nicht die Vorgegebenen Reformen umsetzt. Denn dann wird das Volk wieder auf die Straße gehen und es werden wieder Molotow Cocktails fliegen. Denn Eines ist sicher,es wird sich nicht wirklich etwas in Griechenland ändern. Wer einem Kind immer den drohenden Finger zeigt,aber sonst nichts unternimmt statt dessen und seinem Willen und Wollen nachgibt,der wird feststellen,dass irgendwann dem Kind auch der Finger egal ist.
pankration1 19.07.2015
5. Immer wieder diese Umfragen!
Umfragen sind in Griechenlnad so verläschlich wie das vorgesagte JA zu Referentum! hahahaha! Wer das glaubt ist selbser Schuld! Ebenso sind die die glauben das das Abkommen der Griechische Parlament mit den glaubiger rechtens ist! Das Volk hat mit NEIN im Referentum gewählt.. und das ist mächtiger über jeder Beschluss des griechischen Parlaments! Dies Steht auch deutlich in der griechische Verfassung! Also der Tsipras und seine kolaborateure kann so viel unterschreiben wie er will!
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