Holprige Amtsübergabe in Athen Samaras verweigert Tsipras Passwörter

Griechenlands früherer Premier Samaras ist offenbar ein schlechter Verlierer. Er hinterließ seinem Nachfolger Tsipras einen Amtssitz ohne W-Lan-Zugang. Deshalb ist er auf der Regierungswebsite noch immer im Amt - die Neuen konnten es nicht ändern.
Webseite des Ministerpräsidenten: Zoff zwischen Tsipras und Samaras

Webseite des Ministerpräsidenten: Zoff zwischen Tsipras und Samaras

Athen - Auf Alexis Tsipras und seine Mitarbeiter wartete eine unliebsame Überraschung, als sie am Montag die Villa Maximos übernahmen - den eleganten Amtssitz des griechischen Ministerpräsidenten im Stadtzentrum von Athen. Ihre Vorgänger, die Mitarbeiter des abgewählten Antonis Samaras, hatten nämlich so gut wie nichts zurückgelassen, nicht einmal das Passwort für das W-Lan.

"Wir sitzen im Dunkeln. Wir haben kein Internet, keine E-Mails, keine Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren", sagte ein Mitarbeiter des Amtes, der seit Jahren für verschiedene Regierungschefs gearbeitet hat. "Das ist noch nie vorgekommen." Es zeige, dass Samaras' Team "kein Benehmen und keinen Anstand" habe.

Wegen des Blackouts in der Villa Maximos zeigt die offizielle Webseite des griechischen Ministerpräsidenten auch noch immer das Bild und den Lebenslauf von Samaras - dabei ist seit Montag der linke Syriza-Chef Alexis Tsipras der amtierende Regierungschef in Athen.

Es sei das erste Mal, dass eine Amtsübergabe so verbittert ablaufe, sagte der Amtsmitarbeiter SPIEGEL ONLINE. "Herr Samaras hat die Geschäfte nahtlos übernommen - alles hat funktioniert. Herrn Tsipras hat er diese Behandlung nicht zukommen lassen."

Samaras hatte bereits in den vergangenen Tagen bewiesen, dass er ein schlechter Verlierer ist. Er war abwesend, als Tsipras am Montag nach seiner Vereidigung in der Villa Maximos eintraf. Damit brach Samaras mit einer Tradition: Es ist üblich, dass ein scheidender Ministerpräsident seinen Nachfolger im Amtssitz willkommen heißt und ihm Erfolg für die Regierungsarbeit wünscht.

Das Umfeld des abgewählten konservativen Premiers verweist darauf, dass Samaras laut griechischer Verfassung nicht dazu verpflichtet gewesen sei, seinen Nachfolger willkommen zu heißen.

Zunächst dürfte der fehlende Internetzugang das geringste Problem für Tsipras und sein Team sein. Griechische Medien berichten, dass Samaras' Mitarbeiter nicht einmal die Seife in den Mitarbeitertoiletten zurückgelassen haben.

Übersetzung: Christoph Sydow