Schuldenkrise in Griechenland Athen beantragt offiziell neue Hilfen beim IWF

Griechenland hat keine andere Wahl: Trotz Vorbehalten hat Athen den Internationen Währungsfonds erneut um finanzielle Unterstützung gebeten. Die Athener Börse könnte schon am Montag wieder öffnen.

Das Parlamentsgebäude in Athen: Griechenland benötigt neues Geld vom IWF
REUTERS

Das Parlamentsgebäude in Athen: Griechenland benötigt neues Geld vom IWF


Die griechische Regierung hat nach offiziellen Angaben neue Hilfen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragt. Dies geht aus einem am Freitag veröffentlichten Schreiben von Finanzminister Euklidis Tsakalotos an IWF-Chefin Christine Lagarde hervor. Darin heißt es: "Wir möchten Sie darüber informieren, dass wir um einen neuen Kredit bitten." Es ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Aufnahme von Verhandlungen über neue längerfristige Finanzhilfen für das Land.

Die griechische Regierung hatte immer wieder Vorbehalte zur Beteiligung des IWF an künftigen Hilfen geäußert. Bei dem jüngsten Euro-Sondergipfel Mitte des Monats hatte die griechische Regierung versucht, den IWF nicht mehr an einem dritten Hilfspaket zu beteiligen. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch.

Auch eine Reihe weiterer harter Reform- und Sparauflagen im Gegenzug für neue Hilfsgelder im zweistelligen Milliardenumfang musste Athen am Ende der Verhandlungen in Brüssel akzeptieren. Erst in der Nacht zum Donnerstag verabschiedete das Parlament ein zweites Maßnahmenpaket. Es gehört zu den durch die Geldgeber geforderten Vorbedingungen für ein drittes Kreditprogramm von 86 Milliarden Euro.

Beginn der Gespräche zeitlich unklar

Das "Handelsblatt" berichtete unter Berufung auf das Umfeld der Institutionen, die Athener Regierung habe den Währungsfonds lediglich eingeladen, mit über das neue Rettungsprogramm zu verhandeln. Das Hilfsprogramm des IWF läuft noch bis März 2016. Laut Beschluss des Euro-Gipfels von Mitte Juli muss das Land aber auch darüber hinaus Hilfen beim Währungsfonds beantragen.

Nach der Billigung von zwei Reform- und Sparpaketen durch das Parlament bereitet sich die griechische Regierung auf die Verhandlungen über neue Finanzhilfen vor. Wann die Gespräche genau beginnen werden, ist bislang unklar. Eine Sprecherin der EU-Kommission erklärte in Brüssel: "Wir erwarten, dass die Institutionen, inklusive dem (Rettungsschirm) ESM, in den kommenden Tagen nach Athen reisen."

Banken auf dem Weg zur Normalität

Ziel Athens ist nach Regierungsangaben, die Gespräche bis zum 12. August zu beenden. Danach müssten noch die Euro-Gruppe und die Parlamente einiger Eurostaaten zustimmen. Das griechische Parlament werde auch das mögliche neue Hilfsprogramm billigen. Als mögliches Datum nannte die Regierungssprecherin den 18. August. Am 20. August muss Griechenland 3,2 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen.

Die griechischen Banken befinden sich unterdessen wieder langsam auf dem Weg zur Normalität: Die seit Ende Juni geltenden Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland werden für die Unternehmen des Landes gelockert. Künftig bräuchten Firmen bei Überweisungen ins Ausland erst ab 100.000 statt 50.000 Euro eine Genehmigung der zuständigen Regierungskommission, erklärte Zentralbankchef Giannis Stournaras nach einem Treffen von Notenbankvertretern mit Arbeitgebern und Repräsentanten des Finanzministeriums.

Athener Börse soll bald wieder öffnen

Stournaras stellte zugleich die Lage für die Unternehmen als undramatisch dar. Die Höhe der Geschäftsüberweisungen ins Ausland liege seit Einführung der Kapitalverkehrskontrollen Ende Juni "sehr nah" am normalen Niveau. Die griechischen Firmen sehen die Auflagen hingegen sehr kritisch. Sie warnen vor Güterknappheit, falls sie ihre Lager nicht rechtzeitig auffüllen können.

Nach einer einmonatigen Schließung wird auch die Wiedereröffnung der Athener Börse vorbereitet. Ein Sprecher des Betreibers sagte am Freitag, ein entsprechender Vorschlag sei an die Europäische Zentralbank geschickt worden, um die Währungshüter nach ihrer Meinung zu befragen. Die Entscheidung liege beim Finanzministerium in Athen.

Nach den Plänen könnten ausländische Investoren ihre Anteile verkaufen und ihr Geld aus dem Eurostaat abziehen, während dies inländischen Anlegern wegen der Beschränkungen des Kapitalverkehrs verwehrt bliebe. Sollte die Regierung schnell entscheiden, könnte am Montag in Athen wieder mit Aktien gehandelt werden. Wegen der dramatischen Zuspitzung der Schuldenkrise ist die Börse seit dem 29. Juni geschlossen.

amt/dpa/AFP/Reuters

Mehr zum Thema


insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
demophon 25.07.2015
1. Irrsinn
Ein Schuldner, der seine letzte Kreditrückzahlung nicht leisten konnte, beantragt beim gleichen Geldgeber einen neuen. Das wäre in der realen Welt der Witz des Jahres, in der Welt der großen Politik wird der neuen Forderung mit aller Wahrscheinlichkeit sogar noch nachgegeben, obwohl derselbe Kreditgeber (IWF) genau weiß, dass der Kreditnehmer seine Schulden gar nicht zurückzahlen kann und daher einen Schuldenschnitt braucht. Wer soll diesen Irrsinn noch verstehen?!
hoppla_h 25.07.2015
2. Schluss
... Ende - "AUS!" ... Für das GR-Problem braucht es eine neue Denke.
Paul-Merlin 25.07.2015
3. Die Fortsetzung des Euro-Griechenland-Desasters
ist eingeläutet. Gibt es wirklich niemanden der diesen Irrsinn stoppt? Jede zusätzliche neue Milliarde verlängert nur das Siechtum der griechischen Wirtschaft und Gesellschaft und lässt den Schuldenberg unaufhaltsam weiter wachsen. Wettbewerbsfähig wird Griechenland mit dem Euro nicht, so dass sich die Massenarbeitslosigkeit und wachsendes Elend weiter ausbreitet. Die Gläubiger verschieben zwar den Tag des offiziellen griechischen Staatsbankrotts nach hinten aber nur um den hohen Preis, dass die Steuerzahler der Gläubigerstaaten später dafür umso härter getroffen werden.
karit 25.07.2015
4. Wieso nur wieso?
Ich hätte das Theater mit einem Grexit oder vorläufigen Grexit beendet und das wärs gewesen. Aber selbst die Statuten der EU sind so schlampig ausgearbeitet worden, dass kein einfacher Austritt möglich scheint. Unglaublich und unglaublich blöd für alle zahlenden Staaten und die, die sich an die Bedingungen der EU halten und nun so ein faules Ei im Korb mit füttern müssen. Das untergräbt jegliche Moral!!
poisonnuke 25.07.2015
5. wie lange soll das eigentlich noch weitergehen?
ist es denn überhaupt in irgendeiner Weise realistisch, dass Griechenland ohne Schuldenschnitt oder Grexit jemals wieder alle Schulden bezahlen kann? Allein durch die gewaltigen Zinslasten ist es per Theorie unmöglich, nicht ohne das eigene Volk bis zum Ende auszubeuten. Wir schieben jetzt immer mehr Geld nach Griechenland, wodurch andere Staaten ihre eigene Schuldenlast erhöhen und dann am Ende gibt es trotzdem einen Schuldenschnitt und das restliche Europa steht dann dumm da und muss seine eigenen Schulden irgendwie loswerden. Griechenland wird da dann mangels Wirtschaftsleistung nicht mal helfen können.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.