Reparationen für NS-Verbrechen Griechischer Außenminister will Weisenrat einsetzen

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kommt am Montag nach Deutschland. Kurz vor dem Besuch erklärt sein Außenminister: Athen sei kompromissbereit in den Verhandlungen über Reparationszahlungen.

Außenminister Nikos Kotzias: "Rational über Probleme diskutieren"
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Außenminister Nikos Kotzias: "Rational über Probleme diskutieren"


Im Streit über Reparationen für Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg strebt Griechenland nach den Worten von Außenminister Nikos Kotzias eher eine politische als eine juristische Lösung an. Er sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Ich glaube, man muss Wege finden, mit Deutschland rational über bestimmte Probleme zu diskutieren." Er schlage deshalb einen Weisenrat mit Wissenschaftlern aus beiden Ländern vor. "Wir müssen einen gemeinsamen Nenner finden", erklärte er.

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Heft 13/2015
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Zuletzt hatte es aus der dortigen Regierung Drohungen gegeben, notfalls die Gebäude deutscher Einrichtungen in Griechenland zu pfänden. Die Bundesregierung hatte erst am Freitag ihre Ablehnung von Reparationszahlungen bekräftigt.

Zugleich wiederholte Kotzias aber den Hinweis, dass über Griechenland Flüchtlinge in Massen nach Europa kommen könnten, wenn sein Land weiter destabilisiert werde: "Ich sage: Machen Sie uns kaputt, und was kommt dann? Wenn sich Millionen Menschen auf den Weg machen, weiß niemand, was passiert."

Kurz vor dem Antrittsbesuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras haben Union und SPD den Druck auf die Regierung in Athen erhöht. Diese müsse erkennen, dass es ohne Reformen als Gegenleistung für die finanziellen Hilfen nicht gehe, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in der ARD.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann hatte im Interview mit SPIEGEL ONLINE gefordert: "Weitere Hilfen für Griechenland wird es nur dann geben können, wenn Griechenland uneingeschränkt bereit ist, seine eigenen Probleme zu lösen. Der öffentliche Dienst muss modernisiert werden. Eine effektive Steuerverwaltung muss aufgebaut werden. Es braucht rasche Anti-Korruptions-Maßnahmen."

Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte dem "Handelsblatt", die Regierung müsse sich vor allem noch mehr anstrengen, um fällige Steuern einzutreiben und "unsinnige Steuer-Privilegierungen" zu streichen.

kbl/dpa/Reuters



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Seite 1
2wwk 22.03.2015
1. Eine Stiftung fuer besondere Nazi Faelle
nicht auf Griechenland und diesen einen Fall ausgerichtet koennte eine Loesung sein. Wenn man anfaengt eine Loesung fuer eine Situation zu suchen oeffnet man nur die Tuer fuer den naechsten Fall
schwaebischehausfrau 23.03.2015
2. Komisch, wieso die nicht klagen wollen...??
ist ja komisch, da sind die Griechen und ihre "Experten-Kommissionen" so überzeugt davon, dass Deutschland ihnen noch Geld schuldet - aber juristisch einklagen wollen sie ihr Recht nicht. Wie gnädig!! Und einen super Kompromiss haben sie auch schon: Wahrscheinlich würden sie die ganze Geschichte für eine einmalige Zahlung 150 Milliarden Euro vergessen - zumindest solanage, bis sie in ein paar Monaten dann wieder pleite sind und die Experten-Kommission dann feststellt, dass doch noch 200 Milliarden neue , bisher unbekannte Reparationsforderungen dazukommen. Unsere Regierung wird hoffentlich das großzügige Angebot der Griechen dankend ablehnen und ihnen mitteilen, dass diese "Weisen-Kommission" in Deutschland bereits festgestellt hat, dass Griechenland doch lieber mal klagen soll. Und Deutschland sich aus Griechenland lieber komplett zurückzieht , um unser tolles Verhältnis nicht noch zusätzlich zu belasten. Gibt ja sicher noch hundert andere Staaten , die ganz begierig nur warten, endlich "Griechenland retten zu dürfen".
hollowman08 23.03.2015
3. Es ist gut und zufriedenstellend
Das die Forderungen die jetzt Politiker aus D stellen Deckungsgleich mit den Zielen der griechischen Regierung sind. Unsinnige neoliberale Forderungen der Vergangenheit nach dem Ausverkauf des griechischen Staates, nach Massenentlassungen und Lohnkürzungen bleiben glücklicherweise aus wenn den Spiegel vollständig wiedergibt was den deutsche Politiker fordern. Weieter so kann man da nur sagen und auf den gemeinsamen Feind des heutigen Nationalstaates konzertrieren. Die steuerflüchtingen kriminellen Ausbeuter des Kapitals und der Mafia an der internationalen Konzerne die Länder wie GR und D zerstören.
Ton_Chrysoprase 23.03.2015
4.
Super, läuft ja alles nach Lehrbuch: erst komplett irrationale und klar unberechtigte Forderungen aufstellen, dann einen "Kompromiss" suchen. Das nennet Anchoring und wenn man sich die Foren so anschaut funktioniert es auch hervorragend. Ist dasselbe wie wenn Prada eine 3000 EUR Handtasche ins Schaufenster stellt und der Kunde sich dann im Laden für die "günstige" entscheidet die nur 900 EUR kostet, die er sich aber sonst nie gekauft hätte.
ClausWunderlich 23.03.2015
5.
22.03.2015 Nach Griechenland bringt jetzt auch Serbien die Zahlung von Kriegsreparationen ins Spiel. http://www.focus.de/politik/ausland/fuer-die-nato-bomben-1999-nach-griechen-forderungen-will-jetzt-auch-serbien-kriegsentschaedigungen_id_4562334.html
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