Griechenland Demonstranten rufen zu europaweiten Protesten auf

Griechenland allein reicht ihnen nicht mehr, Demonstranten in Athen haben zu Protesten in ganz Europa aufgefordert. Mit Transparenten auf Griechisch, Englisch, Italienisch und Deutsch riefen sie zum "Widerstand" auf.


Athen - Die beiden großen Transparente hingen gut sichtbar an der Akropolis in Athen: "Widerstand" war darauf zu lesen - und das gleich in mehreren Sprachen. In Griechisch, Englisch, Italienisch und Deutsch. Die Demonstranten in Griechenland haben zu europaweiten Massendemonstrationen aufgerufen.

Proteste in Athen: "Widerstand", heißt es auf Transparenten
AP

Proteste in Athen: "Widerstand", heißt es auf Transparenten

Nach rund zwei Stunden wurden die Banner wieder abgenommen. In Athen und Thessaloniki kam es erneut zu teils gewaltsamen Aktionen.

In Athen bewarfen am Mittwoch Jugendliche einen Polizeibus mit Brandsätzen. Der Fahrer konnte unverletzt flüchten. Vor dem wichtigsten Gerichtsgebäude versammelten sich rund 100 Demonstranten und bewarfen die Wachleute mit Steinen, Eiern und Joghurt. Sie forderten die Freilassung aller Personen, die seit dem Beginn der Unruhen nach dem Tod eines 15-Jährigen durch Polizeischüsse am 6. Dezember festgenommen wurden.

An der Fassade des Büros der Gewerkschaft GSEE entrollten rund 30 Demonstranten ein Banner, auf dem ebenfalls die Freilassung aller bei den Protesten Festgenommenen gefordert wird.

In Thessaloniki explodierten am frühen Morgen Brandbomben vor einer Bank und einem Bürgerbüro. Beide Gebäude wurden schwer beschädigt.

Brandbombenangriffe durch linke Aktivisten sind in Griechenland keine Seltenheit. Dabei wird in aller Regel niemand verletzt.

Viele Demonstranten änderten inzwischen ihre Taktik: Statt die offene Konfrontation mit der Polizei zu suchen, wurden am Dienstagabend mehrere Radio- und Fernsehsender besetzt. Die zumeist jugendlichen Eindringlinge verließen die Gebäude erst, nachdem regierungskritische Botschaften verlesen wurden.

Rund zehn Jugendlichen gelang es auch, die Übertragung einer Rede von Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis im staatlichen Fernsehsender NET zu stören. Für gut eine Minute waren sie live im Fernsehen und hielten ihre Transparente hoch: "Hört auf zu schauen, kommt raus auf die Straße" oder auch "Befreit alle, die festgenommen wurden".

Einzelhändler gehen inzwischen wegen der Unruhen von mindestens 1,5 Milliarden Euro entgangenem Umsatz aus. Mehr als 300 Demonstranten wurden während der Proteste festgenommen. Aktivisten wollten am Mittwoch erneut vor einem Gerichtsgebäude im Zentrum Athens demonstrieren, um deren Freilassung zu fordern.

Die griechische Regierung verurteilte die neuen Protestaufrufe. Die Aktion sei "unentschuldbar" und trübe "das Bild Griechenlands im Ausland", sagte Regierungssprecher Evangelos Antonaros.

Die Proteste, die teilweise von schweren Ausschreitungen begleitet wurden, waren am 6. Dezember vom Tod eines 15-Jährigen Schülers durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe ausgelöst worden. Für Donnerstag war erneut ein Protestzug bis vor das Parlament in Athen geplant, im Anschluss sollte dort zudem eine seit langem geplante Kundgebung gegen Rassismus stattfinden.

hen/AP/AFP



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