Varoufakis-Rücktritt Chefunterhändler Tsakalotos wird neuer Finanzminister

Noch heute soll er vereidigt werden: Euklidis Tsakalotos wird neuer griechischer Finanzminister. Er hat bereits Erfahrung als Athens Chefunterhändler in den Gesprächen mit den Kreditgebern.
Euklidis Tsakalotos (l.) und sein Vorgänger Yanis Varoufakis (r.): Neuer Chef im Finanzministerium

Euklidis Tsakalotos (l.) und sein Vorgänger Yanis Varoufakis (r.): Neuer Chef im Finanzministerium

Foto: LOUISA GOULIAMAKI/ AFP

Der griechische Premier Alexis Tsipras hat nach dem Abgang von Yanis Varoufakis den Posten des Finanzministers neu besetzt: Euklidis Tsakalotos wird das Ministerium führen. Dies teilte die griechische Regierung mit. Tsakalotos war bisher Vize-Außenminister mit Zuständigkeit für internationale Wirtschaftsbeziehungen. Er leitet die Gespräche der Griechen mit den internationalen Geldgebern in Brüssel.

Tsakalotos ist bereits am Montag als neuer griechischer Finanzminister vereidigt worden. Tsakalotos studierte Wirtschaft, Politik und Philosophie an den Universitäten Oxford und Sussex. Er war wirtschaftlicher Sprecher der Regierung Tsipras und gilt als deutlich beherrschter und einfacher im Umgang als Varoufakis.

Seine Berufung wird als Zeichen gewertet, dass Tsipras einen Kompromiss mit den Gläubigern finden will.

Im Video: Das ist der Varoufakis-Nachfolger

Noch bevor Tsakalotos als Nachfolger feststand, hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dem Varoufakis-Nachfolger schwierige Zeiten vorausgesagt. Wer immer es werde, er werde in der "nicht einfachen Situation" sein, mit seinen Kollegen aus den anderen Euro-Ländern eine Lösung im Schuldenstreit zu finden.

Schäuble setze darauf, dass der griechische Minister am Dienstag seinen Kollegen aus den anderen Euro-Ländern neue Vorschläge vorlegt, sagte er. Kommentieren wolle er jedoch nichts, was er nicht kenne.

Varoufakis nennt sich "Minister no more"

Tsipras hatte sich am Montagmorgen bei Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos mit den anderen Parteichefs getroffen. Der Präsident appellierte an die Parteien, zusammenzuarbeiten und alles dafür zu tun, Griechenland im Euro zu halten. Die Spitzen der Regierungs- und Oppositionsparteien in Griechenland bekannten sich in einer gemeinsamen Erklärung dazu, Bemühungen zum Erreichen eines Abkommens mit den Gläubigern zu unterstützen.

Tsakalotos folgt Yanis Varoufakis. Dieser war am Morgen wenige Stunden nach dem Sieg des Nein-Lagers beim Referendum in Griechenland zurückgetreten. Einige Mitglieder der Euro-Gruppe hätten ihm klargemacht, dass sie es vorziehen würden, wenn er nicht mehr an ihren Treffen teilnehmen werde, schrieb Varoufakis am Montag in seinem Blog unter der Überschrift "Minister no more" . Er sei aus Kreisen der Euro-Gruppe darauf hingewiesen worden, dass es dafür eine "gewisse Präferenz" gebe. Doch eine genauere Betrachtung der Ereignisse lässt Zweifel an seiner Rücktrittslegende aufkommen.

Die griechische Opposition hatte einen neuen Verhandler für die Gespräche in Brüssel gefordert. Varoufakis hatte immer wieder mit Provokationen für Schlagzeilen gesorgt, zuletzt warf er den Gläubigern Griechenlands Terrorismus vor. (Lesen Sie hier mehr).

Keine Panik an der Börse

Auch an den Finanzmärkten wurde Varoufakis' Rücktritt goutiert. Kurz nach seiner Rücktrittsankündigung schoss der Wechselkurs des Euro   nach oben. Am Ende des Handelstages lag der Euro bei 1,108 Dollar - und damit weniger als einen halben US-Cent unter dem Freitagsschluss. Auch an den Börsen war nach dem Referendum in Griechenland von Panik nichts zu spüren. Der Dax   schloss 1,5 Prozent schwächer bei 10.891 Zählern.

mja/mmq/heb/gec/vek/Reuters/dpa
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