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25. Januar 2015, 21:13 Uhr

Linksruck in Griechenland

Euro fällt nach Syriza-Sieg auf tiefsten Stand seit elf Jahren

Der Sieg der linken Syriza in Griechenland macht sich umgehend an den Märkten bemerkbar, der Euro fällt deutlich. Auch bei der Bundesbank sorgt der Wahlausgang für Unruhe.

Athen - Der Linksruck in Griechenland hinterlässt bereits Spuren an den Börsen. Der Euro fiel nach den ersten Wahlprognosen auf den niedrigsten Wert seit elf Jahren. Im fernöstlichen Devisenhandel lag die Gemeinschaftswährung am frühen Montagmorgen zwischenzeitlich bei 1,1098 Dollar. Das war der niedrigste Stand seit September 2003.

Anschließend legte der Euro wieder leicht zu, kostete aber mit 1,1132 Dollar immer noch etwa 0,8 Prozent weniger als im späten US-Handel am Freitag. An den Finanzmärkten gibt es seit Wochen die Sorge, ein Erfolg des Linksbündnisses Syriza könnte für neue Turbulenzen sorgen.

Die Partei von Alexis Tsipras blickt einem klaren Wahlsieg entgegen, Hochrechnungen zufolge liegt sie knapp acht Prozentpunkte in Führung. Tsipras betont zwar, er wolle sein vor der Staatspleite gerettetes Land in der Eurozone halten. Vereinbarte Reformauflagen lehnt er aber ab und fordert einen Schuldenschnitt. Griechenland schuldet seinen Geldgebern rund 240 Milliarden Euro.

Unter den Europartnern sorgt das mögliche Wahlergebnis für Unruhe. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagte in der ARD, Griechenland sei nach wie vor auf Hilfen seiner Partner angewiesen. "Und das heißt natürlich auch, dass es ein solches Programm nur geben kann, wenn die Verabredungen auch eingehalten werden." Er hoffe, "dass die neue griechische Regierung keine illusionären Versprechungen macht, die sich das Land nicht leisten kann", sagte Weidmann mit Blick auf den bevorstehenden Regierungswechsel.

"Wir haben verloren"

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, Herbert Reul, bekräftigte, ein weiterer Schuldenschnitt sei undenkbar. "Griechenland muss den Reformkurs weiterführen, wenn es kein Ausscheiden aus der Währungsunion riskieren will", so der CDU-Politiker.

Die Sozialdemokraten in der europäischen Volksvertretung forderten den griechischen Wahlgewinner Tsipras auf, eine proeuropäische Koalition zu bilden. Die Neuverhandlung der hohen griechischen Staatsschulden sollte aber kein Tabu mehr sein, erklärte der Fraktionsvorsitzende Gianni Pittella am Sonntagabend in Brüssel. "Die Griechen haben sich deutlich dafür entschieden, mit dem harten Sparkurs zu brechen", so der italienische Sozialdemokrat.

Der belgische Finanzminister Johan Van Overtveldt von der separatistischen Neu-Flämischen Allianz (N-VA) sieht offenbar Bewegungspielraum für Griechenland. Es gebe Möglichkeiten, die Modalitäten des griechischen Schuldeprogramms zu besprechen, sagte er am Sonntagabend. Allerdings müsse Griechenland die Regeln der Währungsunion einhalten. "Es ist nicht möglich, die Dinge grundsätzlich zu ändern."

Bei den konkurrierenden Parteien in Griechenland wechselten sich Euphorie und Enttäuschung ab. Syriza-Sprecher Panos Skourletis sagte: "Das ist ein historischer Sieg." Das Wahlergebnis sende eine klare Botschaft gegen die Sparpolitik und für Würde und Demokratie. "Wir haben verloren", klagte hingegen Gesundheitsminister Makis Voridis. "Das Ausmaß der Ergebnisse ist noch nicht klar." Voridis ist der Sprecher der konservativen Partei Neue Demokratie. Der Sparkurs der Regierung habe "Sinn gemacht", er sei jedoch abgebrochen worden, bevor er hätte Früchte tragen können.

EU-Finanzminister treffen sich am Montag

Zehn Millionen Griechen waren am Sonntag aufgerufen, ihre Stimme für die neue Zusammensetzung des Parlaments in Athen abzugeben. Die griechischen Wähler haben mit ihrem Votum nun offenkundig die von den Geldgebern EU, EZB und IWF verordneten radikalen Sparauflagen abgelehnt. Diese sollten das Land aus den Schulden führen, brachten aber auch rund ein Viertel der Bevölkerung in Armut.

Die Opposition in Deutschland äußerte sich erfreut über den Wahlausgang. Die Linken-Chefs Katja Kipping und Bernd Riexinger erklärten, Syrizas Erfolg sei ein Hoffnungszeichen für einen Neuanfang in Europa. "Durch einen Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik kann der Teufelskreislauf von Verschuldung, sozialem Kahlschlag, wirtschaftlicher Depression und weiterer Verschuldung beendet werden." Die Euro-Rettungspolitik der Troika sei gescheitert.

Der Linken-Ministerpräsident in Thüringen, Bodo Ramelow, prahlte gar mit einem persönlichen SMS-Wechsel zwischen ihm und Tsipras - demnach spricht Tsipras nach seinem Wahlsieg von einem "Neustart für Europa":

Die Grünen forderten, den Menschen in Griechenland eine neue Perspektive zu geben. "Wir setzen uns für sozial gerechte Änderungen bei dem Anpassungsprogramm und einen konditionierten Schuldenschnitt im Gegenzug für soziale und wirtschaftliche Reformen in Griechenland ein", sagte Fraktionschef Anton Hofreiter.

Grünen-Chef Cem Özdemir zeigte sich auf Twitter vorsichtiger:

Die Finanzminister der Eurozone werden bereits am Montag in Brüssel darüber beraten, welche Folgen das griechische Wahlergebnis für die Eurozone und die Europäische Union(EU) hat. Beschlüsse werden aber noch nicht erwartet.

vek/amz/dpa/Reuters/AFP

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