Le Pen, Lucke und Co. Europas Radikale jubeln über Syrizas Sieg

Über den Wahlsieg der linkspopulistischen Syriza in Griechenland freuen sich nicht nur Europas Linke. Auch Rechtspopulisten sind begeistert. Marine Le Pen spricht von einer "gigantischen Ohrfeige" für die EU.
Anhänger des französischen Front National (Archivbild)

Anhänger des französischen Front National (Archivbild)

Foto: JEAN-PHILIPPE KSIAZEK/ AFP

Hamburg - Selbst Bernd Lucke unterstützt plötzlich Alexis Tsipras. Der deutsche AfD-Vorsitzende ist eigentlich der schärfste Gegner griechischer Ausgabenpolitik, wie sie sich der frischgebackene Wahlsieger in Athen vorstellt. Doch nach der Wahl in Athen sagte Lucke: "Ein Schuldenschnitt für Griechenland muss sein - insoweit hat Syriza völlig recht." Allerdings müsse das Land dann auch aus dem Euro austreten.

Über den Wahlerfolg des Linksbündnisses Syriza in Griechenland freuen sich nicht nur die Linken in Europa. Für sie ist Tsipras der Hoffnungsträger, der die EU-Sparpolitik beenden könnte. Aber auch Rechtspopulisten wie Lucke sehen Auftrieb für ihre eigene Agenda. Sie hoffen auf hitzige und chaotische Debatten über die Zukunft des Euro, in denen sie sich mit ihrer simplen Anti-Haltung beim verunsicherten Wahlvolk beliebt machen können.

Marine Le Pen, Vorsitzende des französischen Front National sagte, sie freue sich über über die "gigantische demokratische Ohrfeige, die das griechische Volk der Europäischen Union erteilt hat." Und: "Mit der EU sind wir nicht mehr frei in unserer Geld-, Haushalts- und Einwanderungspolitik", so Le Pen bei RTL France.

Der Front National wettert seit eh und je gegen Brüssel, seit Kurzem mit dem Argument, dass auch Frankreich unter der Austeritätspolitik leide. Bei der Europawahl 2014 wurde die Partei damit stärkste Kraft.

Ganz ähnlich, nur etwas schriller, klingt es in Italien beim Chef der rechtspopulistischen Lega Nord, Matteo Salvini. "Die Griechenland-Wahl ist eine Ohrfeige für die europäische Sowjetunion des Euro, der Arbeitslosigkeit und der Banken." Die Lega Nord will Italien aus dem Euro führen.

Bis auf die Bemerkung mit der "europäischen Sowjetunion" könnten auch die Linken das unterschreiben. Ihr Gegner ist ebenfalls das "Europa der Banken". Die italienischen Kommunisten waren schon zur Europawahl mit dem Bündnis "Ein anderes Europa mit Tsipras" angetreten. Der Grieche ist ihr Hoffnungsträger dafür, dass sich auch in Italien die Sparpolitik ändert.

Und so jubelte in Spanien auch Pablo Iglesias, der Anführer der spanischen Bewegung Podemos, die wie Syriza ein Ende der EU-Sparpolitik fordert: "Die Hoffnung kommt, die Angst geht. Syriza und Podemos, wir werden gewinnen."

Nigel Farage, Chef der britischen Europagegner Ukip, teilte mit, er sehe im Wahlergebnis einen Hilferuf derjenigen, die der Euro verarmt habe. Jetzt beginne das "Pokerspiel mit Merkel", twitterte er voller Vorfreude.

Bei der Europawahl wurde die Ukip stärkste Partei. Im Mai steht die britische Unterhauswahl an, in den Umfragen liegen die EU-Gegner bei 15 Prozent - ein Kampf zwischen Brüssel und Tsipras könnte im Wahlkampf helfen. Das Kalkül: Ukip sammelt all jene unzufriedenen Briten ein, die mit Europa und dem vermeintlichen Euro-Chaos nichts zu tun haben wollen.

fab
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